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Bundeskabinett besiegelt Ende des „gelben Scheins“ für Krankmeldungen

Egal ob eine Grippe oder eine schlimme Magenverstimmung – lassen sich Arbeitnehmer vom Arzt krankschreiben, müssen sie sich um einiges kümmern. Denn sowohl der Arbeitgeber als auch die Krankenkasse wollen über die Krankschreibung informiert werden. Ein neues Gesetz soll den „gelben Schein“ nun jedoch durch eine digitale Lösung ersetzen.
Krankmeldungen: Kabinett beschließt digitale Lösung statt Papierform
2021 sollen digitale Krankschreibungen kommen
  • Das Bundeskabinett hat heute einem Gesetzentwurf für weniger Bürokratie von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zugestimmt.
     
  • Zentraler Bestandteil des Gesetzes ist die Abschaffung des „gelben Scheins“ für Krankmeldungen.
     
  • Ab 2021 soll ein elektronisches Meldeverfahren gelten, sodass Arbeitgeber und Krankenkassen digital über Krankschreibungen informiert werden.

Mit dem Herbstanfang steht die nächste Erkältungswelle vor der Tür. Für viele Menschen bedeutet dies, in übervollen Wartezimmern auf eine Untersuchung beim Arzt zu warten. Denn wer sich bei Husten, Schnupfen und Fieber nicht in der Lage fühlt, arbeiten zu gehen, benötigt neben Medikamenten und Erholung eine Krankschreibung.

Jahrelang erfolgte diese über den sogenannten „gelben Schein“, den Erwerbstätige sowohl bei der Krankenversicherung als auch beim Arbeitgeber einreichen mussten. Damit soll künftig jedoch Schluss sein: Das Bundeskabinett hat heute eine digitale Lösung für Krankschreibungen beschlossen. Diese soll ab 2021 gelten.

Trotz Spahn-Gesetz: Altmaier plant komplett digitale Krankmeldung

Eine Krankschreibung bedeutet für Arbeitnehmer meist eine Menge Bürokratie. Denn sie müssen einen Teil der Papierbescheinigung an den Arbeitgeber übermitteln, einen anderen Teil bei der Krankenkasse einreichen und den Rest für ihre eigenen Unterlagen aufbewahren. Um diesen Aufwand zu reduzieren, hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz bereits eine erste Neuregelung auf den Weg gebracht. Ab 2021 soll die Krankschreibung nur noch digital an die Kassen geschickt werden.

Bundeswirtschaftsminister Altmaier geht mit seinem geplanten dritten Bürokratieentlastungsgesetz nun noch einen Schritt weiter. Denn der bisherige Bearbeitungsaufwand von gelben Scheinen sei „angesichts der fortschreitenden Digitalisierung nicht mehr zeitgemäß“, heißt es im entsprechenden Referentenentwurf.

Demnach sollen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ab 2021 ausschließlich in digitaler Form erfolgen. Auch Arbeitgeber werden damit künftig direkt elektronisch von der Krankenkasse über den Beginn und das voraussichtliche Ende der Krankschreibung informiert.

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Elektronische Krankmeldung soll Patienten, Kassen und Arbeitgeber entlasten

Das Bürokratieentlastungsgesetz könnte der deutschen Wirtschaft laut Minister Altmaier mehr als eine Milliarde Euro einsparen, allein die digitale Krankschreibung soll dabei mit 550 Millionen Euro zu Buche schlagen. Zudem soll das neue elektronische Meldeverfahren dazu beitragen, dass Krankenzeiten genau dokumentiert werden und zwischen Arbeitgebern und Angestellten weniger Konflikte entstehen, beispielsweise hinsichtlich der pünktlichen Abgabe von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen.

Wie genau das digitale Krankschreibungssystem aussehen wird, ist bisher noch unklar. Fest steht jedoch, dass lediglich die Dauer der krankheitsbedingten Abwesenheit zugänglich gemacht werden soll, nicht aber die genauen Diagnosen von Patienten.

Kritik am Gesetzentwurf: Greifen Maßnahmen nicht weit genug?

Die digitale Krankschreibung ist nur eine von mehreren Stellschrauben des „Bürokratieentlastungsgesetzes III“. Weitere Entlastungen für die Wirtschaft sind bei Übernachtungen in Hotels sowie bei der Archivierung von Steuerunterlagen für Unternehmen vorgesehen.

Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden reichen die geplanten Maßnahmen jedoch nicht aus. So merkt Mittelstands-Präsident Mario Ohoven an, dass die mögliche Entlastung von rund einer Milliarde Euro „bei jährlichen Bürokratiekosten von 50,2 Milliarden Euro“ eher gering sei.

Darüber hinaus erklärt Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände, gegenüber der Deutschen Presseagentur: „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein digitaler gelber Schein noch kein Bürokratieentlastungsgesetz. Wie spürbar bürokratische Entlastung von Unternehmen wirklich ist, zeigt sich in der Gesamtschau.“

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