Reisepass und Impfpass
Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Europäischer Impfpass: Kommt jetzt die Impfpflicht über die Hintertür?

Israel hat ihn schon, jetzt fordern auch einige EU-Länder den „grünen Pass”, mit dem einige Sonderrechte für Corona-Geimpfte einhergehen. Welche Vor- und Nachteile ein solcher Impfpass hat und welche EU-Staaten für Impf-Privilegien sind, klärt finanzen.de!

Israelis haben seit Sonntag wieder ein Stückchen Normalität zurück. Der „grüne Pass”- ein Nachweis für Geimpfte und alle, die Covid-19 überstanden haben – erlaubt den Besuch von Theatern, Fitnessstudios, Sportereignissen oder die Übernachtung in Hotels.

Die EU-Mitgliedsstaaten sind in der Frage der Sonderrechte für Geimpfte jedoch gespalten. Dänemark und Schweden arbeiten aktuell bereits an ihrer eigenen nationalen Lösung für einen digitalen Impfpass. Bis zum Frühsommer wollen die beiden Länder diesen fertig gestellt haben.

Dabei wurde auch auf EU-Ebene solch ein einheitlicher digitaler EU-Impfpass bereits im Januar beschlossen – ob dieser, wie beim EU-Gipfel gestern angepeilt, in drei Monaten fertig entwickelt sein wird, ist fraglich. Bundeskanzlerin Merkel (CDU) zeigte sich in ihrer Ansprache am Donnerstagabend vorsichtig zuversichtlich: „Die Erwartung ist schon, dass das bis zum Sommer fertig ist.”

In der Anwendung des Impfpasses besteht weiterhin Uneinigkeit, geplant ist bisher ein rein medizinischer Einsatz des Impfpasses. Die Nutzung im Alltag, beispielsweise für Reiseprivilegien, steht damit erstmal außer Frage.

Privilegien für Corona-Geimpfte? Eine Frage, die die EU spaltet

Dem Beispiel Israels entsprechend gibt es auch in Europa viele Menschen, die sich von den Coronaimpfungen Lockerungen erhoffen. Besonders in Südeuropa haben sich hinsichtlich der durch Corona gebeutelten Tourismusbranche viele Mitgliedstaaten bereits für Reiseprivilegien ausgesprochen. So befürworten Zypern, Spanien, Portugal, Malta und auch Griechenland das freie Reisen innerhalb der EU für Geimpfte. Griechenland und Zypern haben indes schon eine Sonderregelung mit Israel ausgehandelt, die Geimpfte zwischen beiden Ländern frei reisen lässt. Großbritannien zieht bald nach.

Auch Österreichs Kanzler Sebastian Kurz plädiert für den Corona-Impfpass und damit verbundene Privilegien. „Wenn wir es schaffen, so eine europäische Lösung zusammenzubringen, so wie das Israel hat, dann glaube ich, dass das gut wäre. Denn dann können wir dadurch auch die Reisefreiheit genießen, die Freiheit wieder beruflich quer in Europa unterwegs zu sein, vor allem aber auch die Freiheit, in den Urlaub zu fahren und Kultur, Sport und all das zu genießen”, bekräftigt er sein Plädoyer für einen Corona-Impfpass im Interview mit Bild-Live am Mittwochabend.

Was spricht gegen Sonderrechte für Geimpfte?

Deutschland und Frankreich sind aktuell gegen Sonderrechte für Geimpfte. Zum einen bauen Privilegien natürlich Druck auf, sich impfen zu lassen, auch wenn man dies eigentlich gar nicht möchte. Viel bedeutender ist jedoch, dass die Bundesregierungen keine Privilegien versprechen können, wenn noch nicht jedem Bürger ein Impfangebot gemacht werden konnte. „Alle haben heute [beim EU-Gipfel] darauf hingewiesen, dass das zurzeit bei der geringen Durchimpfung der Bevölkerung gar nicht das Thema ist. Aber man muss sich ja vorbereiten”, sagte Merkel am Donnerstagabend zur Einführung des EU-Impfpasses und möglicher Vorteile.

In Deutschland liegt die Zahl der vollständig Geimpften aktuell bei 2,3 Prozent, in Frankreich unter 2 Prozent. Bevor nicht weite Teile der EU-Bevölkerung geimpft seien, stünden Lockerungen speziell für Geimpfte gar nicht zur Debatte, hieß es auch aus Brüssel von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Fraglich ist zudem, ob der Virus nach Impfung wirklich nicht mehr übertragen werden kann. Zwar weisen neueste israelisch Studienergebnisse zum Biontech-Impfstoff in diese Richtung, die Untersuchungen laufen aber noch.