Berufsunfähigkeitsversicherung kaum steuerlich absetzbar

Wer seine private Berufsunfähigkeitsversicherung in der Steuererklärung angibt, kann einen Teil der Versicherungsbeiträge aus dem Vorjahr steuerlich absetzen. Doch nicht zu früh gefreut: Die Steuerrückerstattung fällt aus gesetzlichen Gründen oft überraschend niedrig aus.

Der Eintrag der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) in die Steuererklärung sollte nicht vergessen werden. Versicherungsnehmer können über die Anlage Vorsorgeaufwand einen Teil ihrer Beitragszahlungen steuerlich geltend machen. Noch bis zum 31. Juli haben Steuerzahler für die Einreichung der Einkommenssteuererklärung Zeit, wenn sie diese selbst durchführen.



Berufsunfähigkeitsversicherung in der Steuererklärung: Der Höchstbetrag zählt

Wie viel vom Jahresbeitrag zur privaten Berufsunfähigkeitsversicherung tatsächlich steuerlich berücksichtigt wird, hängt vom jährlich absetzbaren Höchstbetrag für Vorsorgeaufwendungen ab. Dieser liegt für Arbeitnehmer bei 1.900 Euro und für Selbstständige bei 2.800 Euro. Zu den Vorsorgeaufwendungen zählen allerdings auch die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung. Wenn die Summe aus den jährlichen Kosten für diese Versicherungen unter 1.900 Euro liegt, können andere Versicherungsbeiträge bis zur Höhe der Differenz von der Einkommenssteuer abgesetzt werden.

Die entsprechende Formel lautet:

1.900 €
–     jährliche Beiträge zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung
=    absetzbarer Beitrag weiterer Vorsorgeaufwendungen (z.B. BU) in einem Jahr

Dies funktioniert zumindest in der Theorie. In der Praxis übersteigen die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung aber schon bei einem Bruttomonatsgehalt von ca. 2.000 Euro den absetzbaren Höchstbetrag, sodass keine Möglichkeit mehr besteht, auch noch eine Berufsunfähigkeitsversicherung steuerlich geltend zu machen.

Staatlich geförderte Berufsunfähigkeitsversicherung in der Steuererklärung

Seit dem 1. Januar 2014 können mit einer staatlich geförderten BU-Versicherung die vollständigen Beiträge zur privaten Berufsunfähigkeitsversicherung von der Einkommenssteuer abgesetzt werden. Dies wurde im Rahmen des Altersvorsorge-Verbesserungsgesetzes (AltvVerbG) beschlossen.

Der Maximalbetrag von 1.900 bzw. 2.800 Euro spielt dann keine Rolle mehr. Diese Art der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung hat jedoch zur Bedingung, dass eine lebenslange Rentenzahlung vereinbart wird.

Erste Steuererklärung Schritt für Schritt

Gerade Berufseinsteiger haben noch wenig Erfahrung mit den Formalitäten beim Finanzamt und nehmen nur ungern die kostspielige Hilfe eines Steuerberaters in Anspruch. Mit dem Leitfaden für die erste Steuererklärung lässt sich diese Hürde spielend leicht auch allein meistern.

Vollständige Absetzbarkeit der BU per Gesetz?

Der Haken an der Sache: In der Regel zahlen die privaten BU-Versicherungen nur maximal bis zum 67. Lebensjahr, also bis zum Renteneintrittsalter. Eine Verlängerung des Vertrages wäre für beide Parteien mit sehr hohen Kosten verbunden. Der Versicherungsnehmer müsste stark erhöhte Beiträge zahlen und die versichernde Gesellschaft würde bei tatsächlicher Berufsunfähigkeit gegebenenfalls viele zusätzliche Jahre lang Rentenzahlungen leisten. Aufgrund dieses hohen Risikos gibt es momentan keine Anbieter, die mit staatlicher Förderung lebenslang gegen Berufsunfähigkeit versichern.

Auf die BU-Rente werden Steuern fällig

Was viele Verbraucher außerdem nicht wissen: Falls der Versicherungsfall tatsächlich einmal eintritt, muss die Berufsunfähigkeitsrente versteuert werden. Die Höhe der Steuern ist vor allem von der Vertragslaufzeit abhängig, also bis zu welchem Alter die Rente ausgezahlt wird. Dabei gilt: je kürzer die Dauer der BU-Rente, desto kleiner der Anteil, der ans Finanzamt geht. Liegt das zu versteuernde Gesamteinkommen inklusive der Berufsunfähigkeitsrente unter dem jährlichen Einkommenssteuerfreibetrag, werden gar keine Steuern fällig.

Andere Versicherungen in der Steuererklärung

Neben den steuerlich absetzbaren gesetzlichen Versicherungen und der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung können auch andere Arten von Vorsorgeaufwendungen in der Einkommenssteuererklärung geltend gemacht werden. Bei der privaten Haftpflicht, Unfall-, Renten- und Lebensversicherungen muss derselbe Höchstbetrag wie bei der BU berücksichtigt werden. Für Versicherungen, die in die Kategorie Basisvorsorge fallen, gilt dagegen ein weitaus höherer Maximalbetrag. Für ihre gesetzliche Rentenversicherung, ihre Rürup-Rente oder ihre betriebliche Altersvorsorge können Alleinstehende für das Jahr 2019 Beiträge bis zum Höchstbetrag von rund 24.000 Euro zu 88 Prozent steuerlich absetzen. Auch für die Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ) gilt diese Obergrenze, wenn sie mit einer staatlich zertifizierten Privatrente kombiniert ist und über 50 Prozent der Beitragszahlungen für die Altersvorsorge eingesetzt werden.