Elternunterhalt: So viel Schonvermögen und Einkommen sind sicher

Aktuell erklärt Finanztest, wie sich das Schonvermögen beim Elternunterhalt zusammensetzt und welche Freibeträge es neben dem Selbstbehalt noch gibt. Denn wenn pflegebedürftige Eltern für ihre Pflegekosten nicht mehr selbst aufkommen können, werden ihre Kinder über den sogenannten Elternunterhalt belangt. Viele Posten bleiben dabei allerdings unangetastet.

Veröffentlicht im November 2016
Kinder sind gegenüber ihren Eltern verpflichtet Unterhalt zu zahlen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Eltern keine Ersparnisse haben oder ihre Rente nicht ausreicht, um ein Pflegeheim zu bezahlen. Einen Teil dieser Pflegekosten übernimmt zwar die gesetzliche Pflegeversicherung. Doch deren Leistung ist zu gering, um die kompletten Kosten zu decken. Können Pflegebedürftige den verbleibenden Eigenanteil nicht zahlen, springt zunächst das Sozialamt ein. Anschließend wendet sich das Amt jedoch an die unterhaltspflichtigen Kinder.

Damit sie jedoch nicht selbst große Einschränkungen in ihrem Lebensstandard durch die anfallenden Kosten in Kauf nehmen müssen, wird ein sogenanntes Schonvermögen errechnet, das vom Sozialamt nicht angetastet werden darf. Neben diesem gesicherten Vermögen sind auch „Notgroschen“ und ein Eigenheim in der Regel geschützt. Zum 1. Januar 2015 gab es eine Erhöhung des Selbstbehalts von 1.600 auf 1.800 Euro – das ist der Betrag des monatlichen Einkommens, der Kindern für ihr eigenes Leben zugebilligt wird.

Eigene Kinder vor späterer finanzieller Belastung schützen

Aufgrund geringer Renten sind viele Pflegebedürftige auf das Geld ihrer Kinder angewiesen. Beim sinkenden Rentenniveau wächst die Gefahr, dass auch Sie später Ihren eigenen Kindern finanziell zur Last fallen. Sorgen Sie mit einer privaten Pflegeversicherung vor, um sich und Ihren Nachwuchs abzusichern.

Elternunterhalt: So wird das Schonvermögen berechnet

Müssen Eltern in ein Pflegeheim oder benötigen sie andere Pflegeleistungen, die sie selbst nicht zahlen können, werden die Kinder zur Kasse gebeten. Elternunterhalt kann allerdings nur bis zu einer bestimmten Höhe verlangt werden. Den Kindern wird sowohl ein Schonvermögen als auch ein Selbstbehalt für die eigenen laufenden Kosten zugesprochen, die sicher vor den Forderungen des Sozialamts sind.

Das geschützte Schonvermögen für die Altersvorsorge entspricht fünf Prozent des aktuellen Jahresbruttoeinkommens für alle Jahre, in denen seit Berufsbeginn gearbeitet wurde. Darüber hinaus wird pauschal für diese Summe eine Verzinsung von vier Prozent berechnet. Außerdem dürfen kleinere Sparbeträge von etwa 10.000 Euro nicht angetastet werden. Ein solcher „Notgroschen“ für außerordentliche Belastungen wird den Kindern meist zugestanden, etwa für mögliche aufwendige Reparaturmaßnahmen.

Elternunterhalt: Schonvermögen und Selbstbehalt bei Berechnung außen vor

Der Elternunterhalt berechnet sich nicht nur aus dem Vermögen der Kinder, sondern auch aus dem laufenden monatlichen Einkommen. Das Einkommen des unterhaltspflichtigen Kindes kann jedoch nur begrenzt belastet werden. Der geschützte Selbstbehalt beträgt mindestens monatlich 1.800 Euro.

Allerdings fließt nicht alles, was der Unterhaltspflichtige darüber hinaus verdient, in den Elternunterhalt, sondern nur 50 Prozent der Differenz zwischen Selbstbehalt und dem sogenannten bereinigten Nettoeinkommen. „Bereinigt“ bedeutet in diesen Fall, dass zuvor alle Ausgaben vom Einkommen abgezogen wurden, etwa

  • Unterhaltszahlungen an die eigenen Kinder,
  • Raten für einen Kredit oder
  • Ausgaben für die private Altersvorsorge.

Auf diese Weise soll der Lebensstandard des Kindes nicht nachhaltig negativ durch den Elternunterhalt beeinflusst werden.

Achtung Ehepartner: Viele Kinder müssen aufgrund dieser Zugeständnisse gar nichts für die Versorgung ihrer Eltern zahlen. Zu einer großen finanziellen Belastung kann es allerdings kommen, wenn Kinder verheiratet sind und beide Partner verdienen. Als Beispiel nennt Finanztest (Ausgabe 05/2015) folgende Situation: Bei einem Nettoeinkommen von 3.000 Euro muss ein Unverheirateter unter Umständen überhaupt nichts zahlen. Verdient der Ehepartner ebenfalls 3.000 Euro, so kann die Unterhaltsverpflichtung schnell 759 Euro monatlich betragen.

Eltern können ihre Kinder vor hohen Kosten schützen

Auch wenn der Elternunterhalt gesetzlich vorgeschrieben ist, sehen manche Menschen diese Verpflichtung kritisch, vor allem dann, wenn die Beziehung zwischen Eltern und Kindern nicht intakt ist. Wer seine Kinder davor schützen möchte, gegebenenfalls mit hohen Kosten für die Pflege konfrontiert zu werden, sollte frühzeitig eine private Pflegeversicherung abschließen. Eine private Absicherung fängt einen Großteil der zusätzlichen Pflegekosten ab, die sonst von den eigenen Kindern getragen werden müssen. Kinder können auch für ihre Eltern eine solche Versicherung abschließen.