Festgeld im Ausland anlegen: Chancen und Risiken gut abwägen

Gut verzinste Festgeldkonten bedeuten für Sparer nur noch einen Zins von knapp über einem Prozent. Doch selbst solche Konditionen bieten vermehrt ausschließlich ausländische Banken. Viele Anleger fragen sich daher, wie sicher es ist, Festgeld im Ausland anzulegen. Stiftung Warentest versucht Antworten zu geben.

Sie heißen Close Brothers, Crédit Agricole Consumer Finance, Klarna, Sberbank Direct oder Yapi Kredi Bank – Geldinstitute, bei denen Anleger ihr Erspartes auf ein Festgeldkonto parken und sich dabei eine Verzinsung von über einem Prozent ab einer Laufzeit von einem Jahr sichern können. Doch die vergleichsweise guten Konditionen haben einen Haken: Das Festgeld wird im Ausland angelegt. Bei einigen Banken hat Stiftung Warentest jedoch Bedenken, ob Sparer ihr Geld in Höhe von maximal 100.000 Euro zurückerhalten, sollte die Bank pleitegehen. Daher ist das Festgeld im Ausland mit Vorsicht zu genießen, gerade wenn die Angebote über Zinsportale vermittelt werden.



Festgeld im Ausland: Geld der Sparer im Ernstfall geschützt?

Innerhalb der Europäischen Union ist das Ersparte von Anlegern bei Insolvenz einer Bank durch die sogenannte Einlagensicherung geschützt. Maximal 100.000 Euro erhalten Sparer im Pleitefall in jedem Fall zurück. Wenn die Geldinstitute die Summe nicht aufbringen können, springt laut Stiftung Warentest (test-Ausgabe 7/2016) der Staat ein. Da es in der EU jedoch einige Länder gibt, deren Finanzkraft von verschiedenen Ratingagenturen keine Bestnoten erhalten hat, vertrauen die Verbraucherschützer den nationalen Sicherungssystemen nicht gleichermaßen. Sie empfehlen „keine Zinsangebote aus EU-Ländern ohne Top-Rating für ihre Wirtschaftskraft.“ Dazu zählen derzeit:

  • Südeuropa: Banco BNI Europa, Banco Privado Atlântico, Novo Banco (alle drei Portugal), Ferratum Bank, Firmbank (beide Malta), Banca Farmafactoring, Banca Sistema, IW Bank, Südtiroler Sparkasse (alle vier Italien)
  • Westeuropa: AIB (Irland)
  • Mitteleuropa: Bigbank (Estland), Banca Kovanica, Kent¬Bank, Podravska Banka, Vaba Banka (alle vier Kroatien), AS Privatbank (Lettland), Alior Bank (Polen), Postova Banka (Slowakei), J&T Banka (Tschechien)
  • Südosteuropa: Bulgarian-American Credit Bank, Fibank (beide Bulgarien), Piraeus Bank (Griechenland)

Festgeld im Ausland: Stolperfalle umgehen

Auch in Staaten mit sehr guter Bonität sollten sich Anleger ganz genau mit den Festgeldkonditionen auseinandersetzen. So bieten die britischen Banken FirstSave Euro und Close Brothers nur noch eine Einlagensicherung von 75.000 Pfund – umgerechnet 96.000 Euro. „Sparer sollten bei diesen Banken wegen des Wechselkursrisikos deutlich weniger anlegen und einen Risikopuffer lassen“,  so die Empfehlung von Stiftung Warentest. Zudem ist es ratsam, sich nach der Brexit-Entscheidung die britischen Angebote ganz genau auszuschauen.

Bei einer Laufzeit von drei Jahren zählt Close Brothers zusammen mit Klarna zu den besten Festgeld-Anbietern (1,40 Prozent Rendite). Wer sein Geld für ein Jahr fest anlegen möchte, findet derzeit die besten Konditionen bei:

  • FirstSave Euro – 1,25 Prozent
  • Klarna – 1,20 Prozent
  • Nordax Bank – 1,10 Prozent

Service: Mit dem Festgeldkonto-Vergleichsrechner finden Sie schnell heraus, welche Banken Ihnen noch einen akzeptablen Zins in Zeiten der Niedrigzinsphase bieten.

Zinsportale zur Vermittlung von ausländischen Festgeldkonten genau prüfen

Für ein Festgeldkonto im Ausland müssen Sparer oftmals dort ihren Wohnsitz haben, was bei den meisten Anlegern nicht der Fall ist. Hier helfen Zinsportale weiter. Allerdings vermitteln diese in der Regel auch Angebote aus Ländern mit unsicherer Finanzstärke. Zudem warnt das zur Stiftung Warentest zugehörige Magazin Finanztest (Ausgabe 9/2015) vor Fallstricken. So sollen manche über die Plattformen vermittelte Banken keinen Zinseszins für mehrjähriges Festgeld zahlen. Wird zudem bei einem mehrjährigen Investment der gesamte Zins erst zum Ende der Laufzeit ausgezahlt, droht diese Summe den Sparerpauschbetrag zu überschreiben. Sparer müssen dann Steuern an das Finanzamt zahlen.

Tipp: Lassen Sie sich hinsichtlich Ihrer Möglichkeiten zur Geldanlage genau beraten, um Stolperfallen aus dem Weg zu gehen. Finden Sie zudem mit einem unverbindlichen Angebot zur Kapitalanlage heraus, welche weiteren Optionen Sie haben, Ihr Geld renditestark anzulegen.