Anlageberatung im Test bei Finanztest: Fast jede 10. Bank mangelhaft

Im aktuellen Test der Stiftung Warentest zur Anlageberatung durch Banken (Finanztest 2/2016) können nur drei von 23 getesteten Geldinstituten mit der Bewertung „gut“ überzeugen. Zwei Banken fallen dabei sogar mit „mangelhaft“ durch. Wer eine schlechte Anlageberatung erkennen will, kann sich durch eine gute Vorbereitung jedoch vor Fehlentscheidungen schützen.

Die Stiftung Warentest überprüft in der Verbraucherzeitschrift Finanztest nicht nur Finanz- und Anlageprodukte. Auch die Qualität der Finanz- und Anlageberatung beispielsweise durch Banken wird regelmäßig untersucht. In einem aktuellen Test wurden dazu 23 Privat- und Genossenschaftsbanken sowie Sparkassen unter die Lupe genommen. Die Tester gaben in den Gesprächen an, eine Geldsumme von 45.000 Euro flexibel über eine Dauer von zehn Jahren anlegen zu wollen. Dabei sollte ein mittleres Risiko angestrebt werden, um einerseits eine ausreichende Rendite zu ermöglichen und andererseits genug Sicherheit für den Anleger zu gewährleisten.



Aktuelle Testsieger der Anlageberatung bei Stiftung Warentest

Die Experten von Stiftung Warentest räumen ein, dass es keinen Königsweg bei der Geldanlage gibt, sondern sich verschiedene Lösungen für das gewünschte Anlageziel anbieten. Um die Mischung aus Sicherheit und Renditemöglichkeiten zu gewährleisten, stellen die Tester allerdings klar, dass sie bei der Bewertung Wert auf „eine ausgewogene Mischung aus sicheren Renten- oder Festgeldanlagen und riskanteren Aktienanlagen“ legen. Immerhin sechs Geldinstitute erhalten in der Kategorie „Lösung des Anlageproblems“, die zu 65 Prozent in die Gesamtwertung eingeht, die Bewertung „gut“. Hier wurde den Testpersonen eine Verteilung ihres Anlagekapitals auf mehrere geeignete Produkte vorgeschlagen. Drei dieser Geldinstitute erzielen auch in den Kategorien „Ermitteln des Kundenstatus“, „Produkt- und Kosteninformation“ sowie „Gesprächsablauf“ entsprechende Teilnoten, die zu einem insgesamt guten Qualitätsurteil führen.

Die besten drei Anlageberatungen gibt es 2016 bei:

  1. Frankfurter Volksbank
  2. Sparda-Bank Berlin
  3. Nassauische Sparkasse

Schlechte Anlageberatung: Zu hohes Risiko, ungeeignet und unflexibel

Den drei Testsiegern stehen im Anlageberatung Test 2016 zwei Institute gegenüber, die mit einem „mangelhaft“ durchgefallen sind, fünf weitere erzielten im Gesamtergebnis nur ein „ausreichend“. Die Gründe für die schlechten Bewertungen liegen vor allem bei der Auswahl von ungeeigneten Produkten durch den Berater. So waren einige der empfohlenen Anlagelösungen zu riskant oder ein Zugriff auf das Kapital wäre – anders als gewünscht – nicht vor Ablauf der Anlagedauer von zehn Jahren möglich gewesen. Daneben kam es auch zu Abwertungen, weil Beratungsprotokolle nicht ausgehändigt wurden, obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben ist.

So können sich Verbraucher vor einer schlechten Anlageberatung schützen

Gerade als Laie ist es nicht einfach, eine ungeeignete Anlageempfehlung zu erkennen. Dennoch gibt es einige Möglichkeiten, vor, während oder nach einem Gespräch eine schlechte Beratung zu identifizieren.

1) Im Vorfeld ist es ratsam, die genauen Anlagewünsche schriftlich festzuhalten. Wie hoch ist das Anlagekapital? Für welchen Zeitraum soll das Geld anlegt werden? Wie hoch ist das persönliche Sicherheitsbedürfnis bzw. die Risikobereitschaft? Müssen diese Fragen erst während des eigentlichen Gesprächs geklärt werden, bleibt weniger Zeit für die Anlageberatung. Misstrauisch sollten Anleger werden, wenn schon bei der Terminvereinbarung ein Anlageprodukt vorgeschlagen wird.

2) Während des Gesprächs sollten sich Verbraucher wohlfühlen. Dazu gehört bei einem so sensiblen Thema wie der Geldanlage auch Diskretion. Eine Beratung zwischen Tür und Angel oder in unmittelbarer Hörweite von anderen Bankkunden ist daher gänzlich ungeeignet. Auch ein Berater, der direkt versucht, ein Anlageprodukt zu verkaufen, ohne die individuelle Finanzsituation und die Anlagewünsche des Kunden zu kennen, wird kaum die richtige Lösung für die eigenen Bedürfnisse finden. Ein ausführliches Gespräch mit der Möglichkeit Rückfragen zu stellen, weist hingegen auf eine qualifizierte Beratung hin.

3) Nach dem Gespräch sollte dem Kunden Bedenkzeit eingeräumt werden. Dann können die gegebenen Informationen und Empfehlungen verarbeitet und gegebenenfalls Unsicherheiten durch Rücksprachen beseitigt werden. Außerdem hat der Verbraucher dann auch die Möglichkeit, eine Zweitmeinung einzuholen, insbesondere wenn es zu einem Problem bei dem Beratungsgespräch gekommen ist. Generell ist zu empfehlen, sich auf keinen Fall gleich zu einem Abschluss oder einer Unterschrift drängen zu lassen – egal wie gut das Gespräch verlaufen ist.