Frau am Laptop
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

42-Stunden-Woche, Rente mit 70: Wie wird die Rentenkasse entlastet?

Für Wirtschaft und Industrie steht fest: Die Deutschen müssen sich auf längere Arbeitszeiten einstellen. Nur so ließen sich der Fachkräftemangel begrenzen und die Finanzen der gesetzlichen Rentenversicherung stabilisieren. Dabei könnte eine 42-Stunden-Woche wesentlich leichter umgesetzt werden als die Rente mit 70 Jahren.

  • Wirtschaft und Industrie befeuern aktuell die Diskussion um eine 42-Stunden-Woche.
  • Die Bundesbank befürwortet dagegen eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung.
  • Hintergrund der Vorstöße ist die drohende finanzielle Schieflage der gesetzlichen Rentenversicherung.

Die gesetzliche Rentenversicherung steht vor einem Problem: Durch den Renteneintritt der sogenannten Babyboomer gehen ihr nicht nur etliche Beitragszahler verloren. Gleichzeitig wächst die Anzahl der Rentenbezieher deutlich an. Das setzt die Rentenkasse finanziell unter Druck.

Obwohl dies bereits seit Jahren bekannt ist, hadert die Politik mit einem nachhaltigen Plan, die Finanzlage der Rentenversicherung zu festigen. Dafür regen Wirtschaft und Industrie immer wieder Ideen an, die jedoch in der aktuellen Ampel-Regierung auf keine offenen Ohren stoßen.

Leichte Umsetzung einer 42-Stunden-Woche

Gegenüber der Funke-Mediengruppe schlägt Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), die Einführung einer 42-Stunden-Woche vor – natürlich mit entsprechender Bezahlung. Dies wäre nicht nur ein Mittel im Kampf gegen den Fachkräftemangel, sondern würde auch den langfristig sinkenden Einkünften der gesetzlichen Rentenversicherung entgegenwirken.

Spätestens wenn die Babyboomer in wenigen Jahren in Rente gehen, gehen den Arbeitgebern viele Arbeitskräfte verloren, so Russwurm. Eine längere Arbeitszeit wäre dabei leichter durchzusetzen als die Rente mit 70.

Russwurm bekräftigt damit den Vorschlag von Wirtschaftsforscher Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Auch er hatte sich bereits für eine 42-Stunden-Woche ausgesprochen.

Wer länger lebt, muss länger arbeiten

Dass die Rentenkasse finanziell langfristig nicht gut aufgestellt ist, zeigt unter anderem eine aktuelle Berechnung der Bundesbank. Bliebe es bei dem Plan, das Mindestrentenniveau auf 48 Prozent festzuschreiben, müsste der Beitragssatz deutlich steigen – auf bis zu 29 Prozent bis 2070.

Die Bundesbank macht sich daher für eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung stark. Dies sorge einerseits für eine Entlastung der Rentenkasse und andererseits für ein Ende der Debatte über das Eintrittsalter. Eine Kopplung verhindere zudem, dass die Rentenjahre wegen der zunehmenden Lebenserwartung mehr steigen als die Beitragsjahre.

Arbeitsminister Heil gegen späteren Renteneintritt

Die Rentenversicherung braucht also mehr Beiträge. Doch Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte sich in der Vergangenheit gegen eine spätere Rente ausgesprochen. „Die Vorstellung, dass man im Stahlwerk oder an der Supermarktkasse, als Polizistin oder als Krankenschwester bis 70 arbeiten soll, die können nur Leute haben, die in einer anderen Welt leben“, sagte er der Funke-Mediengruppe.

Der Minister setzt bei der Finanzierungsfrage der Rentenversicherung vor allem auf den Arbeitsmarkt. Durch eine hohe Erwerbsbeteiligung und eine angemessene Lohnentwicklung würden mehr Beiträge in die Rentenkasse gespült werden.