Frau mit Maske vor Spielplatz
Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Corona-Selbsttests: Bringen sie wirklich die Normalität zurück?

Am letzten Wochenende wurden die ersten Corona-Selbsttests bei Discountern angeboten. Doch worauf sollte man beim Kauf achten, wie funktionieren die Selbsttests und können sie tatsächlich etwas Alltag zurückbringen? Ein Überblick.

Am Samstag wurden entsprechend der neuen Corona-Beschlüsse erstmals in Supermärkten Corona-Selbsttests für die breite Masse angeboten – so zumindest der Plan. Bei Aldi waren die wenigen Testkits vielerorts innerhalb von zehn Minuten nach Öffnung ausverkauft, Lidl brach kurzzeitig sogar die Internetseite zusammen, sodass eine Bestellung nur noch telefonisch möglich war. Aktuell sind die Selbsttests bei beiden Discountern weiterhin ausverkauft. Die Drogeriemarkt-Kette DM hatte den für Dienstag geplanten Verkaufsstart indes direkt nach hinten verschoben auf den heutigen Freitag – und ist nun zudem auf einen reinen Online-Verkauf zurückgerudert. Während viele Verbraucher sich bereits auf die Tests stürzen, sind andere noch zögerlich.

Welchen Nutzen haben die Corona-Selbsttests überhaupt?

Die Antigen-Tests können bequem selbst zuhause durchgeführt werden, ohne dass dafür ein Testzentrum aufzusuchen ist. In Zukunft sollen sie in Supermärkten, Drogerien und Apotheken jederzeit für die Bürger verfügbar sein – aktuell verzögern die Lieferketten dies. Mit 24,99 Euro für eine Packung mit fünf Tests bei Aldi, ist der preisliche Rahmen zudem für viele noch gut verkraftbar.

Werden Selbsttests regelmäßig und großflächig eingesetzt, steigt die Wahrscheinlichkeit einer frühen Identifizierung von Personen mit Covid-19 – und das unter Umständen bevor sie erste Symptome zeigen. Experten erhoffen sich so eine Einschränkung des Infektionsgeschehens und gleichzeitig Möglichkeiten zu Öffnungen. Besonders bei privaten Besuchen eines anderen Haushalts kann ein kurz zuvor durchgeführter, negativer Schnelltest Sicherheit geben. Der Besuch von Fitnessstudios, Events oder Restaurants soll nach aktuellem Stand mit einem solchen Selbsttest jedoch nicht ermöglicht werden, da hier nicht überprüft werden kann, wann und an wem der Antigen-Test wirklich durchgeführt wurde.

Worauf sollte beim Kauf der Selbsttests geachtet werden?

Verbraucher sollten darauf achten nur Selbsttests zu kaufen, die auch tatsächlich für die Anwendung durch Laien gedacht sind. Sind auf den Testpackungen jedoch Hinweise vermerkt, wie „Nur für medizinisches Personal geeignet“ oder „Testdurchführung nur durch medizinisches Fachpersonal“ sollte vom Kauf abgesehen werden.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat inzwischen acht Corona-Selbsttests für den Laiengebrauch zugelassen. Bei den Abstrich-Selbsttests muss das Stäbchen beispielsweise nicht so tief in Rachen und Nase eingeführt werden, wie es bei den durch medizinisches Fachpersonal durchgeführten Schnelltests der Fall ist. Die Selbsttests sollten außerdem eine CE-Kennzeichnung tragen. Sie weist darauf hin, dass es sich um ein zugelassenes Medizinprodukt nach europäischen Schutz- und Qualitätsstandards handelt.

Wie benutzt man einen Corona-Selbsttest?

Aktuell sind nur Selbsttests mit Nasenabstrich zugelassen. Lolli-, Spuck- und Gurgeltests stehen aber bereits in den Startlöchern für eine Zulassung. Die Selbsttests mit Nasenabstrich erfolgen alle ähnlich, dennoch sollte die Packungsbeilage gelesen werden um die Herstellerangabe immer genau zu befolgen und so das Testergebnis nicht zu verfälschen.

Eine beispielhafte Selbsttestung läuft wie folgt ab:

  • Zunächst muss das Stäbchen etwa fünfmal (abhängig vom Hersteller) pro Nasenseite an den Schleimhäuten der Nasenöffnung entlang gestrichen und gewendet werden.
  • Dann wird das Stäbchen 30 Sekunden lang (je nach Hersteller) in ein Röhrchen mit Testflüssigkeit getaucht, dieses wird anschließend kurz geschüttelt.
    Die Flüssigkeit wir auf die Testkassette getröpfelt.
  • Jetzt heißt es bei den meisten Tests: 15 Minuten warten. Dafür sollte eine Stoppuhr gestellt werden, weil das Ergebnis möglichst zeitgenau geprüft werden soll.
  • Nach 15 Minuten zeigt ein einzelner Strich bei „C” ein negatives Testergebnis an. Sind zwei Striche vorhanden, ist das Corona-Testergebnis positiv. (Bezeichnungen auf der Kassette können je nach Hersteller unterschiedlich sein.)

Bei positivem Testergebnis sollten Verbraucher sich vorsichtshalber in Quarantäne begeben und bereits ihre letzten Kontakte informieren. Mittels eines PCR-Tests sollte das Ergebnis überprüft und bestätigt werden.

Wie sicher sind die neuen Corona-Selbsttests im Vergleich zu PCR-Tests?

Die Selbsttests sind Antigen-Schnelltests und weisen mittels der Testflüssigkeit das Virus-Protein im Nasensekret innerhalb von 15 Minuten nach. Dafür muss die Viruslast hoch genug sein.

Von geschultem Fachpersonal durchgeführte PCR-Tests werden hingegen innerhalb von etwa fünf Stunden im Labor ausgewertet. Sie weisen RNA, also Erbmaterial des Coronavirus im Mund- oder Nasensekret auf und sind schon bei einer geringeren Menge an Viren zuverlässig.

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass im Schnitt 80 Prozent Corona-Infizierter mit den Selbsttests für Laien erkannt werden können. Jene, die nicht erkannt werden, haben meist eine sehr geringe Viruslast und laufen so weniger Gefahr, zum Superspreader zu werden. Eine Studie von Dr. Claudia Denkinger vom Universitätsklinikum Heidelberg zeigte im letzten Herbst, dass die Selbsttests durchaus effizient von Laien durchgeführt werden können. Die Testpersonen bekamen dafür eine schriftliche Anleitung um sich selbst zu testen. Von insgesamt 40 Corona-Infizierten wurden 33 über den Selbsttest entdeckt. Der durch medizinisches Personal durchgeführte Antigen-Abstrich entdeckte 34 Infizierte.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen weist darauf hin, dass es sich bei den Ergebnissen der Selbsttests stets nur um eine Momentaufnahme handeln kann, die nach 6 bis 24 Stunden bereits hinfällig ist. Wichtig ist – und hierauf weisen Verbraucherschützer, Ärzte und Politiker gleichermaßen hin – dass ein negativer Selbsttest kein Freifahrtschein ist, um die AHA-Regeln außer Acht zu lassen. In Verbindung kann der Selbsttest aber zusätzliche Sicherheit vor einem Besuch bei einem Freund oder Familienmitglied bieten.