Frau blättert Unterlagen durch
Jenny Gebel
Jenny Gebel

Online-Redakteurin

Versicherungspflichtgrenze bleibt 2022 stabil: Vorteil für Gutverdiener

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat die neuen Rechengrößen der Sozialversicherung für 2022 veröffentlicht. Diese Zahlen richten sich nach der Lohnentwicklung im Vorjahr. Nach dem Corona-Krisenjahr bleiben große Sprünge im aktuellen Zeitraum aus.

  • Anders als in den vergangenen Jahren gibt es 2022 keine Änderungen bei der Versicherungspflichtgrenze und der Beitragsbemessungsgrenze.
  • Privatversicherte Angestellte, die mit dem Verdienst gerade so über der Versicherungspflichtgrenze liegen, können demnach aufatmen. Sie müssen nicht befürchten, in die GKV zurück zu müssen.
  • Nur in der Beitragsbemessungsgrenze zur Rentenversicherung sind geringe Änderungen zu verzeichnen.

Mit Spannung erwarten Versicherungsfachleute und auch mancher Verbraucher jedes Jahr die neuen Entgeltgrenzen der Sozialversicherung. Die verschiedenen Berechnungsgrößen und Höchstwerte bestimmen unter anderem, wie viel ein Angestellter verdienen muss, um frei zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung (PKV) zu wählen. In diesem Jahr bleibt in diesem Bereich alles beim Alten.

In der Krankenversicherung geht es weiter wie bisher

Gab es in den vergangenen Jahren üblicherweise einen deutlichen Anstieg, so ist in diesem Jahr eine Phase der Stabilität zu erkennen. Weder die bundeseinheitlich gültige Versicherungspflichtgrenze für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) noch die Beitragsbemessungsgrenze ändern sich.

Das sind gute Nachrichten für Arbeitnehmer mit sehr gutem Verdienst.

  • Die Versicherungspflichtgrenze bestimmt, bis zu welchem Gehalt ein Angestellter verpflichtet ist, sich in der GKV zu versichern. Genau wie im letzten Jahr liegt diese Höchstgrenze bei jährlich 64.350 Euro brutto (5.362,50 Euro im Monat). Wer mehr Geld verdient, kann in die private PKV wechseln.
  • Die zweite wichtige Rechengröße für Angestellte ist die Beitragsbemessungsgrenze für die Krankenversicherung. Diese gibt das Einkommen an, bis zu dem Krankenkassenbeiträge abgerechnet werden. Auch diese Größe bleibt 2022 stabil bei 58.050 Euro brutto pro Jahr (4.837,50 Euro im Monat). Wer mit seinem Gehalt über diesem Wert liegt, erhält den darüber liegenden Teil des Einkommens beitragsfrei ohne Abzüge.

Die Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung bleibt 2022 unverändert bei

Euro pro Jahr (brutto)

Leichtes Auf und Ab in der Rentenversicherung

In der Rentenversicherung sinkt die allgemeine Beitragsbemessungsgrenze in den alten Bundesländern leicht von 7.100 Euro pro Monat auf 7.050 Euro. In den neuen Bundesländern kommt es im Gegenzug zu einem geringen Anstieg des Wertes von 6.700 Euro auf 6.750 Euro monatlich. Das bedeutet: Wer im Osten Deutschlands wohnt und mehr als 6.750 Euro brutto monatlich verdient, muss auf das Einkommen, das über dieser Bemessungsgrenze liegt, keine Rentenversicherungsbeiträge zahlen.

Rückläufige Lohnentwicklung als Grund für die Stagnation

Die Entwicklung der Beitragsgrößen in der Sozialversicherung ist eng mit der Lohnentwicklung von 2020 verknüpft. Diese war im Jahr der Corona-Krise rückläufig. So sanken die Bruttolöhne im gesamten Bundesgebiet um etwa 0,15 Prozent. Betrachtet man nur die alten Bundesländer, dann verringerte  sich das Lohnniveau sogar um 0,34 Prozent.

Bezugsgrößen der Sozialversicherung

Bei der Bezugsgröße der Sozialversicherung ist ebenfalls noch ein Ost-West-Unterschied sichtbar. Im Osten wird der Wert von 3.115 Euro auf 3.150 Euro angehoben (bzw. 37.800 Euro jährlich). Im Westen bleibt er dagegen stabil bei 3.290 Euro monatlich (39.480 Euro im Jahr). Diese zuletzt genannte Größe hat bundesweite Gültigkeit als Berechnungsgrundlage. So wird sie herangezogen, um den Mindestbeitrag auszurechnen, den etwa ein Selbstständiger zahlen muss, wenn er sich freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse versichert.

Übersicht: Rechengrößen der Sozialversicherung 2022 (Quelle: BMAS)

Rechengröße Ost (monatlich / jährlich) West (monatlich / jährlich)
Beitrags­bemessungs­grenze (Renten­versicherung) 6.750 Euro / 81.000 Euro 7.050 Euro / 84.600 Euro
Beitrags­bemessungs­grenze (Kranken- und Pflege­versicherung) 4.837,50 Euro / 58.050 Euro 4.837,50 Euro / 58.050 Euro
Versicherungs­pflichtgrenze (Kranken- und Pflege­versicherung) 5.362,50 Euro / 64.350 Euro 5.362,50 / 64.350 Euro
Bezugsgröße in der Sozial­versicherung 3.150 Euro / 37.800 Euro 3.290 Euro / 39.480 Euro

Zahlen bisher nur vorläufig

Das Bundesarbeitsministerium veröffentlichte diese Zahlen in einem Referenten-Entwurf. Damit sind diese Angaben bisher eigentlich nur als vorläufig zu betrachten. Die Bundesregierung muss die Verordnung der Rechengrößen zur Sozialversicherung noch offiziell beschließen. Außerdem steht noch die Zustimmung durch den Bundesrat aus.

Beides wird voraussichtlich wie gewohnt im Oktober stattfinden. Erfahrungsgemäß wird es an dem Entwurf jedoch keine Änderungen geben, denn die Zahlen werden auf Grundlage gesetzlicher Bestimmungen ermittelt. Am 1. Januar 2022 treten die Änderungen in Kraft.