Zwei Leute auf einer Bank bei Strand und Meer
Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Europa-Rente: Liefert Brüssel die Rentenreform der Zukunft?

Letzte Woche hat die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa einen konkreten Entwurf zur Ausgestaltung eines einheitlichen EU-weiten Rentenprodukts vorgelegt. Wann die EU-Rente kommt und ob sie sich als Altersvorsorge für deutsche Verbraucher lohnt, fasst finanzen.de zusammen.

  • Die Eiopa hat der EU-Kommission eine detaillierte Ausarbeitung der geplanten Europa-Rente vorgelegt.
  • Sie verspricht mehr Mobilität bei der privaten Altersvorsorge und soll möglichst verständlich, transparent sowie europaweit erhältlich sein.
  • Vor Mitte 2021 brauchen Verbraucher mit dem neuen Vorsorgeprodukt jedoch nicht rechnen.

Die Europa-Rente hat die nächste Hürde genommen. Schon seit einigen Jahren ist die europaweit einheitliche, private Altersvorsorge in der Mache. Im August 2019 wurde sie bereits durch das Europaparlament und EU-Kommission beschlossen. Seitdem war es Aufgabe der europäische Versicherungsaufsicht Eiopa, die Einzelheiten auszuarbeiten. Besonders ging es dabei um die Informationspflichten gegenüber den Bürgern und eine einheitliche Regulierung der Produktkosten. Jetzt liegt das Empfehlungspapier der EU-Kommission vor.



Ersetzt die Europa-Rente nationale Altersvorsorgeprodukte?

Das PEPP, kurz für Pan-European Personal Pension Product, getaufte Privatvorsorgeprodukt dient als ergänzende Altersvorsorge und soll Riester-Rente, Rürup-Rente und Co. nicht ersetzen. Der Hauptvorteil liegt stattdessen in der Mobilität. Mit den traditionellen Altersvorsorgeprodukten war es bisher kaum möglich, ins europäische Ausland umzuziehen und wie gehabt für die Rente weiter zu sparen. Mit PEPP soll dies in Zukunft gehen. Damit werden letztlich Grundwerte der EU wie die Freizügigkeit der Bürger, die es jedem ermöglicht, seinen Wohnsitz innerhalb der EU frei zu wählen, auch realistisch und unkomplizierter umsetzbar.

Lohnt der Einstieg auch für deutsche Verbraucher?

Zwar ist Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Staaten bereits mit vielfältigen Produkten zur privaten Altersvorsorge aufgestellt. Viele richten sich dabei aber nur an Arbeitnehmer oder sind zudem an einen Betrieb gebunden. Mit der Europa-Rente können aber auch Studenten, Selbstständige und Arbeitslose privat fürs Alter vorsorgen. Damit werden besonders Bürger mit einem Arbeitsmodell abseits der traditionellen Nine-to-Five-Festanstellung angesprochen. Aufgrund der Standardisierung soll PEPP besonders transparent, leicht verständlich und kostengünstig sein.

Welche Vorschläge hat Eiopa der EU-Kommission vorgelegt?

Gewährleistet wird die Transparenz durch eine umfangreiche und einheitliche Informationspflicht für Kunden durch die Anbieter der PEPP. Dafür hat die Eiopa nun Entwürfe für zwei Kundeninformationsdokumente vorgelegt. Diese müssen dem Kunden vor Vertragsabschluss vorgelegt werden, um ihm alle notwendigen Informationen zur Entscheidungsfindung zu geben. Erklärt werden darin beispielsweise verschiedene Risikoprofile unterschiedlicher PEPP-Varianten.

Nicht nur Versicherungsvermittler, Versicherungsgesellschaften, Vermögensverwalter, Wertpapierfirmen und Banken dürfen die Europa-Rente künftig anbieten. Auch online können die PEPPs abgeschlossen werden. „Es ist entscheidend, dass Verbraucher einfach auf die Informationen zugreifen können, diese verstehen und online Zugang zu ihnen haben”, erklärt die europäische Versicherungsaufsicht in seiner PEPP-Pressemitteilung. Durch den digitalen Vertrieb erhofft sich die Eiopa zudem eine bessere Kosteneffizienz.

Geringe Kosten sind auch im Basis-PEPP das Stichwort. Höchstens ein Prozent des pro Jahr angesparten Kapitals sollen die zu entrichtenden Gebühren für diese Standard-Anlageoption der Europa-Rente betragen.

Was sind die nächsten Schritte und ab wann wird die Europa-Rente angeboten?

Zwar ist die PEPP-Verordnung schon in 2019 in Kraft getreten. Anwendbar wird diese aber frühestens zwölf Monate nachdem die jetzt von der Eiopa vorgelegten Detailregelungen als Rechtsakte im Amtsblatt der EU veröffentlicht worden. Es kann also nicht vor Mitte 2021 mit den ersten PEPP-Angeboten gerechnet werden. Verantwortung kommt spätestens dann auch auf die nationalen Aufsichtsbehörden zu, die den korrekten Vertrieb der PEPPs beaufsichtigen müssen.