Annabell Meyer
Annabell Meyer

Redakteurin

Ein deutschlandweiter Mietendeckel wäre ein großer Rückschritt

Mietpreisbremse, Enteignungen und Mietendeckel – um der Wohnungsnot entgegenzuwirken, kommen immer neue Ideen auf. Doch ob diese Maßnahmen wirklich für mehr Wohnraum sorgen, ist fraglich, erklärt Patrick Herzog-Smethurst von der DKW-Gruppe. Stattdessen fordert er mehr Zusammenarbeit von Politik und Immobilienbestandshaltern.

Die Lage auf dem Wohnungsmarkt spitzt sich immer weiter zu. Denn bezahlbarer Wohnraum ist vor allem in Großstädten kaum noch zu finden. Die Gründe dafür sind vielfältig, betont Patrick Herzog-Smethurst. Er ist Geschäftsführer bei der DKW Gruppe, welche als bundesweit tätiges Immobilienunternehmen vor allem als Projektentwickler am Markt fungiert.



Im Interview mit finanzen.de erklärt Herzog-Smethurst, was er von Maßnahmen wie der Enteignung großer Wohnungskonzerne oder dem kürzlich beschlossenen Mietendeckel in Berlin hält. Zudem wirft er einen Blick auf die künftige Entwicklung des Wohnungsmarktes in Deutschland.

Bundesweit gibt es immer weniger bezahlbaren Wohnraum. Dennoch ist die Zahl der Baugenehmigungen für neue Wohnungen laut dem Statistischen Bundesamt im ersten Quartal 2019 zurückgegangen. Was sind die Hauptgründe für diese Entwicklung?

Patrick Herzog-Smethurst: Einer der Gründe für den Rückgang ist der deutlich länger gewordene Zeitraum für Baugenehmigungen. Mittlerweile sind daran nicht nur Stadtplanungs- und Bauordnungsämter beteiligt, sondern oftmals auch Wohnungsämter. Auch das Thema Zweckentfremdung von Immobilien spielt eine Rolle. Diese politischen Vehikel führen dazu, dass wir bei den Baugenehmigungen aktuell stagnieren.

Zusätzlich gibt es natürlich teilweise strikte Auflagen etwa im Bereich Wärmedämmung oder Energieeffizienz, die für Projektentwickler aufgrund der gestiegenen Baukosten einige Projekte unwirtschaftlich machen. Hinzu kommt, dass die Zahl an Bauanträgen durch den Bauboom massiv zugenommen hat, in vielen Bauämtern jedoch Personalmangel herrscht, sodass die Anträge nicht zügig bearbeitet werden können.

Welche sind die wichtigsten Stellschrauben in der Bau- bzw. Wohnungspolitik, um den Wohnungsbau vor allem in Städten anzukurbeln?

Patrick Herzog-Smethurst: Eine wichtige Stellschraube wären vereinfachte Genehmigungsverfahren, die mit einer Maximaldauer versehen werden. Auch Bebauungsplanverfahren, bei denen die Politik hinzugezogen wird, sind eine sinnvolle Lösung. So sollte man gemeinsam schauen, welches weitere Potenzial große Bestandshalter in ihren Beständen haben und wie dies genutzt werden kann.

Anschließend kann sich auf ein Verfahren geeinigt werden, das dann auch verkürzt umgesetzt wird. Im Gegenzug kann man einer eventuellen Grundstücksspekulation entgegenwirken, indem sich Projektentwickler beispielsweise innerhalb eines Jahres zum Baubeginn verpflichten.

Im Frühjahr dieses Jahres gab es zahlreiche Demonstrationen, bei denen eine Enteignung großer Wohnungsbaukonzerne gefordert wurde, um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Wie begegnen Sie derartigen Aktionen?

Patrick Herzog-Smethurst: Grundsätzlich kann ich natürlich die Hintergründe verstehen, warum so viele Menschen unzufrieden mit der Situation am Wohnungsmarkt sind. In meinen Augen besteht diese Unzufriedenheit auf allen Seiten. Dennoch schafft die Enteignung von großen Wohnungsunternehmen oder privaten Eigentümern nicht eine Wohnung mehr.

Die Bestände wurden ursprünglich vom Land und von kommunaler Seite verkauft, weil man sie nicht verwalten konnte. Natürlich wollen und müssen privatwirtschaftliche Unternehmen anschließend damit Geld verdienen dürfen. Nun die Bestände wieder zurückzukaufen, damit die Mieten nicht erhöht werden, ist keine Lösung, da auch die Länder und Kommunen die Mieten erhöhen.

Hinzu kommt auch immer die Frage, wer enteignet wird. Viele Unternehmen haben beispielsweise auch kleinere Privatanleger, die dadurch ihre Dividende oder gar ihre Altersvorsorge verlieren, in die sie in Form von Wohneigentum investiert haben. Für mich ist das der völlig falsche Ansatz.

Der Berliner Senat hat kürzlich einen Mietendeckel für die Hauptstadt beschlossen. Wird dies als Vorreiter für die gesamte Bundesrepublik dienen?

Patrick Herzog-Smethurst: Dies ist grundsätzlich nicht auszuschließen. Die Frage ist jedoch, ob damit irgendjemandem geholfen wird. Die Immobilie war vor allem für die Mittelschicht schon immer eine lohnenswerte Investition, sogenanntes Betongold. Wenn dieses Investment abgeschafft wird, werden die Menschen in andere Investments gedrängt, die weitaus komplexer, risikobehafteter und dann womöglich unwirtschaftlich sind.

Für mich entsteht das Gefühl, dass mit Maßnahmen wie dem Mietendeckel kleine Feuer gelöscht werden sollen, dadurch jedoch ein Flächenbrand entsteht. Ein deutschlandweiter Mietendeckel wäre für mich ein großer Rückschritt und auch ein Zeichen für ein Versagen auf vielen Ebenen – sei es die Politik oder die private Immobilienwirtschaft.

Wie sehen Sie die Zukunft des Wohnungsmarktes?

Patrick Herzog-Smethurst: In Anbetracht der Entscheidung für den Mietendeckel in Berlin mache ich mir ehrlich gesagt Sorgen um den Wohnungsmarkt, dass wir hier in die falsche Richtung steuern. Natürlich sind in den letzten Jahren von allen Beteiligten einige Fehler gemacht worden.

Doch durch die Deckelung von Mieten sorgen wir dafür, dass sich Investoren und Bauunternehmen zurückziehen und eher ins Ausland orientieren. Dadurch droht dem Wohnungsmarkt in Deutschland und all seinen Beteiligten eine Stagnation, die uns sehr wehtun dürfte.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Herzog-Smethurst.