Altersvorsorge für Ehepaare: So gehts romantisch und fair

Das einzige Mittel gegen Altersarmut ist für viele Frauen die private Vorsorge. Denn die staatliche Rente reicht für sie nur selten aus, insbesondere dann, wenn sie jahrelang für die Familie in Teilzeit gearbeitet haben. Dabei lässt sich der private Rentenaufbau mit dem Partner gemeinsam und fair organisieren. Doch viele Paare machen sich darüber einfach keine Gedanken.

Veröffentlicht am 6. Oktober 2016
Viele Menschen werden mit der gesetzlichen Rente kaum ihren Lebensstandard halten können. Daher ist die private Vorsorge für jeden wichtig. Doch es gibt eine Gruppe, die sich besonders um den Rentenaufbau bemühen müsste. Gemeint sind Frauen, die im Niedriglohnsektor oder in Teilzeit arbeiten und einen sehr geringen Rentenanspruch erwerben. Das betrifft vor allem viele verheiratete Frauen, die für die Familiengründung beruflich kürzertreten. Sie verlassen sich auf ihren Mann, der mit seinem Einkommen beziehungsweise seiner späteren Rente genug Altersvorsorge ist. „In Hinblick auf die Scheidungsraten von 50 Prozent ist das ein unhaltbarer Zustand“, findet Frauen-Finanzberaterin Susanne Kazemieh. Im finanzen.de-Interview spricht sie deshalb über viele Möglichkeiten, wie Ehepaare gemeinsam und fair für ihren Rentenaufbau sorgen können.

Viele verheiratete Frauen vernachlässigen den Aufbau ihrer Altersrente. Fehlen Ihrer Einschätzung nach Vorsorgemöglichkeiten oder lediglich das Bewusstsein, wie wichtig die Vorsorge ist?

Susanne Kazemieh: Es gibt unter Frauen die Tendenz, Vorsorge, insbesondere für das Alter, als unangenehmes Thema zu verdrängen. Männer wurden stärker dahingehend erzogen, dass sie sich für finanzielle Themen verantwortlich fühlen und richten sich in einer „Ernährerrolle“ ein. Deshalb ist es für sie selbstverständlicher, sich um die finanziellen Aspekte des Lebens zu kümmern. Frauen hingegen wurden bis Ende der 50er Jahre vom „großen Geld“ überwiegend abgeschnitten, sie durften gerade mal die Haushaltsfinanzen verwalten. Sie haben wohl deshalb mehr Respekt vor finanziellen Angelegenheiten. Außerdem ist das Thema „Alter“ für viele Frauen nicht „sexy“. Das unterstützt den Verdrängungsmechanismus.

Das Problem vieler Frauen mit der Altersvorsorge beginnt schon mit ihrer Sicht aufs Arbeitsleben. Frauen nennen als Motivation für ihre gewählte Tätigkeit weitaus seltener ein hohes Einkommen als die Vereinbarkeit mit familiären Aufgaben. Der Fokus auf der Familie statt auf dem monatlichen Gehalt zeigt sich in den steigenden Zahlen von armen Rentnerinnen. Wenn Frauen beruflich kürzertreten, Verdienstausfälle während der Kindererziehung in Kauf nehmen und häufig im Niedriglohnsektor arbeiten, können sie nicht mit einer üppigen gesetzliche Rente rechnen. Sie müssen deshalb ihre Altersrente privat aufrüsten.

Wie können Frauen diese Rentenlücke gemeinsam mit ihrem Partner möglichst klein halten?

Susanne Kazemieh: Generell ist es heute riskant, wegen einer Familiengründung die Karriere ganz aufzugeben. Das sollte sich jede Frau und jeder Mann gut überlegen. Heute mangelt es weder an Kinderbetreuungsmöglichkeiten noch können viele Paare mit nur einem Gehalt wirklich gut leben.

Bleibt eine Frau beispielsweise aus familiären Gründen für einen langen Zeitraum zu Hause, entsteht eine Rentenlücke. Wie groß diese Lücke ausfällt, hängt unter anderem vom Beziehungsstatus ab. Verheiratete Frauen profitieren im Falle einer Scheidung immerhin von einem Rentensplitting. Dabei werden alle in den Ehejahren erworbenen Rentenansprüche des Partners hälftig aufgeteilt. Unverheiratete Frauen gehen bei einer Trennung im schlimmsten Fall leer aus.

Generell gilt jedoch für Frauen, die in Teilzeit arbeiten oder jahrelang aus dem Beruf aussteigen, dass sie mit ihrer gesetzlichen Rente nur schwer die Armutsschwelle überschreiten. Deshalb ist eine umfangreiche private Altersvorsorge gerade für Frauen unumgänglich. Meiner Meinung nach gehört es zu der Verantwortung von Paaren dazu, sich dabei zu unterstützen, auf Grundlage des gemeinsamen Familieneinkommens für beide Partner vorzusorgen.

Welche Möglichkeiten haben Paare, um die Familienplanung finanziell fair zu gestalten, wenn ein Partner für eine Zeit zu Hause bleibt?

Susanne Kazemieh: Der Staat bietet zwar einige Ausgleichsmechanismen: Beispielsweise gibt es pro Kind drei Rentenpunkte, die in der Regel der Mutter zufallen. Dies entschädigt jedoch keinesfalls für einen jahrelangen Karriererückschritt aufgrund von Betreuungspflichten. Für eine faire Lösung müssen Paare also selbst handeln. Das könnte etwa folgendermaßen aussehen: Der erwerbstätige Mann zahlt in die private Altersvorsorge seiner Frau, die für die gemeinsame Familie zu Hause bleibt. Natürlich nur solange, bis sie wieder voll verdient. Wenn das Geld nicht reicht, sollte er seine privaten Rentenverträge reduzieren oder stilllegen und nicht ihre. Denn schließlich profitiert der erwerbstätige Partner durch das höhere und längere Erwerbseinkommen stärker von der gesetzlichen Rente.

Leider erlebe ich immer wieder, dass selbst aufgeklärte junge Frauen sich davor scheuen, dieses Thema anzusprechen. Hier schnappt die Romantikfalle zu: Würde die Frau ihre eigene Vorsorge thematisieren, stünde auch der Gedanke einer potenziellen Scheidung im Raum, und das ist so gar nicht mit dem Ideal der ewigen Liebe vereinbar. Deshalb spricht frau darüber vorsichtshalber nicht. Stattdessen arbeitet sie am Gelingen der Beziehung.

Haben Frauen einmal den Mut gefasst und die eigene Vorsorge angesprochen, haben sie welche Möglichkeiten, für das Alter ein finanzielles Polster aufzubauen?

Susanne Kazemieh: Nicht erwerbstätige Mütter können während der Kindererziehungszeiten für maximal 36 Monate in eine Riester-Rente einzahlen und die staatlichen Zulagen erhalten. Über einen sogenannten Huckepack-Vertrag geht das sogar auch ohne Kinder und zeitlich unbegrenzt, sofern der Ehemann zulagenberechtigt ist.

Daneben bietet der Kapitalmarkt Frauen heutzutage viele Möglichkeiten, in Form von klassischen oder fondsgebundenen Rentenversicherungen oder auch mit Fondssparplänen für ihre Rente vorzusorgen. Gerade letztere haben eine extrem hohe Flexibilität. Denn Fonds kennen weder feste Laufzeiten noch Kündigungsfristen oder gar Stornogebühren. Wie bei allen Anlagen gilt hier, dass eine gute Beratung unverzichtbar ist. Im Unterschied zu reinen Verkaufsgesprächen zeigen gute Beraterinnen und Berater verschiedene Lösungswege mit allen Vor- und Nachteilen auf. Denn nicht für jede ist ein Angebot gleichermaßen geeignet.

Vielen Dank für das Interview, Frau Kazemieh!

Susanne Kazemieh gründete 1989 die FrauenFinanzGruppe in Hamburg. Seitdem beraten sie und ihr 12-köpfiges Team – unabhängig von Banken und Versicherungsgesellschaften – überwiegend Frauen in allen Finanz- und Altersvorsorgefragen. Sie ist außerdem Autorin und Referentin.

 

Das Interview führte Cora Döhn