Personen auf einem Bahnhof
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

9-Euro-Ticket ab Juni 2022: Wer darf es nutzen, wo kann man es kaufen?

Das Bundeskabinett hat den Weg für das zweite Entlastungspaket freigemacht. Darin steckt das 9-Euro-Ticket für den öffentlichen Nah- und Regionalverkehr. Während sich Verkehrsminister Wissing eine langfristige Stärkung des ÖPNV erhofft, warnen die Verkehrsbetriebe vor Überlastung. Hier gibt es die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

  • Ab Juni können die Bürger für neun Euro im Monat Busse und Bahnen deutschlandweit nutzen.
  • Das sogenannte 9-Euro-Ticket gilt bis Ende August und ist eine Maßnahme der Bundesregierung, um Verbraucher bei den hohen Energiekosten zu entlasten.
  • Die Verkehrsbetriebe bemühen sich um eine einfache Umsetzung. Verbände warnen jedoch vor vollen Zügen.

2,5 Milliarden Euro nimmt die Bundesregierung in die Hand, um vor allem Pendler in Hinblick auf die hohen Energie- und Kraftstoffpreise zu entlasten. Sie sollen dazu auf den öffentlichen Nah- und Regionalverkehr umsteigen. Damit dies gelingt, wird der ÖPNV deutlich günstiger: Ab Juni dürfen Verbraucher Busse, Bahnen und Co. für neun Euro im Monat nutzen. Doch knapp vier Wochen vor Einführung des 9-Euro-Tickets sind noch viele Fragen nicht abschließend geklärt.

Offen ist beispielsweise, wie Abo-Kunden von den vergünstigen Preisen profitieren. Die Verkehrsunternehmen betonen, dass für sie kein Aufwand entstehen soll. Ob die Verrechnung als Gutschrift erfolgt oder als Erstattung der Differenz, ist aktuell unklar.

Undurchsichtiger ist die Lage bei anderen Tickets wie dem Semesterticket, Jobticket und 9-Uhr-Ticket. Das Bundesverkehrsministerium informiert dazu lediglich, dass die Verkehrsunternehmen „für diese Tickets an der Erstattung für den Zeitraum Juni bis August arbeiten.“

Wo gilt das Ticket und wo kann es gekauft werden?

Das „9 für 90“-Ticket, wie es Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) nennt, gilt deutschlandweit. Das heißt, ein Ticket, das in Berlin gekauft wurde, ist auch in Bayern gültig. Reisende dürfen damit Busse, Bahnen, U-Bahnen, S-Bahnen und Straßenbahnen im Nah- und Regionalverkehr (2. Klasse) nutzen. In Hamburg und Berlin sind beispielsweise auch Fähren eingeschlossen. Nicht nutzbar ist das 9-Euro-Ticket für die Fernverkehr-Züge ICE, IC und EC.

„Derzeit ist eine gemeinsame Online-Plattform geplant, über die das Ticket digital gebucht werden kann“, so das Verkehrsministerium. Geplant ist, dass es über die App „DB Navigator“ sowie den jeweiligen Apps der Verkehrsverbünde und -unternehmen zu erwerben ist. Die Verkehrsbetriebe ebnen zudem den klassischen Weg, sodass es das 9-Euro-Ticket auch am Automaten und in den Kundenzentren geben wird.

Wichtig:

Das Ticket ist personengebunden und gilt bis zum Ende eines Monats.

Übervolle Züge auf beliebten Strecken befürchtet

Sollten viele Personen wie gewünscht auf den ÖPNV umsteigen, könnte es vor allem auf den Strecken voll werden, die bei Touristen beliebt sind. Der Fahrgastverband Pro Bahn warnt zudem vor Überlastung auf Strecken, für die es keine Fernverkehralternative gibt. Die Bahngewerkschaft EVG erwartet einen ersten Härtetest am Pfingstwochenende Anfang Juni. Deren Vorsitzender Klaus Hommel rechnet im schlimmsten Fall sogar mit der Räumung von übervollen Zügen und der Sperrung von Bahnhöfen.

Das Verkehrsministerium wälzt die Verantwortung für einen reibungslosen Ablauf indes auf die Verkehrsunternehmen ab. „Der Bund geht davon aus, dass die Verkehre entsprechend organisiert werden“, heißt es in einer Mitteilung.