Rentner auf einer Bank
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Leitung Newsredaktion

22 private Rentenversicherungen im Visier von Stiftung Warentest

Bei der privaten Rentenversicherung gibt es seit ein paar Jahren mehr Auswahl. Denn neben den alten, klassischen Tarifen mit Garantieverzinsung setzen die Versicherer verstärkt auf Angebote der sogenannten neuen Klassik. Durch geringere Garantien sollen Kunden höhere Überschüsse erhalten. Die Stiftung Warentest hat nun beide Varianten in einem Vergleich gegenübergestellt.

  • Für die aktuelle Finanztest-Ausgabe (12/2019) hat die Stiftung Warentest 22 private Rentenversicherungen getestet.
  • Drei von ihnen erreichen eine gute Bewertung, ein Angebot schneidet nur mangelhaft ab.
  • Bei den Kosten zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen den Anbietern, sodass Interessierte auf einen individuellen Vergleich Wert legen sollten.

Fünf Jahre ist es her, seit die Stiftung Warentest einen intensiven Blick auf den Anlageerfolg und die Rentenhöhe von privaten Rentenversicherungen geworfen hat. Damals erreichten noch sechs Angebote ein gutes Resultat. Doch die Zeiten haben sich seitdem verändert. 2019 liegt der Garantiezins nur noch bei 0,9 Prozent. Experten gehen davon aus, dass er spätestens 2021 erneut sinken wird.



Viele Versicherer stehen angesichts des Niedrigzinsumfelds vor der Herausforderung, genügend Erträge zu erwirtschaften, um die Garantien für ihre klassischen Rentenversicherungen zu erfüllen. Ein Teil der Anbieter setzt daher auf Tarife der sogenannten neuen Klassik. Die Garantien fallen hier geringer aus, indem beispielsweise nur versprochen wird, Kunden zu Beginn der Rentenphase nicht weniger Geld auszuzahlen als sie eingezahlt haben. Im Gegenzug können die Versicherer die Beiträge der Versicherten flexibler anlegen und somit höhere Überschüsse erzielen.

Private Rentenversicherungen auf dem Prüfstand: So wurde getestet

Angesichts dieses Nebeneinanders von alter und neuer Klassik versucht die Stiftung Warentest mit ihrem aktuellen Test zur privaten Rentenversicherung Interessierten eine Orientierung zu geben. 22 Tarife hat die Verbraucherorganisation dazu hinsichtlich der garantierten Rente, der Kosten, des Anlageerfolgs, der Transparenz und der Flexibilität miteinander verglichen.

Von den untersuchten Angeboten garantieren acht eine Mindestrente beziehungsweise als Mindestauszahlung die Summe der eingezahlten Beiträge. Diese zählen somit zur neuen Klassik. Bei ihnen hat die Stiftung Warentest den Anlageerfolg stärker bewertet als bei Tarifen, die eine garantierte Rente versprechen. Auch die Kosten flossen zu einem größeren Anteil ins Gesamtergebnis ein. Bei den alten, klassischen Angeboten beeinflusste dagegen die Rentenhöhe das Qualitätsurteil stärker.

Für die Untersuchungen gingen die Tester von einer Modellkundin aus, die jährlich 1.200 Euro in ihren Vertrag einzahlt. Nach 30 Jahren soll die private Rente ausgezahlt werden. Zusätzlich vereinbart sie eine Beitragsrückgewähr und Rentengarantiezeit von zehn Jahren.

Finanztest vergibt drei Mal ein gutes Qualitätsurteil

Während der Analyse fielen der Verbraucherorganisation vor allem die hohen Kostenunterschiede ins Auge. Vereinbaren Kunden eine jährliche Zahlweise, fressen Abschlussgebühren und Co. beim teuersten Anbieter 16 Prozent des Beitrags. Beim kostengünstigsten Versicherer sind es dagegen nur 4,9 Prozent.

Vier Anbieter fallen mit einer positiven Beurteilung der Kosten auf. Europa, Hannoversche und WGV werden mit „gut“ bewertet, InterRisk sogar mit „sehr gut“. Alle Versicherer bieten Rentenversicherungen der alten Klassik. Bei den Tarifen der neuen Klassik erreicht die Allianz die beste Bewertung mit „befriedigend“.

Insgesamt erreichen drei private Rentenversicherungen ein gutes Ergebnis. Sie sind alle traditionell mit Garantierente ausgerichtet:

  • Europa – „E-R“ (Note 1,8)
  • InterRisk – „(D) SLR1“ (1,9)
  • HanseMerkur – „Vario Care“ (2,4)

Die günstigen Rentenversicherungen von Hannoversche und WGV erzielen aufgrund einer schlechten Bewertung des Anlageerfolgs nur ein „befriedigendes“ beziehungsweise „ausreichendes“ Qualitätsurteil.

Private Rentenversicherung der neuen Klassik: Rentenhöhe enttäuscht

Bei den privaten Rentenversicherungen der neuen Klassik sticht die Allianz zwar mit einer „sehr guten“ Bewertung des Anlageerfolgs sowie der Transparenz und der Flexibilität hervor. Dennoch erreicht die Rentenversicherung „PrivatRente Perspektive“ nur ein „befriedigendes“ Resultat. Grund ist die Rentenhöhe. Sie ist aus Sicht der Stiftung Warentest lediglich „ausreichend“.

Zum Vergleich: Während die Testsieger eine monatliche Rente zwischen 113 Euro und 124 Euro versprechen, sind es bei Allianz 109 Euro. Durch Überschussbeteiligungen kann sich die Rente zwar noch erhöhen. Da diese ungewiss sind, wurden sie von der Verbraucherorganisation jedoch nicht berücksichtigt.

Neben der Allianz wurden zudem Saarland („N(I)-ARP“) und Continentale („RCB und RCP“) mit „befriedigend“ bewertet.

Tipp:

Weitere aktuelle Testsieger zur Privatrente finden Interessierte auf der Übersichtsseite „Private Rentenversicherung im Test“.