Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Coronavirus breitet sich aus – Was müssen Verbraucher jetzt beachten?

Seit Dezember ist das Coronavirus Dauerthema in den Medien. Am Donnerstag erfolgte nun in China der bislang größte Anstieg der Todeszahlen. Welche Schutzmaßnahmen sind sinnvoll, um sich vor der Epidemie zu schützen und was ist an Pandemie-Gerüchten dran?

Die Gesundheitskommission in Peking berichtet am Freitagmorgen, dass die Zahl der Toten in der Volksrepublik inzwischen bei mindestens 213 liegt – ein sprunghafter Anstieg im Vergleich zu den Vorwochen. Auch die Zahl der offiziell Infizierten lässt erkennen, wie rasant sich der Virus ausbreitet. China bestätigt inzwischen schon mehr als 9.692 Infektionen. Damit zählt der Coronavirus nun mehr Infektionen als die Sars-Pandemie 2002 und 2003. Weitere 81.000 Menschen stehen wegen Verdachts auf Ansteckung unter Beobachtung.



Auch in Deutschland gibt es inzwischen fünf bestätigte Erkrankungen und einige Verdachtsfälle. Die Ausbreitung des Virus wird deshalb von vielen Deutschen aufmerksam verfolgt. Doch ist die jährliche Grippe-Saison nicht eigentlich genauso gefährlich für die Bevölkerung?

Coronavirus vs. normaler Grippe – was ist bedrohlicher?

Laut Schätzungen des Robert Koch-Institutes (RKI) infizieren sich bei der saisonalen Grippewelle jährlich zwischen vier bis 16 Millionen Menschen, doch nicht bei jedem bricht die Krankheit aus. Häufig wird die Grippe mit einer normalen Erkältung gleichgesetzt, doch die echte Grippe, die Influenza, kann lebensgefährlich sein. Die besonders starke Grippewelle 2017/2018 zog in Deutschland etwa 25.000 Tote nach sich. Eine so hohe Zahl bildet jedoch die absolute Ausnahme, in anderen Jahren kam es nur zu einigen hundert Grippe-bedingten Todesfällen.

Auch in diesem Winter haben sich bereits 20.702 Menschen mit der Grippe angesteckt. 6.957 davon allein in der letzten Woche, so der Influenza Bericht des RKI. Mit bisher 42 Todesfällen während dieser Saison in Deutschland wirkt die Influenza fast schon gefährlicher als das neue Coronavirus.

Ein Vergleich fällt schwer

Coronavirus und saisonale Grippe können nicht verglichen werden, erklärt Charité-Virologe Christian Drosten in einem Interview mit dem WDR . Das liegt an der Fallsterblichkeit, also dem Verhältnis von Infizierten zu Todesfällen.

“Im Moment sieht es nach den chinesischen Zahlen so aus, dass bei Corona eine Fallsterblichkeit von 2 Prozent herrscht. Das ist eine enorm hohe Zahl”, so der Direktor des Instituts für Virologie. Grippepandemien – also nicht die einfache saisonale Grippe, sondern sich weltweit ausbreitende Grippeerkrankungen – hätten hingegen eine Fallsterblichkeit “von 0,1 Prozent bis hin zur allerschwersten Pandemie im Jahr 1918 von 2,5 Prozent”. Drosten betont im Gespräch: “Das sind die Zahlen, über die wir uns hier Sorgen machen”.

Panikmache ist dennoch fehl am Platz, denn laut Aussagen der Experten ist es fast sicher, dass die Anzahl Infizierter in China weit höher ist, die Fälle jedoch zu mild verlaufen, um registriert zu werden. Deswegen dürfte die tatsächliche Fallsterblichkeit vermutlich geringer ausfallen.

Haben wir schon längst mit einer Pandemie zu tun?

Gerüchte um eine “verheimlichte” Pandemie kursieren bei jeder Epidemie schnell. Besonders häufig wurde im Coronavirus-Zusammenhang das Youtube-Video eines Verschwörungstheoretikers, der auch die australischen Buschbrände anzweifelt, geteilt. Das viel über Whats-App-Nachrichten verbreitete Video hat bereits mehr als eine halbe Million Views.

Eine Pandemie bezeichnet die weltweite Ausbreitung einer ansteckenden Krankheit mit sehr vielen Infizierten, während eine Epidemie nur in einem bestimmten Gebiet extrem verbreitet ist. Doch sowohl die Weltgesundheitsorganisation also auch das RKI sprechen aufgrund der hauptsächlichen Verbreitung des Coronavirus in China weiterhin von einer Epidemie.

Helfen Vorsichtsmaßnahmen wie ein Mundschutz?

Trotz aller Warnung vor Panikmache haben Sicherheitsfragen und Sorgen natürlich ihre Berechtigung. Sie dienen der Vorbereitung auf den Ernstfall.

Seit Bestätigung der ersten Infektionen in Deutschland haben auch hier, ähnlich wie zuvor in Australien oder den USA, die Verkaufszahlen für Atemschutzmasken extrem angezogen. Manche Apotheken in der Republik haben bereits mit Lieferengpässen zu kämpfen.

Doch Experten warnen, dass ein Mundschutz teilweise mehr Schaden anrichtet als hilft. Grund dafür sei, dass Nutzer sich in falscher Sicherheit wiegen und dabei andere Schutzmaßnahmen wie etwa das Händewaschen vernachlässigen. Auch der Einsatz eines unpassenden Mundschutzes oder der falsche Umgang damit lassen die Schutzwirkung verpuffen.

Entscheidend für die Wirksamkeit eines Atemschutzes ist die Saugfähigkeit des Innenrandes der Maske. Sie sollte eng am Gesicht anliegen und Mund und Nase vollständig abdecken. Dünnen Papiermasken wird daher nur wenig Nutzen zugeschrieben, sie helfen allenfalls Infizierten dabei, keine Mitmenschen anzustecken. Sogenannte FFP-Masken bieten bei korrekter Anwendung jedoch einen guten Schutz. Diese Feinstaubmasken sind im normalen Alltag doch sehr umständlich zu tragen, da sie geringen Komfort beim Atmen bieten.

Infektionsschutz bei Erkältungen auch jetzt beachten

Allerdings sprechen Ärzte und öffentliche Stellen momentan auch noch keinerlei Empfehlung zum Tragen eines Atemschutzes aus. Auch eine Ansteckung durch das Berühren kontaminierter Gegenstände ist unwahrscheinlich, da das Virus nach aktueller Annahme durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Im Gegensatz zur Schmierinfektion, die eine Kontaktinfektion darstellt und durch eine Kette von Berührungen übertragen wird, gelangen bei Tröpfcheninfektionen durch Husten, Niesen oder Sprechen Speicheltröpfchen in die Luft. Die Krankheitserreger werden dann von anderen Menschen eingeatmet und gelangen über die Schleimhäute in den Organismus. Besonders große Tröpfchen können allerdings ebenfalls auf Gegenständen haften bleiben, deswegen dürfen die gängigen Vorsichtsmaßnahmen der Erkältungssaison nicht vernachlässigt werden.

Neben regelmäßiger Desinfizierung der Hände sollten auch Augen, Nase und Mund so wenig wie möglich berührt werden. Gründliches Händewaschen für mindestens 20 Sekunden, das Schließen des Wasserhahns mit dem Ellenbogen statt mit der Hand und das sorgfältige Trocknen der Fingerzwischenräume und Hände sind ein Muss.