Paar sitzt entmutigt vor Unterlagen
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Bis zu 110 Prozent: Prämien steigen in der privaten Pflegeversicherung

Mehr als 3,5 Millionen Menschen schützen sich mit einer privaten Pflegeversicherung vor den hohen Pflegekosten im Alter. Viele von ihnen ärgern sich derzeit über deutlich steigende Beiträge. So führen vor allem die Anpassungen bei der UKV, BBKK, DKV und Central für Zulauf bei den Verbraucherzentralen.

  • Im Extremfall müssen Versicherte über 100 Euro mehr im Monat zahlen.
  • Verbraucherschützer fordern die BaFin auf, die Prämiensteigerung zu prüfen.

Versicherte mit einer privaten Pflegezusatzversicherung sehen sich derzeit mit Beitragserhöhungen von bis zu 110 Prozent konfrontiert und suchen Rat bei einer Verbraucherzentrale. Das berichtet aktuell die Welt am Sonntag und bezieht sich dabei auf die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.



Deren Chef, Wolfgang Schuldzinski, sagte dem Blatt, es sei ein Skandal, „dass die Menschen jahrelang die Prämien gezahlt haben und nun, kurz bevor es auf den Versicherungsschutz ankommt, auf einmal Steigerungen der Beiträge von bis zu 110 Prozent akzeptieren sollen.“ In seinen Augen erfordern die aktuellen Beitragsentwicklungen einen prüfenden Blick vonseiten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Versicherer verweisen auf stabile Beitragsjahre

Betroffen seien vor allem Versicherte bei der UKV und BBKK sowie DKV und Central. Ein Sprecher der UKV und BBKK verweist in der Welt am Sonntag bei den aktuellen Anpassungen einerseits auf die seit zwei Jahrzehnten sehr stabil gebliebenen Beiträge. Andererseits seien Gesetzesänderungen an den Erhöhungen schuld. Hier ist beispielsweise das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz zu nennen. Aber auch der Wechsel der Pflegestufen zu den Pflegegraden hat für Veränderungen gesorgt. Durch den Ausbau der Leistungen zahlen die Versicherer mehr Geld an ihre Kunden aus. Gleichzeitig leisten sie länger. Die dadurch entstehenden Mehrkosten können zu steigenden Beiträgen führen.

Hinzu kommt die Niedrigzinsphase, die die Anbieter zusätzlich belastet. So erreichen die Altersrückstellungen, die dazu dienen, die Beiträge im Alter stabil zu halten, nicht die erwarteten Zinsen. Damit der Puffer jedoch gleich hoch bleibt, muss der Anteil des Beitrags steigen, der für die Rückstellungen vorgesehen ist.

Pflegeversicherung wegen Erhöhung kündigen?

Betroffene können zwar kündigen und einen neuen Vertrag abschließen, wenn ihre private Pflegeversicherung teurer wird. Doch ob dies günstiger ist, muss angesichts des höheren Alters bei Vertragsabschluss und der erneuten Gesundheitsprüfung genau verglichen werden. Alternativ können Versicherte einen Tarifwechsel beim Anbieter erfragen. Gerade wenn sie schon länger versichert sind, haben sie eventuell noch eine Pflegeversicherung, bei dem die Beitragshöhe vom Geschlecht abhängt. Der Wechsel in einen Unisex-Tarif kann dann zu einer deutlichen Beitragsentlastung führen.

Neue Pflegereform geplant

Ungeachtet der aktuellen Kostenentwicklung bei der privaten Pflegeversicherung will die Große Koalition eine weitere Pflegereform auf den Weg bringen. So sollen die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung an die Preisentwicklung angepasst werden, teilte Erwin Rüddel, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses, der Zeitung The Pioneer mit. Dabei gilt es zu verhindern, dass der Beitragssatz für die Pflegeversicherung weiter steigt, so der CDU-Politiker.