Person rechnet mit Taschenrechner
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Berufsunfähigkeits­versicherung kostet 2022 voraussichtlich mehr

Wer sich für eine Berufsunfähigkeitsversicherung interessiert, sollte noch in diesem Jahr handeln. Denn 2022 ist davon auszugehen, dass der Schutz durch verschiedene Änderungen teurer wird. So sinkt nicht nur die Verzinsung von Rücklagen für den Schadensfall. Zudem ist das Schadensrisiko für den Versicherer gestiegen und damit die Kosten für Versicherte.

  • Bei der Berufsunfähigkeits­versicherung sind 2022 Kostensteigerungen von bis zu zehn Prozent möglich.
  • Interessierte sollten sich daher noch in diesem Jahr um den Versicherungsschutz kümmern.
  • Schuld an der Kostenentwicklung sind zwei Faktoren.

Bereits im Mai dieses Jahres zeigte eine Umfrage des Versicherungsjournal, dass viele Versicherer 2022 von einer Beitragserhöhung für die Berufsunfähigkeitsversicherung ausgehen. Eine aktuelle Untersuchung der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) bestätigt nun diese Annahme. Schuld daran sind zwei Veränderungen:

  1. Der Rechnungszins: Er sinkt mit dem Jahreswechsel von 0,9 Prozent auf 0,25 Prozent. Dadurch werden die Rücklagen für Schadensfälle weniger gut verzinst, sodass Versicherte mehr an ihren Versicherer zahlen müssen, um das gleiche Polster zu haben.
  2. Erhöhtes Schadensrisiko: DAV-Analysen zeigen, dass sich das Berufsunfähigkeits-Risiko von Frauen bis zu ihrem 40. Lebensjahr aufgrund psychischer Leiden in den letzten 20 Jahren um 30 Prozent erhöht hat.

Neuer Rechnungszins wirkt sich auf Kosten verschiedener Absicherungen aus

Die Deutsche Aktuarvereinigung schätzt, dass die Prämien für die Berufsunfähigkeitsversicherung für einen 20-Jährigen kalkulatorisch um mehr als zehn Prozent steigen, wenn der Vertrag bis zum regulären Rentenbeginn läuft. Wie viel Versicherte 2022 tatsächlich mehr zahlen, hängt allerdings davon ab, wie viel der erwirtschafteten Überschüsse die Anbieter mit der Bruttoprämie verrechnen. Auszugehen ist, dass sich auch der zu zahlende Nettobeitrag für die Berufsunfähigkeitsversicherung 2022 erhöhen wird.

Neben der Berufsunfähigkeitsversicherung hat der neue, geringere Rechnungszins Auswirkungen auf andere Risikoversicherungen. Wie das Versicherungsjournal berichtet, verteuert sich

  • die Grundfähigkeits­versicherung um bis zu 10,5 Prozent,
  • die Risiko­lebensversicherung um bis zu 9,5 Prozent und
  • die Erwerbsunfähigkeits­versicherung um bis zu 9 Prozent.

Höheres BU-Risiko könnte Kostentreiber werden

Welchen Einfluss das veränderte Schadensrisiko für die Berufsunfähigkeitsversicherer hat, ist schwer abzuschätzen. Zwar hat dieses für jüngere Frauen zugenommen, ab 40 Jahren ist es sowohl für Männer als auch für Frauen jedoch gesunken. Dies liegt unter anderem daran, dass immer weniger Personen in körperlich fordernden Berufen tätig sind.

Bei der Handelsblatt Jahrestagung „Strategiemeeting Lebensversicherung“ berichtet der Vorstandsvorsitzende der Stuttgarter Lebensversicherung, Guido Bader, von der Ungewissheit, wie sich das Risiko auswirken wird. „Daher haben wir in der Berufsunfähigkeitsversicherung noch einen Sicherheitszuschlag einkalkuliert“, zitiert ihn das Versicherungsjournal. Die Allianz bestätigte im Zuge dessen, dass es beim BU-Schutz 2022 Änderungen geben wird.

BU-Schutz noch 2021 vereinbaren

Die DAV überprüft regelmäßig, wie sich die Leistungsfälle in der Berufsunfähigkeitsversicherung entwickeln. Nach der letzten Überprüfung kommen die Aktuare zum Schluss, dass die aktuelle Annahme „vor dem Hintergrund neuer Erfahrungen und Entwicklungen im Markt überholt ist“, erklärt DAV-Pressesprecher Erik Staschöfsky gegenüber Cash.online.

Generell gelten die neuen Rechnungsgrundlagen nur für Neuabschlüsse. Welche Auswirkungen sie genau auf die Kosten haben, hängt vom jeweiligen Versicherer ab. Bereits jetzt arbeiten manche von ihnen mit einem Rechnungszins von 0,25 Prozent und können dennoch bezahlbare Tarife anbieten.

Verbraucher sollten die Anpassungen dennoch als Anlass nehmen, sich noch in diesem Jahr um ihren Versicherungsschutz zu kümmern, um sich bestenfalls einen günstigeren Beitrag zu sichern. Dabei hilft ein unverbindliches, persönliches Angebot, um den geeigneten Schutz zu finden.