Pfleger schieben zwei Rollstühle
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Corona-Bonus für Pflegekräfte stößt auf Kritik

Beschäftigte in der Altenpflege bekommen noch in diesem Jahr einen steuerfreien Bonus ausgezahlt. Je nach Position erhalten sie bis zu 1.500 Euro. Doch der Beschluss aus dem Bundeskabinett sorgt für Kritik. Während Pflegekräfte vor allem eine bessere Bezahlung fordern, kritisieren die Krankenkassen die Finanzierung.

  • Mit einem Pflegebonus soll die Arbeit von Beschäftigten in der Altenpflege in Corona-Zeiten honoriert werden.
  • Doch auch in anderen Berufen wird hart gearbeitet, sodass die Beschränkung auf den Pflegebereich auf Kritik stößt.
  • Zudem droht die Finanzierung am Ende zulasten von Pflegebedürftigen zu gehen.

Update 15. Mai 2020: Auch der Bundesrat hat der Bonuszahlung zugestimmt.



Update 14. Mai 2020: Der Bundestag hat den Pflegebonus heute beschlossen.

Das Bundeskabinett hat sich auf eine einmalige Corona-Prämie für Beschäftigte in der Altenpflege geeinigt. Die Höhe beläuft sich auf bis zu 1.000 Euro. Der Pflegebonus kann sich noch erhöhen, wenn sich die Bundesländer und der Arbeitgeber beteiligen. Maximal haben Pflegekräfte dann 1.500 Euro zusätzlich zur Verfügung.

Diese Summe steht Vollzeitbeschäftigten (mindestens 35 Wochenstunden) in der direkten Pflege und Betreuung zu. Aber auch andere Arbeitnehmer in der Pflegebranche sollen einen gestaffelten Anspruch auf die Prämie haben. Vorgesehen ist:

  • Personen, die mindestens zu 25 Prozent in der direkten Pflege und Betreuung arbeiten: bis zu 1.000 Euro
  • Auszubildende: bis zu 900 Euro
  • Sonstige Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen: Bis zu 500 Euro

Zu den Begünstigten sollen auch Freiwilligendienstleistende, Leiharbeiter, Helfer im freiwilligen sozialen Jahr und Mitarbeiter in Servicegesellschaften zählen. Wie genau die Verteilung der Corona-Prämie ausfallen wird, ist jedoch noch unklar. Der Entwurf des „Zweiten Gesetzes zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ liegt den Parteien CDU/CSU sowie SPD zur Beratung vor, ehe der Gesetzentwurf in den Bundestag geht.

Pflegebonus für Gesundheitsbranche gefordert

Für den Pflegebonus werden die Krankenkassen und der Bund etwa eine Milliarde Euro ausgeben. „Das ist viel Geld, auch in dieser wirtschaftlichen Lage“, teilt Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit. Dennoch sei die Prämie wichtig, „weil es eben jene erreicht, die jeden Tag hart arbeiten.“

Doch gerade daran gibt es Kritik. So fordert beispielsweise Kordula Schulz-Asche, pflegepolitische Sprecherin der Grünen, dass es eine Prämie für alle Menschen in systemrelevanten Gesundheitsberufen geben muss, nicht nur in der Altenpflege. „Es ist ein Systembruch, wenn sich die Bundesregierung bei Bonuszahlungen nur auf die Altenpflege konzentriert und die Zahlungen größtenteils über die soziale Pflegeversicherung finanzieren möchte“, so Schulz-Asche.

Wer soll für die Corona-Prämie für die Altenpflege zahlen?

Die Politikerin spricht mit ihrer Aussage einen zweiten Kritikpunkt an, die Finanzierung. Zwei Drittel der Kosten sollen über die Pflegekasse finanziert werden. Zwar will die Regierung im Herbst entscheiden, wie sie die Kassen refinanzieren kann. Doch aus Sicht von Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, hätte diese Entscheidung auch schon jetzt fallen können. „Wir hätten gerne heute die Entscheidung, dann wüssten wir als Beitragszahler für die Pflegeversicherung sicher, der Bundesfinanzminister finanziert das und es muss am Ende nicht von den Beitragszahlern der Pflegeversicherung gezahlt werden. “, sagte er ZDF heute.

Mit der Befürchtung, dass schließlich die Pflegeversicherten für den Bonus aufkommen, steht Lanz nicht alleine da. Auch die Stiftung Patientenschutz appellierte im Vorfeld daran, den Bonus aus Steuermitteln zu finanzieren. Führt die Prämie am Ende zu einem höheren Eigenanteil für Pflegebedürftige in Pflegeheimen, so treffe es genau die Menschen, die Pflege heute schon arm macht, warnte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz.