Annabell Meyer
Annabell Meyer

Redakteurin

Finanzierung über Crowdinvesting bietet weniger Hürden als Bankkredite

Bei der Finanzierung ihrer Projekte vertrauen inzwischen viele Gründer auf Crowdinvesting. Das Geld zahlreicher Kleinanleger soll ihnen dabei helfen, ihr Unternehmen erfolgreich weiterzuentwickeln. Eine solche Finanzspritze ist dabei oftmals einfacher zu bekommen als ein Kredit oder ein privates Investment, erklärt Rechtsanwalt Jan-Henning Ahrens.

Veröffentlicht am 23. Januar 2018
Wer von der Gründung eines eigenen Unternehmens träumt oder lange geplante Projektideen erfolgreich umsetzen will, braucht in der Regel eine gute Finanzierung. Während klassische Bankkredite hierfür lange Zeit die erste Wahl waren, vertrauen inzwischen viele Gründer auf Alternativen wie Crowdinvesting. Dabei erhalten Unternehmen über verschiedene Plattformen Anleihen von mehreren Kleinanlegern, der sogenannten Crowd.

Im Gegenzug beteiligen die Unternehmer die Investoren am wirtschaftlichen Erfolg ihres Projektes, sodass diese ihr Erspartes im Idealfall mit einer hohen Rendite zurückbezahlt bekommen. Was bei dieser Form der Finanzierung wichtig ist und worauf beide Seiten achten sollten, erklärt der Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Jan-Henning Ahrens im Interview mit finanzen.de.

Herr Ahrens, warum setzen immer mehr Unternehmen bei der Finanzierung ihrer Projekte auf Crowdinvesting anstelle von Bankkrediten? Für wen eignet sich eine solche Finanzierung besonders?

Jan-Henning Ahrens: Crowdinvesting ist besonders interessant für Gründer, die sich scheuen eine klassische Bankfinanzierung für ihr Projekt oder ihr Start-up zu nutzen. Die Gründe sind naturgemäß vielschichtig. Hierzu muss man wissen, dass es anders als beispielsweise in den USA in Deutschland sehr schwierig ist, Investoren zu finden, um eine neue Idee oder ein Start-up zu finanzieren. Hinzu kommt, dass die klassischen Kreditgeber wie Banken das Risiko der Kreditvergabe über einen hohen Risikozins abbilden.

Bei privaten Investoren wie den sogenannten family offices – spezielle Organisationsformen, die sich mit der Verwaltung privater Großvermögen befassen – liegen die Hürden noch höher. Die Manager solcher Vermögen wollen oft zweistellige Renditen bei gemäßigtem Risiko.

Über die Crowd kommt man günstiger an einen Kredit. Für Unternehmen ist es oft einfacher, mit ihrer Idee viele Kleinanleger zu überzeugen, zumal diese – jeder für sich – ein vergleichsweise niedriges Ausfallrisiko tragen. Scheitert das Projekt beziehungsweise das Unternehmen, kommt die Crowd bei der Tilgung von Schulden zum Schluss, was für die Gründer ebenfalls von Vorteil sein kann.

Welche Rechte und Pflichten gelten in Bezug auf das Crowdinvesting?

Jan-Henning Ahrens: Die Anbieter von Crowdinvesting beziehungsweise die Emittenten als Ausgeber von Anleihen oder Wertpapieren müssen sich an die gesetzlichen Vorgaben halten, die sich beispielsweise aus dem Vermögensanlagengesetz ergeben. Dort ist geregelt, welche Form das Angebot haben darf und welche Personen investieren können. So ist die Höhe des Anlagebetrages limitiert. Bis 1.000 Euro ist alles eher problemlos, darüber muss eine Selbstauskunft vorgelegt werden, die geprüft wird. Mehr als 10.000 Euro gehen aber auch dann nicht.

Außerdem darf der Emittent keinen gesellschaftsrechtlichen Einfluss auf die Crowdinvesting-Plattform haben. Er darf also nicht zur Geschäftsführung gehören oder aktienrechtlich mit der Plattform verbunden sein.

Welche Risiken entstehen Unternehmen, die sich über Crowdinvesting finanzieren? Können Anleger beispielsweise aus dem Investment aussteigen, wenn sie ihr Geld plötzlich doch anders anlegen möchten?

Jan-Henning Ahrens: Eine generelle Antwort scheidet hier leider aus, da diese Fragen grundsätzlich im Einzelnen geregelt werden. In den meisten Fällen dürfte der Anleger sein eingesetztes Kapital erst dann zurückbekommen, wenn die vertraglichen Voraussetzungen erfüllt sind. Das heißt, ist bei der Vergabe der Anleihe alles sauber gelaufen, bekommt der Anleger dann sein Kapital zurück, wenn durch die Auszahlung der Fortbestand des finanzierten Unternehmens nicht gefährdet ist. Andere Rechte können nur dann entstehen, wenn der Investor nicht korrekt über das Angebot informiert wurde.

Was zeichnet einen seriösen Anbieter von Crowdinvesting aus?

Jan-Henning Ahrens: Ganz klar: Transparenz. Sowohl das Unternehmen als auch der Anleger müssen wissen, welche Kosten die Crowdinvesting-Plattform ihnen berechnet.

Wie genau unterstützen Sie Menschen, die sich über Crowdinvesting finanzieren, wenn mit dem Investment etwas schief läuft?

Jan-Henning Ahrens: Wir sind Rechtsanwälte und daher hauptsächlich für die rechtlichen Rahmenbedingungen zuständig. Natürlich sind wir auch zur Stelle, wenn Ansprüche gegen Plattformen geltend gemacht werden müssen oder wenn Anleger Ansprüche gegen das Unternehmen geltend machen. Grundsätzlich sehen wir uns als Kapitalmarktrechtler, aber auch auf den Seiten der Anleger.

Vielen Dank für das Interview, Herr Ahrens.