Anja Schlicht
Anja Schlicht

Leitung Newsredaktion

Armutsbericht 2016: Diese Gruppen sind besonders von Armut gefährdet

Der neue Armutsbericht 2016 zeigt zwar, dass die Armutsquote im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken ist. Dennoch sind in Deutschland nach wie vor viele Menschen von Armut bedroht. Besonders hoch ist die Wahrscheinlichkeit bei Alleinerziehenden, Erwerbslosen und Rentnern. Bei letzteren ist die Quote in den letzten Jahren sogar deutlich gestiegen.

Wer als Alleinstehender im Jahr 2014 ein geringeres Netto-Einkommen als 917 Euro pro Monat zur Verfügung hat, gilt in Deutschland als arm. Bei einer Familie mit kleinem Kind liegt der Wert bei 1.651 Euro. Dem aktuellen Armutsbericht 2016 zufolge sind insgesamt 12,5 Millionen der rund 81 Millionen Einwohner in der Bundesrepublik arm oder armutsgefährdet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 2013 verringert sich die Armutsquote 2014 zwar um 0,1 Prozentpunkte. Doch der Wert verharrt mit 15,4 Prozent auf hohem Niveau. Besonders bei Alleinerziehenden ist das Risiko hoch, von Armut betroffen zu sein. 2014 liegt es bei 41,9 Prozent. Zum Vergleich: Bei einer dreiköpfigen Familie beträgt das Risiko nur 9,6 Prozent.



Tipp: Alleinziehende mit einem Kind unter sechs Jahren gelten bei einem Netto-Einkommen unter 1.192 Euro pro Monat als arm oder armutsgefährdet. Der Finanzwegweiser für Alleinerziehende zeigt rechtliche wie finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten für Alleinerziehende auf.

Armutsbericht 2016: Rentner erstmals überdurchschnittlich armutsgefährdet

Der Armutsbericht 2016 verdeutlicht, dass Arbeit nicht zwangsläufig vor Armut schützt. Denn obwohl die Erwerbstätigenquote unter den Alleinerziehenden steigt, nimmt die Armutsquote nicht ab. Gründe hierfür sind in instabilen oder befristeten Arbeitsverhältnissen, Anstellungen in Branchen mit geringer Bezahlung und Beschäftigungen im Niedriglohnsektor zu finden.

Neben Alleinerziehenden, die schnell in Armut abrutschen können, sind dem Armutsbericht 2016 zufolge auch Erwerbslose und Rentner sogenannte Hauptrisikogruppen. Alarmierend sei dabei die Entwicklung insbesondere bei Rentnerhaushalten. Hier ist die Quote seit 2005 so stark wie in keiner anderen Bevölkerungsgruppe gestiegen. Mit 15,6 Prozent liegt sie nun sogar erstmals über dem bundesweiten Durchschnitt. Gleiches gilt für die Kinderarmutsquote. Sie beträgt 19 Prozent, wobei die Hälfte der Betroffenen in Haushalten Alleinerziehender lebt.

Angesichts der Ergebnisse des Armutsberichts 2016 fordern etliche Verbände die Politik zum Handeln auf. „Es ist Zeit für eine Sozialpolitik, die wirklich alle Menschen mitnimmt und keinen zurücklässt. Es ist Zeit für einen sozial- und steuerpolitischen Kurswechsel, um Armut zu bekämpfen und eine Verringerung sozialer Ungleichheit zu erreichen“, so die Herausgeber.