Arzt im Gespräch mit Patient
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Baden-Württemberg zahlt ab 2023 Krankenkassenzuschuss für Beamte

In Hamburg, Berlin, Brandenburg, Thüringen und Bremen haben Beamte bereits eine richtige Wahlfreiheit bei ihrer Krankenversicherung. Nun folgt Baden-Württemberg. Das Bundesland wird ab dem kommenden Jahr auch gesetzlich versicherten Beamten eine Beihilfe zu den Krankenversicherungskosten auszahlen.

  • In Baden-Württemberg wird zum 1. Januar 2023 eine pauschale Beihilfe für Beamte eingeführt.
  • Von dieser profitieren im Vergleich zur individuellen Beihilfe auch Personen, die gesetzlich krankenversichert sind.
  • Der Dienstherr übernimmt damit die Hälfte der Krankenversicherungskosten.

Lange Zeit war es so, dass Beamte nur dann einen Zuschuss zur Krankenversicherung vom Dienstherrn erhalten, wenn sie sich für die private Krankenversicherung (PKV) entscheiden. Durch die sogenannte Beihilfe übernimmt der Dienstherr einen Teil der Gesundheitskosten. Für den Rest kommt die private Krankenversicherung auf, für die Beamte einen monatlichen Beitrag zahlen.

Wählt ein Staatsdiener dagegen die gesetzliche Krankenversicherung (GKV), gibt es keine Unterstützung. Versicherte zahlen den kompletten Beitrag selbst, was dazu führt, dass sich viele Beamte aufgrund der hohen Kosten gegen die gesetzliche Krankenversicherung entscheiden.

In Baden-Württemberg sind beispielsweise von den rund 190.000 Beamten lediglich knapp 1.400 gesetzlich versichert. Ab 2023 könnte sich das Verhältnis allerdings ändern. Denn das Bundesland will ab dann auch den Beamten einen Zuschuss zahlen, die die gesetzliche Krankenversicherung wählen.

Krankenversicherung für Beamte: Hamburger Modell in BW

Bereits seit 2018 bietet Hamburg seinen Beamten die Möglichkeit, als gesetzlich Versicherte einen Zuschuss zu bekommen. Vier Bundesländer (Berlin, Thüringen, Bremen und Brandenburg) sind diesem sogenannten Hamburger Modell gefolgt, nun auch Baden-Württemberg.

Wichtig: Wechselt der Beamte in ein anderes Bundesland, in dem es keinen Arbeitgeberzuschuss gibt, muss er die GKV-Kosten wieder vollständig selbst zahlen.

Bei der pauschalen Beihilfe, wie sie ab 2023 in Baden-Württemberg geplant ist, übernimmt der Dienstherr 50 Prozent der Krankenversicherungskosten, wobei der Betrag in der privaten Krankenversicherung auf den Höchstbeitrag des Basistarifs gedeckelt ist. Das sind aktuell 769,16 Euro. Maximal beläuft sich der pauschale Zuschuss für die PKV demnach auf 384,58 Euro pro Monat.

Bei der individuellen Beihilfe, wie sie aktuell gilt, werden die tatsächlich anfallenden Aufwendungen zu einem bestimmten Satz erstattet, beispielsweise 50 Prozent.

„Mehr Wahlfreiheit und mehr Gerechtigkeit“

Mit der Einführung der pauschalen Beihilfe als Alternative zur individuellen Beihilfe in der Krankenversicherung schließt Baden-Württemberg aus Sicht der mitregierenden Grünen eine Ungerechtigkeitslücke: „Mit der Einführung schaffen wir mehr Wahlfreiheit und mehr Gerechtigkeit“, so der Grünen-Fraktionsvorsitzende Oliver Hildenbrand. „Es ist weder zeitgemäß noch sozial gerecht, dass Beamtinnen und Beamte in Baden-Württemberg mit finanziellen Nachteilen bestraft werden, wenn sie sich für die gesetzliche Krankenversicherung entscheiden.“

Gering verdienende Beamte werden durch PKV-Kosten überproportional belastet, so die Annahme. Denn anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung richten sich die Kosten nicht nach dem Einkommen, sondern unter anderem nach Leistungsumfang und Alter.

Die pauschale Beihilfe soll in Baden-Württemberg vor allem für Personen gelten, die neu in den Staatsdienst eintreten oder schon freiwillig gesetzlich krankenversichert sind.