Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Böllerverbot an Silvester – Wieso, weshalb, warum?

Der Countdown ins neue Jahr ist noch nicht mal runtergezählt, und schon fängt die große Knallerei an. Die Deutschen lieben ihre Feuerwerkskörper und geizen dabei weder finanziell noch an der Masse. Allerdings werden inzwischen immer mehr Verbotszonen eingerichtet. Doch wo sind diese, warum werden Verbote ausgesprochen und was passiert, wenn man nach Silvester noch böllert?

Die Uhr schlägt Mitternacht und schon wird das neue Jahr mit dem Rabatz einiger ordentlicher Böllerbatterien begrüßt, bevor man sich selbst aufgemacht, das Feuerwerk des Nachbarn mit dem eigenen 33-teiligen Raketenset zu übertreffen – klingt übertrieben, doch so oder ähnlich sieht Silvester für viele Fans von Feuerwerkskörpern alljährlich aus. Die Zahl der Gegner dieser ausgelassenen Knallerei wächst jedoch, laut Deutscher Umwelthilfe sind aufgrund der Risiken inzwischen 60 Prozent der Deutschen für ein Verbot.



Was sind die Risiken privater Böllerei?

Die Verletzungsgefahr beim privaten Einsatz von Feuerwerkskörpern in Städten und auf Plätzen, mit vielen Menschen, ist offensichtlich. In der Silvesternacht werden besonders viele Patienten mit schlimmen Hand- aber auch Augenverletzungen in die Krankenhäuser eingeliefert. Auch schwere Gehörschäden sind bekannte Folgen eines knallenden Jahresabschlusses. Laut der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie erleiden jährlich 8.000 Menschen in Deutschland eine Verletzung des Innenohres aufgrund explodierender Feuerwerkskörper.

Feinstaubproblematik: Zwei Prozent der jährlich freigesetzten Menge allein an Silvester

Doch die Knallerei führt nicht nur regelmäßig zu Verletzungen, sondern treibt auch die Feinstaubbelastung explosionsartig an. 5.000 Tonnen Feinstaub werden durch Böller und Raketen in einer Nacht produziert, so viel wie sonst in zwei Monaten Straßenverkehr. Vielerorts ist die Luftbelastung mit Feinstaub am Neujahrstag am höchsten. Deswegen hat die Deutsche Umwelthilfe 2019 in verschiedensten Städten und bundesweit Petitionen für Böllerverbote gestartet. In knapp hundert Städten hat die Organisation zudem formale Anträge auf ein Böllerverbot gestellt.

Die Beeinträchtigungen der menschlichen Gesundheit durch das Einatmen von Feinstaub reichen von vorübergehender Atemwegsbeeinträchtigung bis zu Herz-Kreislauf-Problemen und verstärkten Asthmaanfällen. Wie lang die Feinstaubbelastung nach Silvester anhält, hängt vor allem vom Wetter ab. Bei schwachem Wind können die Schadstoffe über viele Stunden in der Luft bleiben.

Welche Lösung gibt es im Kampf gegen die Umweltbelastung?

Zehntausende Tonnen an Müll werden jedes Jahr in der Silvesternacht erzeugt – häufig finden Reinigungskräfte der Kommunen und Städte Reste der Feuerwerkskörper noch im Februar oder März auf Grünanlagen und Co. Einfachste Lösung dieses Problems wäre demnach, das Böllern einfach sein zu lassen. Die Deutsche Umwelthilfe schlägt vor, sich an Städten wie Paris oder Brüssel zu orientieren, wo mit Licht und Lasershows das neue Jahr begrüßt wird. Anstatt gänzlich auf Feuerwerke zu verzichten, könnten zukünftig auch nur noch zentrale und professionelle Feuerwerke in Großstädten zu Silvester veranstaltet werden, wie dies beispielsweise in Sydney oder London der Fall ist. Hier finden abseits von ein paar Wunderkerzen zuhause keinerlei private Feuerwerke statt.

Wo gilt das Böllereiverbot bereits?

Was passiert, wenn man abseits von Silvester böllert?

Feuerwerkskörper der Klasse I, also Knallerbsen, Tischfeuerzeug oder Knallbonbons, können das ganze Jahr über gekauft und genutzt werden. Das Abfeuern von Feuerwerkskörpern der Klasse II ist jedoch nur in der Silvesternacht aufgrund einer Ausnahmeregelung erlaubt – und das auch nur durch Volljährige. Dazu zählen Raketen, Sonnenräder, Böller oder auch römische Lichter, deren Verkauf nur an den drei Werktagen vor Silvester genehmigt ist. Diese Feuerwerkskörper dürfen in der Regel erst ab 0 Uhr des 31. Dezembers bis zum 1. Januar um 24 Uhr gezündet werden. Je nach Stadt oder Gemeinde können diese Zeiten jedoch variieren. So dürfen in Berlin beispielsweise Feuerwerke der Kategorie II erst ab 18 Uhr des 31. Dezembers bis zum 1. Januar um 7 Uhr gefeuert werden.

Wer in der Nähe von Krankenhäusern, Kinder- oder Altenheimen, Kirchen oder Fachwerk- und Reetdachhäusern das Jahr mit Knallerei und Raketen begrüßt, kann mit hohen Bußgeldern rechnen, da es sich um eine Ordnungswidrigkeit handelt. Gleiches gilt für den Verstoß gegen Verbotszonen. In Berlin, Bremen oder auch Bayern sieht der Bußgeldkatalog für gezündete Feuerwerkskörper der Kategorie II außerhalb der festgelegten Silvesterzeiten beispielsweise Bußgelder bis zu 10.000 Euro vor. Wer nicht zertifizierte Knaller verwendet, betreibt oder herstellt, riskiert eine Geldstrafe von 50.000 Euro und eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Weniger streng wird die Knallerei hingegen unter anderem in Brandenburg gesehen, außerhalb genehmigter Zeiten müssen Böllerfreunde hier nur mit einem Bußgeld bis zu maximal 200 Euro rechnen.