Armutsbericht 2015: 12,5 Millionen Menschen von Armut betroffen

Der Armutsbericht 2015 stellt die neuesten Entwicklungen bei der Armut in Deutschland vor. Die aktuellen Befunde des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zeigen dabei eine immer größere Schere zwischen armen und wohlhabenden Menschen in der Bundesrepublik. Mit einer Armutsquote von 15,5 Prozent ist der Stand im Jahr 2013 dabei so hoch wie nie.

Aus dem aktuellen Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands geht eine erschreckende Entwicklung in Deutschland hervor. Flächendeckend sind die Zahlen der Menschen, die von Armut betroffen sind, im Untersuchungszeitraum von 2006 bis 2013 gestiegen. Insgesamt zählt der Bericht 12,5 Millionen arme Menschen – das sind 15,5 Prozent der Gesamtbevölkerung Deutschlands. So gab es in fast allen Bundesländern einen Anstieg von Armut. Positive Ergebnisse konnten nur Sachsen-Anhalt und Brandenburg verzeichnen. Hier sind die Zahlen zurückgegangen. In Sachsen blieb der Stand gleich.



Update 24. Februar 2016: Dem Armutsbericht 2016 zufolge hat sich die Armutsquote 2014 leicht reduziert. Dennoch sind weiterhin mehr als 12 Millionen Menschen arm oder armutsgefährdet.

Armut in Bundesländern: „Ein tief zerklüftetes Land“

Der Armutsbericht für 2015 mit dem Titel „Die zerklüftetet Republik“ zeigt einen eindeutigen Trend: Das Ruhrgebiet, Bremen, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sind wie in den vergangenen Jahren von einem enormen Anstieg in Armut lebender Menschen betroffen. Auch im gesamten Bundesgebiet wird der Abstand zwischen armen und reichen Regionen immer größer. Im Jahr 2006 lagen die wohlhabensten Regionen nur 17,8 Prozentpunkte von den ärmsten entfernt, im Jahr 2013 sind es bereits 24,8 Prozentpunkte.

Wie ist Armut definiert?

Die Definition von Armut wird in absolut und relativ eingeteilt. Absolute Armut herrscht dann, wenn Grundbedürfnisse wie Nahrung und Trinkwasser nicht vorhanden sind. Unter relativer Armut versteht die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) keine Eigenschaft, sondern einen dynamischen Prozess. Das heißt, Armut ist nicht immer gleich und muss vor allem im Verhältnis zum gesamtgesellschaftlichen Durchschnitt betrachtet werden.

Der aktuelle Armutsbericht verwendet für die Definition von Armut beispielsweise die Höhe des Einkommensunterschieds in Deutschland. Genauer gesagt: Wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen bedarfsgewichteten Einkommens zur Verfügung hat, ist arm. Diese Armutsgrenze lag 2013 für einen Singlehaushalt bei 892 Euro pro Monat. Eine vierköpfige Familie ist nach dieser Berechnung arm, wenn sie monatlich 1.873 Euro oder weniger zur Verfügung hat.