Paar sitzt entmutigt vor Unterlagen
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

BKK24 bald zahlungsunfähig? Was das für Versicherte bedeutet

Die gesetzliche Krankenkasse BKK24 hat scheinbar Finanzierungsprobleme. Die Betriebskrankenkasse hat der zuständigen Aufsichtsbehörde Anfang der Woche einen möglichen Liquiditätsengpass gemeldet. Die rund 135.000 Versicherten müssen sich jedoch keine Sorgen machen. „Alles wird normal bearbeitet“, so die Kasse.

Zuletzt aktualisiert am 27. August 2021

  • Die BKK24 steckt in finanziellen Schwierigkeiten.
  • Berichten zufolge fehlen der Betriebskrankenkasse mehrere Millionen Euro.
  • Aufgrund der aktuellen Entwicklungen müssen Versicherte ab September einen deutlichen höheren Beitrag zahlen.

Die BKK24 zählt mit einem Zusatzbeitrag von 1,0 Prozent zu den günstigsten Krankenkassen 2021. Damit liegt sie 0,3 Prozent unter dem vom Bundesgesundheitsministerium genannten Durchschnittswert. Nun könnte der niedrige Beitragssatz der Betriebskrankenkasse zum Verhängnis werden. Denn wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet, hat die Krankenkasse bei der für sie zuständigen Aufsichtsbehörde, dem Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS), eine drohende Zahlungsunfähigkeit gemeldet.

Das BAS muss nun innerhalb von drei Monaten die eingereichten Unterlagen der BKK24 prüfen. Kommt die Behörde zum Schluss, dass die Kasse vor einer Pleite nicht mehr zu retten ist, könnte sie über eine Einleitung eines Insolvenzverfahrens entscheiden. Möglich wäre aber auch ein Sanierungsversuch oder eine andere Rettungsmaßnahme.

Unstimmigkeiten im Rechnungswesen als Ursache

Die BKK24 hat ihren Sitz in Obernkirchen in Niedersachsen. Seit Juli hat die Krankenkasse einen neuen Vorstand. Jörg Nielaczny und Tobias Mittmann lösten Friedrich Schütte ab. Ob im Zuge dessen nun die „Unstimmigkeiten im Rechnungswesen“ aufgefallen sind, wie die BKK24 schreibt, ist allerdings unklar. „Es geht um einen bilanziellen Einmaleffekt, der sich im Rahmen der konkretisierten Jahresprognose 2021 gezeigt hat“, erläutert die Krankenkasse in einer Mitteilung weiter. Nach Informationen der Schaumburger Zeitung handelt es sich dabei um ein Loch von mehr als 8,5 Millionen Euro.

Keine Auswirkungen für Versicherte auf Leistungsebene – Beitrag steigt

Die Krankenkasse versucht indes sowohl die rund 300 Beschäftigten als auch die Versicherten zu beruhigen. „Die aktuelle Situation hat keine Auswirkungen auf den Versicherungsschutz der BKK24-Versichertengemeinschaft.“ Alle Kosten werden weiterhin gezahlt.

Um eine Insolvenz abzuwenden, könnte das Bundesamt für Soziale Sicherung eine Erhöhung des Zusatzbeitrags beschließen. Wie die TAZ berichtet, hat die BKK24 bereits angekündigt, dies tun zu wollen. Allerdings nur für einen Zeitraum von sechs bis sieben Monaten. Zusatzleistungen sollen nicht gestrichen werden.

Als weitere Lösung gibt es dem Handelsblatt zufolge die Möglichkeit, dass das BAS die Kasse zunächst mit einer Auffanglösung rettet und sie im Anschluss zwangsfusioniert.
Würde es zum Ernstfall kommen, wäre es die dritte Insolvenz einer Krankenkasse seit 2009. Versicherte müssten sich dann eine neue Kasse suchen.

Update 27. August 2021: Bereits ab 1. September 2021 steigt der Beitragssatz von 1,0 auf 2,5 Prozent. Die Anpassung ist vom BAS geprüft und genehmigt worden. Vorgesehen ist, dass der Beitrag im Frühjahr auf den dann gültigen durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz sinken soll, so Tobias Mittmann gegenüber t-online.