Frage der Woche: Ab wann zahlen Rentner Steuern?

Ab Juli 2020 gibt es mehr Geld im Ruhestand, denn die gesetzlichen Renten steigen um fast 3,5 Prozent (West) und 4,2 Prozent (Ost) gestiegen. Eine freudige Nachricht für alle Ruheständler. Doch die Rentenanpassung hat nicht nur Vorteile. Manche Senioren müssen dadurch Steuern auf ihre Rente zahlen.

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2021

  • Im Juli 2021 wurden die gesetzlichen Renten bundesweit zwar nur kaum angehoben.
  • Wer bislang eine hohe Rente erhalten hat, könnte durch die Erhöhung dennoch in die Steuerpflicht rutschen.
  • Ab wann Rentner Steuern zahlen müssen, hängt unter anderem von dem Jahr des Renteneintritts ab.

Rentenerhöhungen sind Neuigkeiten, über die sich wohl jeder Rentner freut. In den letzten Jahren führten die Rentenanpassungen meist dazu, dass Senioren ab Mitte des Jahres mehr Geld auf dem Konto haben.

Für einige Ruheständler bedeutet dies allerdings, dass sie künftig auch wieder eine Steuererklärung abgeben und Steuern zahlen müssen. 2020 rutschten rund 60.000 Senioren in die Pflicht, laut Bundesfinanzministerium waren Ende 2020 über fünf Millionen Rentner steuerpflichtig.

Auch nach dem Arbeitsleben: Jeder Rentner kann steuerpflichtig werden

Vor dem Austritt aus dem Arbeitsleben denken viele Ruheständler zunächst nicht daran, dass sie möglicherweise weiterhin steuerpflichtig sind oder es wieder werden. Seit Januar 2005 gilt das sogenannte Alterseinkünftegesetz, nach dem die Einkünfte aus der gesetzlichen Rentenversicherung mit einem jährlichen Anteil, der je nach Renteneintrittsjahr unterschiedlich hoch ist, besteuert werden müssen.

Die starke Erhöhung der Renten sorgt damit in diesem Jahr auch bei einigen Rentnern, die bislang noch keine Steuern zahlen mussten, dafür, dass sie sich ab dem nächsten Jahr wieder an die Steuererklärung wagen müssen.

Ab wann muss die Rente versteuert werden?

Rentner, die während ihrer Pensionierung in die Steuerpflicht übergehen, fühlen sich möglicherweise schnell verloren, wenn sie sich erneut im Formular-Dschungel wiederfinden. Doch ab wann müssen Rentner wirklich Steuern zahlen? Die Besteuerung bei der gesetzlichen Rente setzt sich hier ähnlich zusammen wie bei Arbeitnehmern. Entscheidend ist letztlich das Jahr des Renteneintritts. Dieses ist ausschlaggebend dafür, wie viel Prozent des jährlichen Brutto-Renteneinkommens versteuert werden müssen.

Beispiel: Ein Rentner, der 2007 in den Ruhestand getreten ist, muss 54 Prozent seiner Rente versteuern. Eine Rentnerin, die erst 2021 in Rente geht, muss schon 81 Prozent ihres Renteneinkommens steuerlich geltend machen. Wirklich steuerpflichtig werden die beiden jedoch nur, sobald sie den aktuellen jährlichen Grundfreibetrag überschreiten.

Der Freibetrag wird regelmäßig vom Gesetzgeber angepasst. Die folgende Tabelle stellt die Übersicht der letzten fünf Jahre dar:

Renten­eintrittGrund­freibetrag
(ledig)
Grund­freibetrag
(verheiratete Paare)
20219.744 Euro19.488 Euro
20209.408 Euro18.816 Euro
20199.168 Euro18.336 Euro
20189.000 Euro18.000 Euro
20178.820 Euro17.640 Euro

Achtung: Auch wenn die Einnahmen aus der gesetzlichen Rente gering sind, können für Bezieher einer zusätzlichen privaten Rente Steuern fällig werden. Abhängig von der Form der privaten Altersvorsorge, etwa Riester-Rente oder private Rentenversicherung, unterscheidet sich jedoch die Art der Besteuerung.

Wie hoch der Anteil der steuerlichen Abgaben für den Rentner ist, kann im Voraus vom Finanzamt ermittelt werden. Neben den Renteneinnahmen werden Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung, Kapitalerträge sowie Erträge aus angestellter oder selbstständiger Arbeit versteuert.

Was können Rentner von den Steuern absetzen?

Genau wie Arbeitnehmer dürfen Ruheständler einige wichtige Ausgaben und Werbungskosten in ihrer Steuererklärung absetzen und somit das zu versteuernde Einkommen senken. Dazu zählen beispielsweise:

  • Mitgliedsbeiträge für Parteien oder Gesundheitsvereine
  • Spenden
  • Kosten für Medikamente, Brillen, Hörgeräten
  • Kosten und Rechnungen für Haushaltshilfen, Putzkräfte oder Handwerker
  • Kosten für eine Renten- und Versicherungsberatung

Wer als Rentner dennoch nicht weiter weiß, bekommt Unterstützung vom Finanzamt. Die Behörde gibt Auskunft darüber, wie hoch der zu versteuernde Anteil ist und hilft Rentnern ebenso bei Problemen mit der Steuererklärung.

Was passiert, wenn keine Steuererklärung eingereicht wurde?

Senioren, die keine Steuererklärung einreichen, weil sie zum Beispiel nicht mitbekommen haben, dass sie steuerpflichtig sind, werden vom Finanzamt postalisch informiert. Grundsätzlich besitzt das Amt alle wichtigen Informationen und Neuerungen bezüglich der Rente. Wird etwas erneuert oder geändert, werden Rentner üblicherweise direkt darauf hingewiesen.

Wer die Benachrichtigungen des Finanzamts ignoriert, muss allerdings damit rechnen, die Steuern nachzuzahlen oder im schlimmsten Fall ein Zwangsgeld in Kauf nehmen.