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ARD: Wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlt

Psychische Erkrankungen sind mittlerweile Hauptursache für Berufsunfähigkeit in Deutschland. Immer mehr Verbraucher schließen daher eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab. Doch wie das ARD-Magazin Fakt nun berichtet, gehen psychisch Erkrankte oft leer aus. Die Versicherer lehnen allzu oft Leistungen ab.

ARD Fakt berichtet aktuell über Probleme von Versicherten mit ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung. Zahlungsansprüche sollen zunächst abgelehnt und Leistungsprüfungen hinausgezögert werden. Als Ursache für dieses Verhalten der Versicherer sehen Experten den Anstieg der psychischen Erkrankungen als Grund für Berufsunfähigkeit. Seit 2000 sind die Fälle um 40 Prozent gestiegen. „Für Versicherer heißt das zumeist viel und oft lange zahlen“, berichtet ARD Fakt. Versicherer sollen das Leben der Versicherten erschweren. Im konkreten Fall erläutert ein Betroffener, dass seine Versicherungsgesellschaft die bescheinigte Arbeitsunfähigkeit nicht als bedingungsmäßige Berufsunfähigkeit anerkennt. Dies ist nur eine Möglichkeit, mit der Versicherer ihre Kunden hinhalten, so das ARD-Magazin.

ARD Fakt zu Problemen bei der Berufsunfähigkeitsversicherung

Laut Professor Hans-Peter Schwintowski „ist die sogenannte 50-Prozent-Regel der absolute Schwachpunkt der Arbeitsunfähigkeitsversicherung, weil niemand […] sagen kann, was eigentlich 50 Prozent Berufsunfähigkeit bedeutet.“ Schwintowski gehört zu den wenigen Experten, die sich mit Berufsunfähigkeit wissenschaftlich beschäftigen. Eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt, wenn der Versicherte zu 50 Prozent berufsunfähig ist. Doch wenn nicht genau geklärt ist, wann dies der Fall ist, kann der Versicherer leicht die Zahlung der BU-Rente verweigern.

Versicherer bewilligen Leistungen zurückhaltend

Der Experten berichtet gegenüber ARD Fakt zudem davon, dass Versicherer bis zu 60 Prozent der Leistungsanträge erst einmal von sich weisen. Beatrix Hüller, Fachanwältin für Versicherungsrecht, hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Den Versicherern geht es nicht unbedingt darum, „jedem sofort die Leistungen auszuzahlen.“ Stattdessen werden die Leistungen sorgfältig geprüft, was ihrer Meinung nach „zurückhaltend sein [und] eher ablehnen als Leistungen zu erbringen“ bedeutet. Sie vertritt mehrere Betroffene, die Probleme mit ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung haben.

Dr. Peter Schwark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, geht jedoch davon aus, dass „über 70 Prozent der Anträge auf Berufsunfähigkeit anerkannt“ werden. Lediglich bei elf Prozent der Fälle wird nicht gezahlt, da keine Berufsunfähigkeit festgestellt wurde, sagt Schwark gegenüber finanzen.de.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Gutachter vom Versicherer nicht neutral?

Ein weiteres Problem können die Gutachter darstellen, die über die Berufsunfähigkeit entscheiden. Deren Neutralität steht oft in der Diskussion, wenn sie vom Versicherer geschickt werden. So suchen sich die Gesellschaften „schon den richtigen Gutachter […] aus“, wenn sie nicht leisten wollen, sagt Hüller gegenüber ARD Fakt. Ein Betroffener berichtet, dass ihn die Gutachter seines Versicherers für nicht berufsunfähig halten, während ihm verschiedene andere Ärzte Gegenteiliges bestätigt haben. Hinzu kommt, dass psychische Erkrankungen schwerer nachzuweisen sind als körperliche Krankheiten. Der Mann geht nun juristisch gegen seinen Berufsunfähigkeitsversicherer vor. Doch vielen anderen Betroffenen fehlt dazu die Kraft.

Welche Berufsunfähigkeitsversicherung hilft?

Berichte wie von ARD Fakt verunsichern viele Verbraucher. Sie wollen sich zwar gegen Berufsunfähigkeit absichern. Denn die Gefahr, vor Rentenbeginn berufsunfähig zu werden, ist hoch. Viele wissen einfach nicht, welcher Anbieter sehr gute Leistungen bietet und unkompliziert zahlt. Ein einfacher Vergleich mit einem Berufsunfähigkeitsversicherung Rechner hilft dabei oft nicht weiter. Viel eher sollten sich Interessierte persönlich beraten lassen. Mit einem Experten können sie Fragen in Bezug auf die Zahlungsmentalität des Anbieters und etwaige Probleme mit der Berufsunfähigkeitsversicherung im Vorfeld klären. Auf diese Weise sind Verbraucher bestens über ihre Versicherung informiert. Böse Überraschungen sollte es so nicht geben.