Barmer GEK Pflegereport: 221.000 mehr Pflegebedürftige als erwartet

Der neue Barmer GEK Pflegereport 2015 wurde heute in Berlin vorgestellt. Dabei zeigt sich, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in Zukunft stärker ansteigen wird als bisher erwartet. Barmer GEK-Sprecher Athanasios Drougias sprach mit finanzen.de über die Ergebnisse und wie seine Krankenkasse bereits jetzt pflegende Angehörige unterstützt.

Der Barmer GEK Pflegereport untersucht jährlich die aktuelle Situation der Pflegeversicherung und die Versorgung Pflegebedürftiger in Deutschland. Nachdem erst in der letzten Woche das zweite Pflegestärkungsgesetz den Bundestag passiert hat, könnte der neue Pflegereport 2015 den Kritikern des Gesetzes neuen Aufwind geben. Denn die Zahl pflegebedürftiger Menschen wird weitaus stärker ansteigen als bisher prognostiziert. Athanasios Drougias, Unternehmenssprecher der Barmer GEK, hat gegenüber finanzen.de wichtige Erkenntnisse aus dem Report zusammengefasst.

Barmer GEK Pflegereport 2015: Starker Anstieg der Pflegebedürftigen bis 2060

Der neue Barmer GEK Pflegereport 2015 ist vor allem angesichts der Verabschiedung des zweiten Pflegestärkungsgesetzes interessant. Dieses soll die Situation der Pflegebedürftigen sowie pflegender Angehöriger verbessern. Allerdings wenden Kritiker des Gesetzes ein, dass die Neuregelungen nicht weit genug gehen und nicht ausreichend Maßnahmen in Bezug auf den drohenden Fachkräftemangel in der Pflege vorgesehen sind. Zwar ist mit dem Pflegeberufegesetz ein weiterer Gesetzesentwurf in Arbeit. Wie der Pflegereport nun zeigt, wird sich der Bedarf an gut ausgebildetem Pflegepersonal aber weitaus mehr verschärfen als bislang angenommen.

„In unserem Pflegereport 2015 kommen wir zu dem Ergebnis, dass die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2060 um 221.000 höher liegen wird, als bisherige Modellrechnungen erwarten ließen“, erläutert Drougias. „Bemerkenswert ist dabei, dass den größten Teil mit 176.000 Männer stellen werden und dass der Anteil Hochbetagter stark steigen wird.“

Nach Pflegestärkungsgesetz weitere Reformen notwendig

Drougias räumt ein, dass es aufgrund der steigenden Zahl der Pflegebedürftigen „stetigen Handlungsdruck“ gibt und „weitere Pflegereformen vorprogrammiert sind“. Allerdings schätzt die Barmer GEK das zweite Pflegestärkungsgesetz, das am 1. Januar 2016 in Kraft treten soll, „als eine entschlossene und weit reichende Reform ein. Sie beseitigt mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff eine der bisherigen Schwächen der Sozialen Pflegeversicherung.“

Konsequenzen aus dem Pflegereport: Weitere Hilfe für Pflegende

Nicht nur neue Reformen sind notwendig, um die Qualität der Pflege in Deutschland dauerhaft zu gewährleisten. Da ein Großteil der Pflegebedürftigen nach wie vor von Angehörigen in den eigenen vier Wänden versorgt wird, müssen auch diese Pflegepersonen Unterstützung erhalten und zwar nicht nur finanziell. Wie Drougias betont, wenden Angehörige pro Woche 37 Stunden mit der Pflege der Angehörigen auf, was durch die Mehrbelastung zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann. „Um pflegende Angehörige in dieser schwierigen Aufgabe zu unterstützen, zu stärken und zu entlasten, ist es wichtig, ihnen über die Kernleistungen der Pflegeversicherung hinausgehende Hilfen zu bieten. Die Barmer GEK bietet hier zum Beispiel Kompaktseminare wie das Projekt PAUSE, das mehrtägig in einer ruhigen Atmosphäre Wissen zur erfolgreichen Bewältigung des Pflegealltags vermittelt.“

Auch andere gesetzliche Kassen haben vergleichbare Angebote. So können sich Versicherte der DAK-Gesundheit in einem online Pflegekurs nicht nur über die verschiedenen Leistungsansprüche informieren, sondern erhalten zudem praktische Pflegetipps, beispielsweise zum Thema Mundhygiene.

 

Infos für pflegende Angehörige

Unterstützung und Beratung gerade hinsichtlich der seelischen Belastungen, die die Pflege eines Angehörigen im häuslichen Umfeld mit sich bringt, erhalten Pflegepersonen auf dem Portal www.pflegen-und-leben.de.

Wichtige Erkenntnisse aus dem Barmer GEK Pflegereport 2015:

  • 2060 werden zirka 4,52 Millionen Menschen gepflegt werden
  • entgegen früherer Modellrechnungen sind dies 221.000 Pflegebedürftige mehr als erwartet
  • 60 Prozent der männlichen und 70 Prozent der weiblichen Pflegebedürftigen werden im Jahr 2060 85 Jahre oder älter sein
  • Frauen sind insgesamt stärker an der Pflege beteiligt, sie machen zwei Drittel der pflegenden Angehörigen aus
  • bei den Kapazitäten gibt es eine positive Entwicklung, zwischen 1999 und 2013 sind diese sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich stärker gestiegen als die Anzahl der Pflegebedürftigen

Bildquelle: Barmer GEK