Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Bitcoin-ETF: Wie riskant ist ein Investment in den BITO?

Am Dienstag startete der erste Bitcoin-ETF an der New Yorker Börse und hat bereits einen Rekord gebrochen. Welche Chancen und Risiken das Investment in den Krypto-Fonds birgt, warum der Hype so groß ist und worauf speziell in Deutschland geachtet werden muss, erklärt finanzen.de.

Warum ist der Hype um den Bitcoin-ETF so groß?

Seit dem 19. Oktober 2021 wird der ProShares Bitcoin Strategy ETF (BITO) an der Wall Street gehandelt. Er ist der erste börsengehandelte Indexfonds auf die Kryptowährung Bitcoin, der in den USA zugelassen wurde. Bisher existieren Bitcoin-ETFs nur in wenigen anderen Regionen wie beispielsweise Kanada oder Asien.

So brach der Hype um den ersten US-Bitcoin-ETF dann auch direkt einen Rekord: Schon am zweiten Handelstag erreichte der BITO die Marke von einer Milliarde Dollar an verwaltetem Vermögen. Vorheriger Rekordhalter war 18 Jahre lang der SPDR Gold Shares ETF (GLD) mit drei Handelstagen zur Erreichung dieses Meilensteins.

Die Einführung des BITO beflügelte auch den Kurs des Bitcoins selbst auf ein neues Allzeithoch von 66.930 Dollar am Mittwoch.

In der Vergangenheit hatte die US-Börsenaufsicht SEC Anträge auf Zulassungen von Bitcoin-ETFs stets abgelehnt. Die Entscheidung zur Zulassung kommt nun, da der BITO nur indirekt über Futures in Bitcoin investiert. In der Branche wird dies dennoch als positives Signal gewertet, Kryptoprodukte nach Jahren endlich im Mainstream-Anlagemarkt zu etablieren.

Trotz Zulassung warnt die SEC aber über Twitter, dass Anleger auch bei einem Investment in einen Fonds mit Bitcoin-Futures das „potentielle Risiko und den Nutzen genau abwägen sollten”.

Was sind Futures?

Futures gehören zu den Derivaten. Derivate sind Finanzprodukte, deren Preisentwicklung von einem zugrundeliegenden Basisprodukt abgeleitet wird. Das heißt nicht der Basiswert selbst – im diesem Falle der Bitcoin – wird erworben. Somit handelt es sich um eine indirektes Investment. Futures sind standardisierte, börsengehandelte Termingeschäfte (anders als Forwards, die nicht an einer Börse, sondern zwischen zwei Parteien direkt gehandelt werden).

Mithilfe eines Futures soll grundsätzlich ein Preis in der Zukunft abgesichert werden. Ein Verkäufer verpflichtet sich, eine Ware oder seinen Vermögenswert zu einem bestimmten Zeitpunkt und Preis zu verkaufen, ein Käufer verpflichtet sich gleichzeitig zu kaufen. Solche Termingeschäfte gab es bereits in der Antike. Trotzdem sind es nicht überwiegend Unternehmen, die Futures zur Preisabsicherung nutzen, sondern Spekulanten.

Mit Futures sind extrem hohe Kursgewinne möglich, aber ebenso der Verlust über den Einsatz hinaus. Der Handel wird deshalb an der Börse häufig als „Königsdisziplin” bezeichnet. Gehandelt wird auf speziellen Terminmärkten wie beispielsweise der deutschen Terminbörse EUREX.

Bei Privatanlegern sind Futures weniger populär. Wenn, dann erfolgt der Handel oft über ETCs (Exchange Traded Commodities). ETCs sind an die Wertentwicklung von Rohstoffen wie Tabak gekoppelt und können wie Aktien über Broker oder Bank gehandelt werden.

Lohnt sich eine Investment? Die Vor-und Nachteile des Bitcoin-ETFs

Kryptowährung selbst zu erwerben ist mit einem gewissen Aufwand verbunden, besonders was die Sicherheitsfragen angeht. Wer Bitcoin kaufen will, muss den passenden Handelsplatz finden, sich mit der technischen Funktionsweise und der Auswahl des Wallets zur Aufbewahrung beschäftigen. Da kommen Fragen auf den Käufer zu, wie, „reicht für mich ein Hot Wallet oder brauche ich ein Cold Wallet” oder „was passiert eigentlich, wenn ich das nötige Passwort verliere?”.

Dieser Prozess wird durch das Investment in einen ETF maximal vereinfacht. Der BITO-Anbieter ProShares teilte mit, das Investment eigne sich für Anleger, die kein „Konto bei einer Kryptobörse eröffnen oder lernen wollen, wie man seine Kryptowährungen selbst verwahrt”. Eine Partizipation an der Kursentwicklung des Bitcoins ist so für die breite Masse mit dem geringstem Aufwand möglich – aber eben nur zu einem gewissen Grad.

Zwar spiegeln die Bitcoin-Futures die Wertentwicklung des Bitcoins wider. Bei schneller Kursentwicklung wie einer Rallye kann es jedoch sein, dass der ETF nicht schnell genug hinterherkommt.

Zudem ist der ETF aufgrund der Gebühren teurer als ein Direktinvestment in den Bitcoin.
Zwar ist auch die Verwahrung der Bitcoins nicht komplett kostenlos, wenn man sich für die besonders sicheren Cold Wallets entscheidet. Denn Experten raten davon ab, beim Erwerb von Kryptowährung diese durch die Handelsbörse selbst verwahren zu lassen. Es gilt das Sprichwort „not your keys, not your coins” – verliert die Handelsbörse den Schlüssel oder wird gehackt, sind die Coins verloren.

Die für Cold Wallets nötige Hardware muss also extra gekauft werden. Cold Wallets werden aber erst ab einer hohen Summe an Kryptowährung dringend empfohlen. Bei kleineren Investments kann also ein ETF durchaus Sinn machen. Wer direkt Gewinne bei möglichen Wertsteigerungen des Bitcoins erzielen möchte, ist mit einem Investment in die Kryptowährung selbst dennoch besser bedient.

Gibt es in Deutschland einen ähnlichen ETF?

Bisher gibt es schon Krypto ETNs (Exchange Traded Notes) und ETCs (Exchange Traded Commodities), aber keine Krypto-ETFs in Deutschland. Denn nach den Regularien für europäische Fonds müssen in einem ETF mindestens fünf verschiedene Werte sein, damit er sich Fonds nennen darf. Ähnlich ist das bei Rohstoffen und Edelmetallen. Aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen durch die UCITS-Richtlinien darf hierzulande beispielsweise auch nur mit Gold-ETCs gehandelt werden. In der Schweiz gibt es hingegen auch Gold-ETFs.

Dass in naher Zukunft in Deutschland ein ETF auf Kryptowährung für den Handel zugelassen wird, scheint aktuell unwahrscheinlich. Über andere börsengehandelte Produkte wie ETCs oder ETNs können Anleger aber auch auf dem deutschen Markt an der Wertentwicklung von Bitcoin, Ethereum und Co teilhaben, ohne selbst Coins zu erwerben.

Wer unbedingt in den BITO-ETF investieren will, kann dies nur über einige ausländische Broker tun. Das ist beispielsweise über eToro oder Lynx möglich.