Frau nimmt eine Tablette
Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Aspirin und Vitamin-D: Beeinflussen sie den Corona-Verlauf?

Sowohl Aspirin, als auch die Vitamin-D-Zufuhr könnten bei Covid-19 mildere Krankheitsverläufe begünstigen. Wie weit diese Annahmen durch Studien bereits untermauert werden und was der aktuelle Forschungsstand ist, klärt finanzen.de.

Deutschland befindet sich mitten in der zweiten Corona-Welle. Ab Montag beginnt die neue „Lightversion” des Lockdowns: Bars, Restaurants, Freizeiteinrichtungen und touristische Angebote schließen, Kontakte werden erneut beschränkt. Weltweit wird weiterhin auf Hochtouren nach Behandlungsmethoden gegen Covid-19 geforscht. Fast täglich gewinnen Wissenschaftler neue Erkenntnisse im Kampf gegen Sars-CoV-2. Eine aktuelle Studie soll nun belegen, dass die Behandlung mit Acetylsalicylsäure (ein Hauptbestandteil von Aspirin) zu einem milderen Krankheitsverlauf bei einer Corona-Infektion führen kann.



Kann Aspirin präventiv gegen Covid-19 schützen?

Kurz und knapp: Bisher gibt es keine Evidenz, dass eine präventive Einnahme von Aspirin gegen eine Corona-Infektion oder einen schweren Verlauf absichern kann. Eine Beobachtungsstudie der University of Maryland School of Medicine in Balti­more (USA) belegt jedoch, dass Patienten, die schon vor ihrer Infektion regelmäßig mit einer geringen Dosis von Acetylsalicylsäure (ASS) behandelt wurden, einen deutlich milderen Krankheitsverlauf bei Covid-19 aufwiesen. Die in der medizinischen Fachzeitschrift Anesthesia & Analgesia veröffentlichte Studie wertet Erfahrungen aus der ersten Coronawelle aus.

Das Forscherteam um Jonathan Chow hatte mehr als 400 Krankenakten von Patienten ausgewertet. Dabei kamen sie zu der Erkenntnis, dass Patienten, die an Diabetes, Herz- oder Nierenkrankheiten litten und deshalb vor oder zu Beginn einer Corona-Infektion regelmäßig mit einer geringen Dosis ASS behandelt wurden, im Krankheitsverlauf seltener beatmet werden mussten. Patienten, die hingegen kein Aspirin einnahmen, wurden häufiger auf eine Intensivstation verlegt.

Blutgerinnsel führen häufig zu schweren Covid-19-Verläufen

Besonders unter Berücksichtigung von Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht und ethnischer Herkunft zeigte im Vergleich die Behandlung mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure vor oder am Anfang der Infektion eine positive Wirkung. Die Sterberate war fast um die Hälfte vermindert und das Risiko einer mechanischen Beatmung war bei Patienten, die mit ASS-behandelten wurden, um 44 Prozent geringer. Außerdem war das Risiko einer Verlegung auf die Intensivstation um 43 Prozent gesenkt.

Grund für die positive Auswirkung von Aspirin ist demnach der blutverdünnende Effekt von ASS. Bei Covid-19-Erkrankten führen Thrombosen oft zu schweren Komplikationen. ASS kann dieses thrombotische Risiko senken.

Risiko vermutlich höher als Nutzen bei präventiver Einnahme

Laut der Forscher können jedoch keine allgemeingültigen Schlüsse aus dieser Beobachtungsstudie gezogen werden, denn dafür wären zunächst randomi­sierte Therapiestudien nötig.

Von einer präventiven Einnahme ist bei aktuellem Kenntnisstand schon deshalb abzuraten, weil auch Anwender, die sich niemals mit dem Coronavirus infizieren, dem erhöhten Blutungsrisiko bei ASS-Einnahme ausgesetzt wären. „Die Nutzen-Risiko-Bilanz (würde daher) negativ ausfallen”, lautet deshalb die Schlussfolgerung im Ärzteblatt.

Wie beeinflusst ein Mangel an Vitamin-D den Krankheitsverlauf?

Aktuelle Studien legen zudem einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und einem schweren Corona-Krankheitsverlauf nahe. Schon im Juli war dazu in einem Fachmagazin für Virologie, dem „Journal of Medical Virology”, eine Studie eines US-Forscherteams um Ruhul Munshi von der Tulane University in New Orleans erschienen. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass ein Vitamin-D-Mangel mit schwereren Covid-19-Symptomen im Zusammenhang stehen könnte und daher in der präventiven und therapeutischen Behandlung Beachtung finden sollte.

Im Oktober wurden nun zwei weitere Studien veröffentlicht, beide mit ähnlichem Fazit. In einer randomisierten, klinischen Pilotstudie an der spanischen Universität Córdoba erfolgte die Behandlung von 50 zufällig ausgewählten Covid-Patienten mit Calcifediol. Der Körper baut den Wirkstoff Calcifediol zu Vitamin-D um.

Frühe Behandlung eines Vitamin-D-Mangels könnte helfen

Im „The Journal of Steroid Biochemistry and Molecular Biology” schlussfolgerten die Forscher, dass eine „frühe Behandlung mit Calcifediol bei hospitalisierten Covid-19-Patienten die Notwendigkeit der Behandlung auf Intensivstationen signifikant verminderte” und Calcifediol die „Schwere von Covid-19-Erkrankungen scheinbar reduzieren” kann.

Ob diese Erkenntnisse auch bedeuten, dass Vitamin-D schon in einem früheren Stadium der Erkrankung oder vor einer Infektion helfe, konnte allerdings nicht festgestellt werden. Dafür wären weitere Studien nötig, so die Autoren.

Auch ein Team der spanischen Universität Cantabria in Santander veröffentlichte am Dienstag im „Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism” eine Studie zum Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und Covid-19. Die Forscher verglichen die Vitamin-D-Werte von 216 an Covid-19 erkrankten Personen mit denen von 197 gesunden Menschen ähnlichen Alters und Geschlechts. Bei 82,2 Prozent der Covid-19-Kranken wurde ein Vitamin-D-Mangel ermittelt, in der gesunden Kontrollgruppe waren es nur 47,2 Prozent.

Weitere Studien nötig um echten Einfluss von Vitamin-D zu ermitteln

Auch litten Covid-19-Patienten mit Vitamin-D-Mangel häufiger an Bluthochdruck und Herzerkrankungen. Ein Zusammenhang zwischen dem Vitaminmangel und einer besonderen Schwere der Covid-Erkrankung konnten die Studienautoren jedoch nicht belegen. Auch sie kamen zu dem Schluss, dass „weitere Studien mit größeren Stichproben” durchgeführt werden sollten, um den “echten Einfluss von Vitamin-D-Mangel auf die Schwere von Covid-19-Symptomen” zu ermitteln.

Co-Autor Dr. José Louis Hernández folgerte jedoch, dass die „Identifikation und Behandlung von Vitamin-D-Mangel, besonders in Risikogruppen wie bei älteren Menschen, Patienten mit Vorerkrankungen und Pflegebedürftigen” sinnvoll wäre, da sie am meisten von Covid-19 gefährdet sind