Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Die vierte Coronawelle: Sind Booster-Impfungen der Game-Changer?

Rekordzahlen bei den Corona-Neuerkrankungen und Diskussionen um 2G: Neue Boosterimpfungen könnten dabei helfen, die vierte Coronawelle zu durchbrechen. Was sie bringen und wer sich womit impfen lassen darf, erklärt finanzen.de.

Die aktuelle Lage – wie steht es um die Nation in der vierten Coronawelle?

Die Coronazahlen steigen in Deutschland unaufhaltsam. In Bayern hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am 11. November sogar erneut den landesweiten Katastrophenfall ausgerufen. Dies ermöglicht eine bessere Koordinierung aller am Katastrophenschutz Beteiligten. Die letzte Feststellung des Katastrophenfalls hielt vom 9. Dezember 2020 bis zum 4. Juni 2021 an.

Da die Kapazitäten in den bayerischen Intensivstationen teils bereits überlastet sind, fürchtet Söder das Schlimmste. „Es droht ein schlimmer Corona-Winter. Das, was in einigen Bundesländern stattfindet, ist nur der Vorläufer für das ganze Land”, prophezeit er. Corona sei mit aller Macht zurück, so der Ministerpräsident. Er appelliert an die sich neu bildende Bundesregierung „ihr bisheriges Corona-Paket massiv nachzuschärfen”. So fordert Söder neben bundesweiter 2G-Regelungen auch eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen und die 2G-plus-Regelung (nur Geimpfte und Genesene, die auch getestet sind) für Diskotheken.

Auch in Berlin treten ab dem 15. November Einschränkungen in Kraft. So dürfen Restaurants, Theater, Kinos, Museen, Thermen oder auch Freizeiteinrichtungen wie Zoos nur noch Geimpften und Genesenen den Zutritt gewähren. Auch in Hamburg denkt man aktuell über eine Ausweitung der 2G-Regeln nach. Bundesweit sind die Regelungen – wie in der Pandemie gewohnt – uneinheitlich. Sachsen hatte als erstes Flächenland umfassende 2G-Regelungen eingeführt.

Anstatt weiterer Einschränkungen könnten jedoch auch Booster-Impfungen ein Game-Changer in der neuesten Coronawelle sein.

Booster-Impfungen: Wie machtvoll sind sie im Kampf gegen das Infektionsgeschehen?

Dass die Wirkung der Impfung nach einiger Zeit nachlässt, ist bereits seit dem Sommer aus Israel bekannt. Hier liegt die Impfquote bekanntlich besonders hoch, dennoch segelte das knapp über neun Millionen Einwohner starke Land im Juli in die vierte Coronawelle – und durchbrach sie erfolgreich mit Booster-Impfungen. Unbürokratisch und schnell wie schon zuvor baute Israel seine zahlreichen Impfzentren, die häufig auch ohne Termin besuchbar sind, wieder auf und rief zunächst die ältere Bevölkerung zum Boostern auf. Kurze Zeit später durften alle Bürger ab zwölf Jahren sich die dritte Injektion holen, wenn ihre erste Impfung bereits wenigstens fünf Monate zurückliegt.

Aktuell sind etwa vier Millionen Einwohner dreifach geimpft. In jeder Altersgruppe ist die Zahl der besonders schwer Erkrankten durch die Impfauffrischung deutlich gesunken, wie verschiedene Studien zeigen.

Frankreich lebt vor, dass Menschen ohne Boosterimpfung in der Zukunft Einschränkungen erfahren werden. Präsident Emmanuel Macron fährt derzeit eine Booster-Kampagne für alle ab 65 Jahren und weitet diese im Dezember auf alle ab 50 Jahren aus. Aktuell ist die Corona-Lage in Frankreich zwar noch deutlich besser als in Deutschland. Dennoch übt Macron vorsichtshalber Druck aus: Ab Mitte Dezember gelten alle Ü65er nur noch als vollständig geimpft, wenn sie die Booster-Impfung haben.

Wer darf sich in Deutschland die Booster-Impfung holen?

In gewohnter Pandemie-Manier findet die Frage, wer boostern darf, in Deutschland je nachdem, wen man fragt, eine andere Antwort. Die Gesundheitsminister der Länder wünschen sich Boosterimpfungen für die gesamte Bevölkerung, die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt sie bisher nur für besonders Gefährdete und ab 70 Jahren, zieht aber eine erneute Abwägung „zeitnah” in Betracht.

Aktuell gilt laut Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern dennoch, dass jeder ab 12 Jahren Anspruch auf eine Boosterimpfung hat. Eingehalten werden muss nur die Stiko-Empfehlung zu den Abständen zwischen zwei Impfungen. Den Booster sollen deshalb alle bekommen, die ihre zweite Impfung vor sechs Monaten oder länger erhalten haben. Ältere Patienten werden dennoch bevorzugt.

„Sich vorzeitig impfen zu lassen, ist nicht sinnvoll“, erklärt der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, im Deutschlandfunk. Eine verfrühte Boosterimpfung könnte aufgrund der Belastung des Immunsystems zu Nebenwirkungen führen.

Fraglich bleibt, ob die Hausärzte alleine die Masse der Booster-Impfungen bewältigen können. Eine Wiedereröffnung der Impfzentren, wie sie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angeregt hatte, gestalte sich laut der Kommunen als schwierig, da die Hallen inzwischen zumeist anderweitig genutzt würden.

Welcher Impfstoff wird als Booster verwendet und inwiefern verlängert sich der Impfstatus?

In Deutschland werden für die Impfauffrischung die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna eingesetzt. Das ist auch der Fall, wenn die Erst- und Zweitimpfung mit Vektorimpfstoffen wie von Johnson & Johnson oder Astrazeneca erfolgt ist. Solche Kreuzimpfungen sollen besonders sicher sein. Ob der mRNA-Impfstoff der gleiche wie bei der Zweitimpfung sein sollte, ist dabei noch strittig.

Während der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu einem Wechsel rät, empfiehlt das Bundesgesundheitsministerium aktuell den Einsatz des gleichen Impfstoffes. Lauterbach stützt sich dabei auf eine Studie, die eine besonders gute Wirkung beim Wechsel von Biontech zu Moderna und umgekehrt zeigt. Auch der Moderna-Booster auf eine Johnson & Johnson Impfung zeigte einen besonders guten Schutz.

Der offizielle Impfstatus verlängert sich nach der Booster-Impfung aktuell noch nicht. Er ist technisch an das Datum der Ausstellung des Impfzertifikates gekoppelt und läuft zwölf Monate nach dieser ab. Eine Anpassung dieses Zertifikates in der Zukunft ist aber wahrscheinlich. Immerhin wird das Datum der dritten Impfung im digitalen sowie physischem Impfpass angezeigt.