Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Corona-Antikörpertest: Sind Infizierte nach der Krankheit immun?

Bund und Länder haben die Kontaktbeschränkungen bis zum 20. April verlängert. Antikörpertests könnten jedoch baldige Lockerungen ermöglichen. Wozu die Tests dienen, ob man nach einer Ansteckung mit Covid-19 immun ist und wann ein Impfstoff kommt, klärt finanzen.de!

Aktuell sind fast 80.000 Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert (Stand 3. April 2020). Im Vergleich zum Vortag entspricht dies einer Erhöhung um 6.174 Personen – eine Entspannung der Zahl der Ansteckungen ist bisher nicht eingetreten. Dementsprechend haben Bund und Länder die Kontaktbeschränkungen diese Woche verlängert. Antikörpertests könnten dazu beitragen, die Restriktionen des öffentlichen Lebens etwas zu lockern und das noch bevor ein Impfstoff gefunden wird. Denn wer mit dem Coronavirus infiziert war und wieder genesen ist, gilt als immun und könnte sich deshalb risikofrei bewegen – vielleicht.



Was ist ein Antikörpertest?

Antikörpertests dienen zum Nachweis schützender und neutralisierender Antikörper, die während einer Infektion gebildet werden. So gibt es bei Röteln bereits sehr verlässliche Tests. Da das Coronavirus SARS-CoV-2 noch neu ist, sind Forscher sich bisher uneinig, welche Antikörper im Blut und wie viele davon vor einer Erkrankung an Covid-19 schützen können.

Eine Firma aus Lübeck scheint nun einen zuverlässigen Antikörpertest gefunden zu haben. Laut eigener Angaben hat das Unternehmen Euroimmun die erforderliche CE-Kennzeichnung bekommen und darf den Test auf den Markt bringen. Es handelt sich dabei um einen sogenannten ELISA-Test, eine Methode, bei der Blut auf ein Plastikplättchen mit rund 100 kleinen Löchern getröpfelt wird. Unter speziellem Licht verfärbt sich das Blut gelb – je dunkler, desto mehr Antikörper gegen Coronaviren wurden im Blut des Patienten gebildet.

Als direkter Nachweis, ob eine Corona-Infektion aktuell vorliegt, taugen die Antikörpertests jedoch nicht. Wolfgang Schlumberger von Euroimmun erklärt dem NDR: „Diese Antikörper bilden sich nach etwa zehn Tagen nach der Infektion. Sie zeigen also, ob der Patient in der Vergangenheit mit dem Virus in Kontakt gekommen ist. Der Test eignet sich aber nicht, um auszuschließen, ob der Patient aktuell infektiös ist.”

Was bringen Antikörpertests und ist man nach einer Ansteckung immun?

Im Gegensatz zum sogenannten PCR-Test, der direkt misst, ob momentan eine ansteckende Infektion mit Coronaviren vorliegt, misst der Antikörpertest diese also nur indirekt. Antikörpertests sind dennoch wichtig, da sie auch Infektionen, die ohne Symptome verlaufen sind, nachweisen. So kann ermittelt werden, wie viele Menschen bereits am Coronavirus erkrankt sind oder waren. Laut wissenschaftlicher Auffassung müssen etwa 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung infiziert worden sein, bevor eine Pandemie ohne Impfmittel von allein zum Stillstand kommt.

Grundlage ist die Annahme, dass man nach einer überstandenen Infektion gewisse Zeit immun gegen das Virus ist. Gerade bei medizinischem Personal bestände so der Vorteil, dass geringere Schutzmaßnahmen notwendig in der Arbeit mit Corona-Patienten sind. Auch Kontaktbeschränkungen könnten bei bestehender Immunisierung aufgehoben werden.

Thomas Kamradt, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, geht von einer Immunität nach Ansteckung aus: „Aller Voraussicht nach ist man nach Ansteckung mit dem Sars-CoV-2-Virus mindestens ein paar Jahre lang vor einer erneuten Infektion geschützt”. Diese Annahmen basieren auf Erfahrungen mit anderen humanen Coronaviren.

Bei einigen Personen wurde jedoch beobachtet, dass sie nach überstandener Erkrankung das Virus erneut hatten, wie der Virologe Helmut Fickenscher gegenüber dem NDR berichtet. Da die Beobachtung jedoch nicht konstant erfolgte, sei es unklar, ob die Infizierten überhaupt schon das Virus eliminiert hatten. Deswegen ist es momentan schwer zu sagen, ob Infizierte nach der Krankheit definitiv immun sind. Es wäre jedoch „extrem außergewöhnlich”, so Kamradt, wenn keine Immunität nach einer Ansteckung mit dem Virus erfolgte.

Wie ist der Stand der Forschung zu einem Impfstoff und Medikamenten zur Behandlung von Covid-19?

Unterdessen läuft die Suche nach einem Impfstoff weiter auf Hochtouren. Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller berichtet, dass inzwischen mindestens 61 Impfstoffprojekte angelaufen sind. Einige Unternehmen sind dabei bereits in Testphase vier von sechs – der Erprobung mit Freiwilligen – angelangt. Nach erfolgreicher Erprobung müssen noch Zulassungsverfahren und die Massenproduktion erfolgen.

Wichtig ist nicht nur, wer als erstes einen zugelassenen Impfstoff entwickelt, sondern auch, dass die Produktionskapazitäten ausreichend sind. Ideal wäre es daher, wenn möglichst viele derzeit in der Testphase befindlichen Impfstoffe es in die Zulassung schaffen, um die Herstellung der Impfstoffe in möglichst vielen Produktionsanlagen weltweit zu ermöglichen.

Auch neue Informationen zu möglichen Medikamenten gegen Covid-19 werden fast täglich publik. So hat eine kleine wissenschaftliche Arbeitsgruppe kürzlich herausgefunden, dass ein Malariamedikament und ein Antibiotikum gut als therapeutische Medikamente gegen die Lungenerkrankung wirken sollen. Erkenntnisse wie diese bedürfen jedoch größeren Tests zur eindeutigen Bestätigung.

Impfstoff könnte bereits im Herbst kommen

Ein anderer Wirkstoff wurde gegen die Ebola-Epidemie in Afrika entwickelt und ist nicht nur gegen das Ebola-Virus wirksam, sondern hat auch gegen das Coronavirus Wirksamkeit bewiesen. Dazu laufen momentan bereits klinische Studien.

Die Weltgesundheitsorganisation hat ebenfalls eine groß angelegte Studie mit mehreren tausend Teilnehmern und verschiedenen Studienarmen angekündigt. Die “Solidarity” getaufte Studie vergleicht unter anderem die Behandlung mit verschiedenen HIV-Medikamenten, einem Malaria-Medikament und der Grundbehandlung von Covid-19 miteinander. Bisher rechnen die meisten Experten frühestens im nächsten Jahr mit einem Impfstoff. EU-Forschungskommissarin Mariya Gabriel erklärte dem Handelsblatt gegenüber jedoch diese Woche: „Wir erwarten, dass ein Impfstoff viel schneller auf dem Markt verfügbar sein wird, womöglich im Herbst.“ Mit dem Einsatz von „Supercomputern” glaubt sie, das wirksame Impfstoffe schneller identifiziert werden könnten.