0800 300 3009

Kostenlose Service-Hotline

 
finanzen.de Nachrichten immer gut informiert

Altersarmut droht in Deutschland weiterhin zuzunehmen

Eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung hat ergeben, dass das Armutsrisiko im Alter weiterhin ansteigt. In 20 Jahren könnte so bereits jeder fünfte Rentner betroffen sein. Aktuelle Reformvorschläge der Politik überzeugten die Studienautoren wenig.
Altersarmut droht in Deutschland weiterhin zuzunehmen
Vielen Menschen droht Altersarmut.
  • Selbst bei weiterhin wachsender Konjunktur soll der Anteil von Altersarmut Betroffener bis 2039 von 16,8 auf 21,6 Prozent steigen, wie aus Studie des Deutschen Instituts  für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervorgeht.
     
  • Besonders betroffen sind demnach Alleinstehende, Geringqualifizierte und Menschen mit längeren Arbeitslosigkeitszeiten oder Migrationshintergrund.
     
  • Bisherige Grundrenten-Konzepte sehen die Studienautoren nicht als zielführend und fordern daher Anpassungen.

Im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung eine Studie zum Anstieg der Altersarmut in Deutschland herausgegeben/veröffentlicht. Selbst  bei einer weiterhin positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt und steigenden Erwerbsquoten fallen die Aussichten in puncto Armutsrisiko jedoch ernüchternd aus. Nicht nur soll jeder fünfte Rentner laut den Studienautoren in zwanzig Jahren von Altersarmut betroffen sein. Auch bei den Empfängern von Grundsicherung  prognostiziert die Studie einen Anstieg von aktuell neun Prozent in 2019 auf knapp zwölf Prozent in 2039.

Altersarmutsrisiko für Frauen und Geringqualifizierte besonders hoch

Zu den Risikogruppen zählen vor allem alleinstehende  Frauen, Geringqualifizierte und Menschen mit längeren Zeiten von Arbeitslosigkeit oder mit Migrationshintergrund. So steigt die Grundsicherungsquote bei alleinstehenden Frauen zwischen 2019 und 2039 von zwölf auf fast 20 Prozent, für ostdeutsche Rentner soll sich die Quote sogar verdoppeln (von 6,5 auf 12 Prozent) und damit dem bisher höheren westdeutschen Niveau angleichen. 

„Neben beschäftigungspolitischen Maßnahmen, um Risikogruppen noch besser in Arbeit zu bringen, sind auch zielgenaue Reformen des Rentensystems notwendig, um den Anstieg der Altersarmut zu bremsen“, erklärt Christof Schiller von der Bertelsmann Stiftung.

 

Was ist die Grundsicherungsquote?

Die Grundsicherungsquote gibt den Anteil der Rentner an, die zusätzlich auf staatliche Unterstützung zur Existenzsicherung angewiesen sind. Die Grundsicherungsschwelle für einen Ein-Personen-Haushalt liegt laut der Studie bei etwa 777 Euro.

Unser Service für Sie

Sichern Sie jetzt Ihren Ruhestand mit der richtigen Altersvorsorge ab.

Geplante Grundrente ist bisher nicht zielgenau

In der Debatte um die Grundrente als Mittel gegen Altersarmut sehen die Studienautoren sowohl das im Koalitionsvertrag vorgesehene Modell, als auch die von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) geplante Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung kritisch.

Beim Konzept der Koalition würden Menschen mit Grundsicherungsanspruch und 35 Versicherungsjahren eine um zehn Prozent höhere Grundsicherung erhalten . Dadurch könnten laut der Studie jedoch Mehrkosten von rund einer Milliarde Euro auf Steuerzahler zukommen.

Der Effekt wäre allerdings gering: Das Armutsrisiko ließe sich bis 2039 nur um 0,4 Prozentpunkte auf 21,2 Prozent reduzieren. Den Hauptgrund dafür sieht Studienautor Johannes Geyer vom DIW Berlin darin, „dass weniger als ein Drittel der Personen mit Grundsicherungsanspruch auf die geforderten 35 Versicherungsjahre kommen“.

Heils Konzept ist ebenfalls in der Kritik

Das Reformkonzept zur Grundrente von Arbeitsminister Heil betrachten die Studienautoren als wirkungsvoller, aber wenig zielgenau. Demnach würde das Heil’sche Modell die Armutsrisikoquote bis 2039 von 21,2 Prozent auf 18,4 Prozent senken. Mit Kosten von sieben Milliarden Euro im Ausgangsjahr sei dieses Konzept allerdings auch deutlich teurer.

Grund dafür ist der große Kreis der Begünstigten, da keine Prüfung der Bedürftigkeit erfolgen soll. So hätten laut Studie 85 Prozent der 3,1 Millionen berechtigten Personen aufgrund anderer Einkünfte im Haushalt eigentlich keinen Anspruch auf Leistungen der Grundsicherung im Alter.

Ist eine einfache Einkommensprüfung die Lösung?

Laut Arbeitsmarktexperte Christof Schiller könnte Heils Grundrente um eine einfache Einkommensprüfung (ohne Vermögensprüfung) und eine flexiblere Auslegung der Versicherungszeiten ergänzt werden. So würden tatsächlich nur einkommensschwache Haushalte unterstützt. Mehr Flexibilität in Sachen Versicherungszeiten wäre zudem nötig, um dem wachsenden Anteil der Menschen, die längere versicherungsfreie Zeiten oder Erwerbslosigkeit im Lebenslauf aufweisen, gerecht zu werden.

Entscheidend sei eine Kostensenkung besonders mit Ausblick auf den Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge der sogenannten „Baby Boomer“. Kamen im Jahr 2018 auf 31 Personen über 67 Jahren noch 100 im erwerbsfähigen Alter, dürfte das Verhältnis 2039 schon bei 47 zu 100 liegen. Die Belastung der öffentlichen Kassen wird ohne wirkungsvolle Reformen enorm ausfallen.

Private Vorsorge schützt im Alter

Um sich bestmöglich vor dem Risiko der Altersarmut zu schützen, rückt die private Altersversorge immer mehr in den Fokus .  Auch wenn die Leistungen mancher klassischer privater Rentenversicherungen in den letzten Jahren gesunken sind, erreichen sie immer noch eine Rendite von durchschnittlich 3,6 Prozent, wie map-report im zweiten Quartal 2019 ermittelte. Um bei der Vielzahl an unterschiedlichen Angeboten zur privaten Vorsorge den passenden Schutz zu finden, hilft Interessierten ein persönlich auf sie zugeschnittenes Angebot eines Experten.

Hier finden Sie Tipps und weitere Informationen zur Altersvorsorge.