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Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

AXA verkauft 900.000 Lebensversicherungen: Was das für Kunden bedeutet

Rund eine Million Kunden, die vor Jahren eine Lebensversicherung bei der DBV-Winterthur Leben abgeschlossen haben, müssen sich auf Veränderungen einstellen. Denn der bisherige Vertragspartner AXA hat die Policen an einen Abwicklungsspezialisten verkauft. Betroffene Versicherte könnten von diesem Schritt profitieren, Kritiker sehen aber auch Risiken.

  • Die AXA lässt etwa 900.000 Renten- und Lebensversicherungen abwickeln.
  • Es handelt sich um Verträge, die bis 2013 abgeschlossen wurden.
  • Betroffene Kunden sollten zunächst Ruhe bewahren und prüfen, wie sich der Wert ihrer Versicherung entwickelt.

Heutzutage ist die Garantiezinsverzinsung bei Lebensversicherungen äußerst unattraktiv. Doch um die Jahrtausendwende herum konnten Interessierte Verträge mit einer garantierten Verzinsung zwischen 3,25 Prozent und 4 Prozent abschließen.

Diese Zinsen lassen sich heute nicht mehr erwirtschaften, sodass die teuren Lebensversicherungen für die meisten Anbieter eine Belastung darstellen. Viele Versicherer bieten klassische Lebens- und Rentenversicherungen gar nicht mehr, manch andere haben zudem damit begonnen, ihren Bestand an sogenannte Run-off-Plattformen zu verkaufen. Vor drei Jahren veräußerte beispielsweise die Generali mehr als vier Millionen Verträge an Viridium.

Nun folgt mit AXA ein weiteres Schwergewicht auf dem Markt. Wie der Versicherer mitteilt, überträgt er rund 900.000 Lebensversicherungen an Athora Deutschland. Der Anbieter verwaltet bisher nur rund 200.000 Verträge von Delta Lloyd.

Verkauf von Lebensversicherung: AXA erhält 660 Millionen Euro

Betroffen sind Kunden mit einer klassischen Lebens- oder Rentenversicherung der DBV-Winterthur Leben, die seit 2006 Teil des AXA Konzerns ist. Mit dem Verkauf gibt er rund ein Fünftel seines Gesamtbestands ab. Athora zahlt dafür rund 660 Millionen Euro. Bis Ende 2023 soll die Übertragung der Lebensversicherungen voraussichtlich abgeschlossen sein. Noch steht beispielsweise die Genehmigung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin aus.

Den letzten sogenannten Run-off – also den Verkauf von Bestandsverträgen – hatte die Zurich im Juni angekündigt. Der Versicherer verkauft 720.000 Policen an Viridium.

AXA Lebensversicherung an Athora: Was können Kunden nun tun?

Die Muttergesellschaft von Athora Deutschland hat ihren Hauptsitz auf Bermuda. Das mag bei einigen Versicherten ein unangenehmes Gefühl auslösen. Die AXA betont allerdings, dass „Athora Deutschland die Verträge mit allen Rechten und Pflichten unverändert fortführt. Garantien, Konditionen und Bedingungen bleiben in gleicher Weise bestehen.“

Wer dennoch ein mulmiges Gefühl hat, sollte nicht überstürzt die Versicherung kündigen. Die durchschnittliche Verzinsung der Lebensversicherungen, die AXA an Athora abgibt, liegt bei 3,2 Prozent. Von einer Kündigung sollten Betroffene aufgrund der hohen Verzinsung erst einmal absehen. Erst wenn sich in den Standmitteilungen eine Verschlechterung im Vergleich zu den Vorjahren abzeichnen sollte, ist es ratsam, den Vertrag prüfen zu lassen.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen weist zudem darauf hin, dass sich viele Lebensversicherungen noch widerrufen lassen. Damit gehen deutlich weniger Verluste einher als mit einer Kündigung.

Warum sind die Altbestände so interessant?

Die Abwicklungsspezialisten sind an den Beständen der Versicherungsgesellschaften vor allem wegen der milliardenschweren Rückstellungen interessiert. Bei der AXA sind es zum Beispiel rund 14 Milliarden Euro, bei Zurich sogar 20 Milliarden Euro. Über die Verwaltungsgebühren lassen sich hohe Gewinne erwirtschaften.

Betroffene, die nun fürchten, dass die Gebühren ordentlich angezogen werden, versucht Marc Daniel Zimmermann, Finanzchef bei der AXA, zu beruhigen. Die BaFin würde verhindern, dass Athora die Gebührenschraube massiv anzieht, sagt er der Süddeutschen Zeitung.

Chancen und Risiken für Lebensversicherungskunden

Noch ist das Run-off-Geschäft relativ jung, sodass die Folgen für betroffene Lebensversicherungskunden schwer zu bewerten ist. Die Bundesregierung hat 2020 die bis dahin stattgefundenen sieben Run-off-Geschäfte bewertet. Es habe dabei keine Komplikationen gegeben. Die Versicherungsgruppe Viridium wirbt sogar damit, dass sie höhere Rohüberschüsse erzielt, an denen die Versicherten beteiligt werden.

Kritiker fürchten dagegen, dass das Interesse der Plattformen nicht den Versicherungsnehmern, sondern den Gewinnen der Investoren gilt. Versicherte könnten somit beispielsweise nur im Rahmen des gesetzlich vorgeschriebenen Minimums an Überschüssen beteiligt werden.