Kranke Person mit Medikamenten
Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Covid-19 mit mildem Verlauf: Welche 7 Symptomgruppen gibt es?

Eine neue Studie der Med-Uni Wien hat typische Symptome einer milden Infektion mit dem Coronavirus untersucht. Welche sieben Verlaufsformen besonders häufig auftreten und welche Schlüsse die Wissenschaftler ziehen, fasst finanzen.de zusammen.

Der Verlauf einer Erkrankung mit SARS-CoV-2 kann unterschiedlichste Symptome aufweisen, so viel ist bisher bekannt. Ein Forscherteam der Med-Uni Wien hat nun eine Studie im Fachmagazin European Journal of Allergy and Immunology veröffentlicht, die zur Annahme führt, dass dennoch eine gewisse Ordnung hinter den Symptomen steckt.



Corona-Infektion: Welche Symptome treten meist gemeinsam auf?

Die Wissenschaftler rund um Immunologe Winfried F. Pickl und Allergologe Rudolf Valenta haben sieben verschiedene Symptomgruppen nachgewiesen, die bei milden Covid-19-Verläufen meist gemeinsam auftreten. „Wir konnten ganz klar systemische von organspezifischen Verlaufsformen der primären Covid-19 Erkrankung abgrenzen“, erklärt Seniorautor Pickl die Auswertung der Symptomberichte aus der Studie.

Folgende Symptom-Kombinationen treten beim Coronavirus auf:

Symptomkomplex Symptome
Gruppe 1 Grippale Symptome mit Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit und Husten
Gruppe 2 Schnupfen-Symptome mit Schnupfen, Niesen, trockenem Hals und Verstopfung der Nase
Gruppe 3 Gelenks- und Muskelschmerzen
Gruppe 4 Ausgeprägte Augen- und Schleimhautentzündungen
Gruppe 5 Lungenprobleme mit Lungenentzündung und Kurzatmigkeit
Gruppe 6 Magen-Darm-Infektionssymptome mit Durchfall, Übelkeit und Kopfschmerzen
Gruppe 7 Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns

Durch die Identifikation dieser typischen Kombination von Symptomen könnten in Zukunft Infektionen mit dem Coronavirus schneller erkannt und gezielter behandelt werden.

Auffallend war laut Studienautoren, dass in der Symptomgruppe sieben, also Patienten mit Verlust des Geschmacks- und/ oder Geruchssinns, „vermehrt Personen mit einem jungen Immunsystem betroffen sind”.

Wie wurde die Studie durchgeführt und welche weiteren Schlüsse gibt es?

Für die Studie wurden 109 Personen mit milden Covid-19-Krankheitsverläufen nach ihren Krankheitssymptomen befragt und Blutproben verglichen. In der Kontrollgruppe befanden sich 98 gesunde Personen. Bei jeder der ermittelten Symptom-Kombinationsgruppen konnten ähnliche immunologische Langzeitveränderungen festgestellt werden. Die Forscher beschrieben einen Art „immunologischen Fingerabdruck” in den Blutproben der genesenden Patienten.

Die Anzahl weißer Blutkörperchen des Types neutrophiler Granulozyten, die normalerweise Bakterien zerstören, blieb auch zehn Wochen nach der ersten Infektion vermindert. Antikörper-produzierende Immunzellen befanden sich nach dieser Zeit hingegen immer noch erhöht im Blut. Ihre Zahl war umso höher, je höher das Fieber war, das der Patient durchgestanden hatte.

„Das zeigt, dass sich das Immunsystem auch viele Wochen nach der ersten Infektion immer noch mit der Krankheit intensiv auseinandersetzt. Gleichzeitig sind die regulatorischen Zellen stark vermindert – das ist ein gefährlicher Mix, der auch zu einer Autoimmunität führen könnte“, gibt Immunologe Pickl zu bedenken.

Die weitere Untersuchung der immunologischen Veränderungen nach überstandener Covid-19-Erkrankung könnte auch Erklärungen für Spätfolgen liefern. Viele Covid-Genesene leiden noch Wochen und Monate später unter neurologischen Problemen wie Gedächtnisschwierigkeiten, Herz- oder Atemproblemen oder ständiger Erschöpfung.