Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

ARD Plusminus: Rentner in der Armutsfalle private Krankenversicherung

ARD Plusminus berichtet aktuell über Rentner, die einen Großteil ihrer Rente für ihre private Krankenversicherung aufwenden müssen. Laut dem Magazin wurden sie mit günstigen Einsteigerprämien in die private Krankenversicherung gelockt. Doch die niedrigen Beiträge sind längst Vergangenheit.

Veröffentlicht am 6. November 2013

Laut ARD Plusminus schließen viele private Krankenversicherer immer mehr Tarife. Die betroffenen Tarife vergreisen – und die Beiträge für die verbleibenden Versicherten steigen rasant an. Besonders ältere Menschen sind dann in der Armutsfalle private Krankenversicherung gefangen. Aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters können sie nicht mehr zurück in die gesetzliche Krankenversicherung. Auch der Basistarif, in den säumige Beitragsschuldner überführt werden, bedeutet meist keine finanzielle Entlastung. Betroffene fühlen sich von den vermeintlichen Billigtarifen geködert und in die Irre geführt, so ARD Plusminus.

Private Krankenversicherung: Einsteigertarife mit ständig steigenden Beiträgen

Laut dem Bund der Versicherten steigen die Beiträge bei Einsteigertarifen vier bis fünf Prozent – pro Jahr. Im konkreten Beispiel bei ARD Plusminus muss ein Betroffener mittlerweile 40 Prozent seiner Rente für die PKV zahlen. Er ist seit mehr als 20 Jahren Privatversicherter. Damals fing er mit weniger als 200 Euro im Monat an – nun liegt die PKV-Prämie bei rund 420 Euro, obwohl er bereits in den Basistarif gewechselt ist. Wären dem Versicherten die enormen Beitragserhöhungen von Beginn an bewusst gewesen, hätte er sich gegen eine private Krankenversicherung entschieden. Solch ein Beispiel zeigt: Bei besonders günstigen PKV-Beiträgen sollten sich Verbraucher beraten lassen, ob der Tarif wirklich gut geeignet ist.

ARD Plusminus: Unterschiedliche Gründe für Beitragserhöhungen

Die Gründe für den Beitragsanstieg sind vielfältig. Derzeit sorgt vor allem die aktuelle Niedrigzinsphase für Beitragsanpassungen. „Der Rechnungszins der Kassen liegt üblicherweise bei 3,5 Prozent. Den erwirtschaften die  Versicherungen heute aber oft nicht mehr. Deswegen müssen sie die Verträge anpassen und das führt zu einer spürbaren Steigerung der Prämie”, erläutert Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten gegenüber Plusminus. Ein weiterer Grund ist laut dem Magazin in der Überversorgung von Privatpatienten zu sehen. Ärzte behandeln Versicherte der privaten Krankenversicherung oft umfangreicher. Nicht immer ist dabei sicher, ob die Behandlung auch wirklich notwendig ist.

Notlagentarif: Schuldenerlass in der privaten Krankenversicherung

Für viele betroffene Privatversicherte bedeutet nun vor allem die Einführung des Notlagentarifs eine enorme finanzielle Entlastung. Statt in einen Tarif überführt zu werden, in dem der Beitrag weiterhin hoch ist, stellen die privaten Versicherer nun nach und nach die Tarife säumiger Privatpatienten auf den Notlagentarif um. Hier variiert der Beitrag von Gesellschaft von Gesellschaft. Laut dem Bundesgesundheitsministerium liegt er zwischen 100 und 125 Euro. Mit solch einer niedrigen Prämie haben Versicherte die Möglichkeit, ihre Schulden beim Versicherer zu tilgen. Zudem gilt der Notlagentarif rückwirkend, sodass den Betroffenen ein Teil ihrer Rückstände erlassen wird.