Vater tobt mit Tochter
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Entlastung für Familien: Kommt 2023 die nächste Kindergelderhöhung?

Seit März liegt die Inflation in Deutschland bei über sieben Prozent. Diese anhaltende Preissteigerung stellt für viele Bürger eine immense Belastung dar. Um Verbrauchern etwas Luft zu verschaffen, plant Finanzminister Christian Lindner (FDP) ein weiteres Entlastungspaket, das unter anderem die Erhöhung des Kindergelds ab 2023 vorsieht.

  • Im Rahmen eines weiteren Entlastungspakets deutet sich die nächste Kindergelderhöhung für 2023 an.
  • Die Anpassungen reichen jedoch nicht aus, um die Inflation auszugleichen.
  • Das Paket sieht zudem steuerliche Entlastungen über den Grundfreibetrag vor.

Aktualisiert am 7. September 2022

Das Kindergeld wurde nach kaum spürbaren Anpassungen 2015 in den letzten drei Jahren um insgesamt 25 Euro pro Kind erhöht. Seit Januar vergangenen Jahres bekommen Eltern für ihre ersten beiden Kinder 219 Euro pro Monat. Doch angesichts der hohen Inflation reicht dieses Geld immer weniger aus. Entsprechend hat Familienministerin Lisa Paus (Grüne) Mitte Juli gegenüber t-online eine Erhöhung des Kindergelds ins Gespräch gebracht, um ärmere „Familien zielgenau zu unterstützen.“

Wie der Spiegel nun berichtet, könnte solch eine Kindergelderhöhung 2023 erfolgen. Demnach schnürt Finanzminister Lindner ein 14 Milliarden Euro teures Entlastungspaket, das neben dem höheren Kindergeld auch Anpassungen beim Grundfreibetrag enthält. Der FDP-Politiker wolle so die Inflationsgewinne des Fiskus an die Verbraucher zurückgeben.

Update: Die Regierung hat im Zuge des dritten Entlastungspakets eine temporäre Kindergelderhöhung für 2023 und 2024 beschlossen. Demnach soll das Kindergeld für die ersten beiden Kinder von 219 Euro auf 237 Euro pro Monat steigen. Für das dritte Kind war bisher keine Anpassungen geplant. Familienministerin Lisa Paus (Grüne) sagte nach Kritik an den Plänen jedoch zu, dass auch der Satz für das dritte Kind auf 237 Euro erhöht werden soll.

Kindergelderhöhung 2023: Fast einheitlicher Satz von 227 Euro

Eltern, die angesichts der Inflation von über sieben Prozent auf eine deutliche Anpassung hoffen, werden wohl enttäuscht. Nach den Plänen von Lindner soll das Kindergeld 2023 für die ersten beiden Kinder um acht Euro auf 227 Euro steigen. Das entspricht einer Erhöhung von rund 3,7 Prozent. Für das dritte Kind soll der Satz ebenfalls auf 227 Euro angepasst werden. Das sind zwei Euro mehr als bisher. Für das vierte Kind ändert sich nichts.

2024 ist eine weitere Anpassung des Kindergelds um sechs Euro für die ersten drei Kinder auf 233 Euro geplant.

Eine Erhöhung von 18 Euro pro Monat, wie es das dritte Entlastungspaket vorsieht, entspricht einer Anpassung um acht Prozent.

Wie ist Ihr Kind versichert?

Als Elternteil möchte man nur das Beste für den Nachwuchs – doch manche Dinge wie eine Erkrankung liegen außerhalb ihrer Kontrolle. Dann ist es gut, wenn die Tochter oder der Sohn ideal abgesichert sind, etwa mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung für Kinder.

Erhöhung des Grundfreibetrags

Eine weitere Entlastung will Lindner durch einen höheren Grundfreibetrag erreichen. Das steuerfreie Existenzminimum wurde zuletzt rückwirkend zu Beginn des Jahres auf 10.348 Euro anpasst. 2023 soll der Satz auf 10.633 Euro und 2024 auf 10.933 Euro steigen.

Darüber hinaus ist geplant, dass der Spitzensteuersatz erst ab einem Einkommen von 61.972 Euro im Jahr greift statt bisher bei 58.597 Euro.

Ebenfalls Teil des Pakets könnte der Abbau der sogenannten kalten Progression sein. Diese führt dazu, dass Erwerbstätige nach einer Lohnerhöhung zum Ausgleich der Inflation in einen höheren Steuertarif rutschen könnten. Sie haben dadurch netto weniger Geld zur Verfügung als vor der Gehaltsanpassung.

Pauschale oder steuerliche Anpassungen?

Ob die Pläne des Finanzministers am Ende von der Ampel-Regierung beschlossen werden, ist fraglich. Zwar sind auch Grüne und SPD für weitere Entlastungen für die Bürger. Doch wie diese genau aussehen sollen, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen.

Neben steuerlichen Anpassungen ist beispielsweise auch eine weitere Energiepauschale möglich. Diese würde nach Berechnungen der Arbeitnehmerkammer Bremen Haushalten mit geringem Einkommen deutlich mehr helfen als Steuerentlastungen. Eine Familie mit zwei Kindern und einem Einkommen von 60.000 Euro brutto im Jahr würde steuerlich rund 400 Euro sparen, wenn die kalte Progression abgebaut wird. Eine Energiepreispauschale von 400 Euro würde dagegen zu einer Ersparnis von 580 Euro führen. Bei 600 Euro wären es sogar mehr als 870 Euro.