Frage der Woche: Überwiegt bei der Grippeimpfung Pro oder Contra?

Die Grippewelle ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts offiziell in Deutschland angekommen. Zuletzt wurden rund 4.300 Infektionen registriert. Dabei sind selbst geimpfte Menschen vor einer Erkrankung nicht sicher. Denn der Wirkstoff der aktuellen Grippeimpfung weist nur geringen Schutz auf. Dies sorgt für eine neue Diskussion um Pro und Contra der Impfung.

Veröffentlicht am 26. Januar 2018

  • Der Dreifachimpfstoff gegen Grippeviren wirkt nur gering, weshalb ein vollständiger Grippeschutz nicht garantiert ist. 
  • Mehrere Tausend Menschen erkrankten bereits im Januar an dem Grippevirus.
  • Nur einzelne Kassen übernehmen bisher die Kosten für den Vierfachimpfstoff bei Patienten, die nicht zur Risikogruppe gehören.

Erfüllt die Grippeimpfung wirklich ihren Zweck? Diese Frage stellen sich vermutlich zahlreiche Patienten, die trotz ihrer Impfung gegen die saisonale Grippe krank im Bett liegen. Welche Vor- und Nachteile hat die Grippeimpfung? Und ist eine weitere Impfung mit einem besseren Impfstoff notwendig?

Unterschiedliche Virengruppen: Wirksamkeit des Impfstoffs nicht immer gewährleistet

Hohes Fieber, starke Gliederschmerzen und Schüttelfrost sind die schleichenden Symptome einer Grippe. Die Zahl der Grippefälle hat sich in dieser Saison trotz vieler geimpfter Patienten leicht erhöht. Doch wie kommt es dazu?

Grippe wird von verschiedenen Virengruppen verursacht. Der Impfstoff, der die Erkrankung verhindern soll, enthält Bestandteile der für die Grippezeit erwarteten Virusvarianten. Diese können von Jahr zu Jahr variieren und werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekannt gegeben. Zum Schutz werden zwei Impfstoffe entwickelt: Ein sogenannter trivalenter Impfstoff (Dreifachimpfstoff) zum Schutz gegen zwei A-Virus-Typen und einen B-Virus. Und ein quadrivalenter Impfstoff (Vierfachimpfstoff), der zwei A-Viren und einen weiteren B-Virus bekämpft.

Grundlegend erhält ein Großteil der Patienten die Grippeschutzimpfung mit dem Dreifachimpfstoff. Dieser wird auch von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Den teureren Vierfachimpfstoff erhalten bisher nur Risikopatienten oder Patienten, die bereit sind, die Impfung aus eigener Tasche zu zahlen. Tatsache ist, dass in der aktuellen Grippesaison überwiegend nur die B-Viren im quadrivalenten Impfstoff mit den Erregern übereinstimmen. Das sorgte zuletzt für viel Aufregung und die Frage, ob noch eine zusätzliche Impfung notwendig ist.

Für wen ist eine Grippeimpfung sinnvoll?

Wer von dem Schutz profitieren kann oder ob bei der Grippeimpfung Pro oder Contra überwiegt, wird an einigen Punkten ersichtlich: Ein besonderer Vorteil ist in erster Linie, dass grundsätzlich jeder einen Anspruch auf die Grippeimpfung hat. Ärzte empfehlen jährlich im Oktober oder November einen Grippeschutz in Form einer Impfung durchzuführen, um rechtzeitig gegen die Grippeviren gewappnet zu sein.

Besonders relevant ist die Grippeimpfung für Risikopersonen. Dazu zählen Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, Diabetiker sowie an chronischen oder neurologischen Erkrankungen leidende Patienten. Auch Menschen, die sich überwiegend in öffentlichen Einrichtungen oder Verkehrsmitteln aufhalten, wird die Grippevorsorge empfohlen.

Trotz vieler Diskussionen zählt die hohe Wirksamkeit des Impfstoffs zu den Vorteilen der Grippeimpfung. Denn nach Angaben des Robert Koch-Instituts besteht bei jungen, gesunden Patienten ein 80-prozentiger Schutz. Voraussetzung dafür ist jedoch die optimale Übereinstimmung der Bestandteile.

Nebenwirkungen wie erhöhte Temperatur, Muskelschmerzen, Schmerzen an der Einstichstelle und allgemeines Unwohlsein sind die am häufigsten auftretenden Beschwerden und werden bei Betrachtung von Pro und Contra der Grippeimpfung als deutlicher Nachteil gewertet.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für den Vierfachimpfstoff?

Ein weiterer Nachteil ist die Kostenübernahme des wirksameren Vierfachimpfstoffs. Bislang übernimmt die gesetzliche Krankenkasse nur die Kosten für den derzeit umstrittenen Dreifachimpfstoff. Allein Risikopatienten erhalten den quadrivalenten Impfstoff und sind damit umfassender geschützt.

Da der trivalente Impfstoff aktuell nur geringe Wirkung zeigt, fordert Ingrid Fischbach, Patientenbeauftragte der Bundesregierung, eine schnelle Entscheidung, ob die Krankenkassen künftig auch die Kosten für den Vierfachimpfstoff übernehmen. Das könne eine Ausbreitung der Grippewelle auch in der nächsten Saison verhindern.

Bislang haben sich nur wenige Krankenkassen wie die DAK, AOK Nordwest und die Techniker Krankenkasse (TK) zu der Kostenübernahme geäußert. Während die DAK künftig die Kosten für den vollständigen Schutz übernehmen will, überlässt die TK die Entscheidung darüber, welcher Impfstoff beim Patienten notwendig ist, dem jeweiligen Hausarzt. Bei Verordnung des kompletten Impfschutzes stimmt die Kasse jedoch der Kostenübernahme zu. Die AOK Nordwest übernimmt weiterhin die Kosten des Impfstoffs nur bei Patienten, die zur Risikogruppe gehören oder als stark gefährdet eingestuft werden, so die Lübecker Nachrichten.

Tipp: Wer sich unsicher ist, ob die Kosten für den Vierfachschutz übernommen werden, kann die notwendigen Informationen jederzeit bei der zuständigen Krankenkasse erfragen. Wenn gewünschte Leistungen nicht übernommen werden oder nicht den eigenen Anforderungen entsprechen, hilft ein Krankenkassenvergleich bei der Entscheidung, ob ein Wechsel sinnvoll ist.

Ist eine zusätzliche Grippeimpfung mit dem Vierfachimpfstoff sinnvoll?

Viele Patienten verunsichert die aktuelle Diskussion um die Wirksamkeit des Impfstoffs. Ist es nun sinnvoll, sich ein zweites Mal gegen Grippe impfen zu lassen und den umfassenderen Schutz zu nutzen?

Das Robert Koch-Institut rät dies nur solchen Patienten, die in dieser Saison noch keine Grippeimpfung erhalten haben. Eine doppelte Impfung für Menschen, die bereits eine Dreifachimpfung erhalten haben, ist vorerst nicht notwendig. Patienten mit einem hohen Erkrankungsrisiko oder Vorerkrankungen sollten allerdings die Nachimpfung mit dem Vierfachimpfstoff in Betracht ziehen.

Grippeimpfung Pro und Contra:  Ein Überblick

ProContra
Jeder hat Anspruch auf den GrippeschutzNebenwirkungen wie Fieber, Schüttelfrost oder Muskelschmerzen
Kostenübernahme des Dreifachimpfstoff durch die gesetzliche KrankenversicherungVierfachschutz wird nur in Ausnahme- oder Risikofällen von der Kasse übernommen
Stärkere Absicherung und erhöhter Schutz vor InfektionWirkung ist nicht immer gewährleistet, da es noch keinen Universalimpfstoff gegen alle Grippeerreger gibt
Abgeschwächter Krankheitsverlauf, falls es doch zur Infektion kommt
Die Grippeimpfung bekämpft mehrere verschiedene Virengruppen