Paar sitzt entmutigt vor Unterlagen
Annabell Meyer
Annabell Meyer

Redakteurin

Ärger beim Bausparen: Versteckte Informationen zu Vertragsänderungen

Neue Gebühren, Kündigungen und zahlreiche Urteile – beim Bausparen hat sich in den letzten Jahren viel getan. Die Debeka Bausparkasse bucht nun bei unzähligen zuteilungsreifen Verträgen keine weiteren Beiträge mehr vom Konto ab, wodurch Kunden Zinsen verlieren. Die Änderung kommt zudem oft unerwartet, denn das Unternehmen lässt Transparenz vermissen.

  • Sobald ein Bausparvertrag des Tarifs BS1 der Debeka zuteilungsreif ist, werden keine weiteren Beiträge vom Konto des Kunden abgebucht.
     
  • Bausparer, die diese im Kleingedruckten versteckte Information übersehen, zahlen somit nicht länger in den Vertrag ein und lassen Zinsen liegen.
     
  • Verbraucherschützer kritisieren das Vorgehen der Bausparkasse, die jedoch nicht als einzige ihre Kunden verärgert.

Bereits 2017 stand die Debeka ebenso wie Signal Iduna und LBS Bayern wegen neuer Gebühren in der Kritik. Der aktuelle Grund für unzählige verärgerte Bausparer: Die Bausparkasse hat offenbar bei zehntausenden Kunden, deren Bausparverträge zuteilungsreif sind, die Abbuchung weiterer Beiträge seit Jahresbeginn eingestellt.



Der Hinweis auf diese Änderung wurde jedoch im Kleingedruckten der Datenschutzinformation versteckt, wie Deutschlandfunk berichtet. Praktiken wie diese sorgen bei Verbraucherschützern für Unmut. Doch die Debeka ist längst nicht der einzige Anbieter mit zweifelhaftem Vorgehen.

Keine neuen Abbuchungen bei zuteilungsreifen Verträgen: Debeka verteidigt Vorgehen

Rund 70.000 Bausparer, die einen zuteilungsreifen Vertrag des Tarifs BS1 bei der Debeka haben, sind von der neuen Regelung betroffen. Vielen von ihnen war jedoch nicht klar, dass das Unternehmen nun keine weiteren Einzahlungen in den Vertrag mehr von ihrem Bankkonto abbucht.

Denn diese wichtige Änderung kann leicht übersehen werden, da die Information offenbar im Kleingedruckten versteckt wird. Kunden, die den Hinweis nicht bemerken, laufen somit Gefahr, ihren Bausparvertag unwissentlich nicht weiter zu besparen. Damit entgehen ihnen oftmals hohe Zinserträge. Denn ohne weitere Einzahlungen wird nur die bisher angesparte Summe verzinst.

Die Bausparkasse begründet ihre Entscheidung gegenüber der Bild damit, dass der Sinn eines Bausparvertrags erfüllt sei, sobald dieser zuteilungsreif ist. Daher wäre das Unternehmen nicht mehr verpflichtet, anschließend weiter Beträge abzubuchen.

Für höhere Zinsen: Verbraucherschützer mahnen Bausparer zum Handeln

Die hohen Zinserträge sind Verbraucherschützern zufolge auch genau der Grund für das Vorgehen der Debeka. „Die Verschleierung hat das ökonomische Ziel, die Summe der an die Kunden zu zahlenden Guthabenzinsen zu reduzieren“, betont Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegenüber der Boulevardzeitung. Dem stimmt David Riechmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen im Interview mit dem Deutschlandfunk zu. Denn insbesondere bei Altverträgen können die Zinsen mehrere Prozent betragen.

Die Experten raten betroffenen Bausparern, umgehend einen Dauerauftrag für die regelmäßigen Sparbeiträge einzurichten. So können sie ihren Vertrag weiter besparen und sich höhere Zinsen sichern. Dafür sei laut Nauhauser keine Zustimmung der Bausparkasse nötig, da der Vertrag weiterlaufe.

Nicht nur Debeka: Bausparkassen sorgen immer wieder für Schlagzeilen

Hochverzinste Altverträge sind jedoch nicht nur der Debeka ein Dorn im Auge. Auch andere Bausparkassen machen immer wieder mit zweifelhaften Maßnahmen Schlagzeilen. So hat laut einem Bericht des Online-Nachrichtenportals Der Westen die Aachener Bausparkasse zahlreiche Kunden zuletzt moralisch stark unter Druck gesetzt. Das Unternehmen forderte Bausparer mit alten Verträgen auf, sich diese auszahlen zu lassen oder in einen angepassten Vertrag umzuwandeln. Würden Kunden dieser Bitte nicht nachkommen und an ihren Bausparverträgen festhalten, „so schädigt dies nicht nur die Bausparkasse, sondern auch die gesamte Bausparergemeinschaft“, heißt es in dem Kündigungsschreiben des Unternehmens.

Darüber hinaus haben in den letzten Jahren zahlreiche Anbieter neue Gebühren für den Service oder die Kontoführung festgesetzt oder ältere Verträge gekündigt. Während letzteres vom Bundesgerichtshof für grundsätzlich zulässig erklärt wurde, haben die Karlsruher Richter Kontogebühren inzwischen verboten.