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Frauenquote: Die Medien müssen weiblicher werden

Die Medienwelt aus Radio, Fernsehen und Verlagshäusern ist auch 2016 noch sehr männlich geprägt. Um das zu verändern, fordert die Organisation ProQuote die Einführung der Frauenquote von 30 Prozent in den Chefetagen der Medienhäuser Deutschlands. Ihr Erfolg könnte nicht nur für mehr Wettbewerb sorgen, sondern das Erwerbsleben tausender Frauen nachhaltig verändern.

Veröffentlicht am 6. Oktober 2016

Die Frauenquote wurde 2015 für die größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands eingeführt. Doch die Medienbranche nimmt kaum Notiz von diesem Wandel. So sitzen in Radio, Fernsehen und Verlagshäusern hauptsächlich Männer an der Spitze. Antonia Götsch, stellvertretende Chefredakteurin von Impulse, setzt sich daher bei ProQuote für die Frauenquote in den Führungspositionen der Medienunternehmen ein. Sie findet, dass echter Wettbewerb unter den Kandidaten auf eine Führungsposition nur dann möglich ist, wenn Frauen eine reale Chance auf die Nachbesetzung haben. Außerdem fordert sie, dass die Themenauswahl der Medienhäuser die Bevölkerung besser widerspiegeln sollte. Sie darf deshalb nicht mehr nur in Männerhand liegen.

Die Themenmacher sind meist „bürgerlich, männlich, deutsch“

In den großen Medienhäusern Deutschlands sitzen vor allem Männer in den Chefetagen. Sie sind auch diejenigen, die letztendlich die Themenwahl und die Art der Berichterstattung vorgeben. „Bei den Regionalzeitungen sind sogar 95 Prozent der Chefredakteure männlich“, so Götsch. „Sie stammen oft aus der bürgerlichen Mittelschicht und sind in Deutschland geboren“, führt sie fort.

Da jeder Mensch ein Thema anders bewertet und es keine objektive Wahrheit gibt, laufen Medienhäuser, die alle von Chefs mit ähnlichen Lebensläufen geführt werden, Gefahr, einige Bereiche bei ihrer Themenauswahl zu übersehen oder zu vergessen. Als passendes Beispiel für die einseitige Sicht auf ein Thema nennt Götsch die Berichterstattung über Finanzen: „Es gibt Studien, die zeigen, dass Frauen weniger risikoreich anlegen als Männer und dabei übrigens über die Jahre mehr Rendite erwirtschaften. Zudem interessieren sich viele Frauen für ökologische oder ethische Geldanlagen. Das spiegelt sich in den gängigen Finanzmedien jedoch nicht unbedingt wider.“

Wir brauchen einen echten Wettbewerb zwischen Kandidaten

Ein wesentliches Ziel der Initiative ProQuote ist, die Chefetagen und die leitenden Positionen von Medienhäusern mit den besten Kandidaten zu besetzen. Um herauszufinden, wer wirklich der oder die Beste ist, muss der Bewerberpool jedoch erweitert werden. Denn laut ProQuote sitzen oftmals „nicht die Besten der Branche, sondern die Besten aus den Buddy-Netzwerken“ auf Führungspositionen. Ein Mittel, um den Weg für Frauen in diese „Buddy-Netzwerke“ zu ebnen, wäre die Frauenquote. Einige Medien haben es bereits vorgemacht und verzeichnen ein positives Ergebnis. „Die Zeit und der Spiegel haben die 30 Prozent Frauenanteil erreicht und das wird von den Kolleginnen durchaus wahrgenommen“, so Götsch. Die stellvertretende Chefredakteurin von Impulse kann das aus ihrer eigenen Erfahrung bestätigen: „Wo Frauen und Männer gleichermaßen in der Führung vertreten sind, habe ich eine auffallend gute Führungskultur wahrgenommen.“

Frauenquote und Gehalt sind eng miteinander verstrickt

Frauen verdienen weniger als Männer. Die sogenannte Gender-Pay-Gap, also die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, liegt in Deutschland bei circa 21 Prozent. Das ist in Hinblick aufs ganze Erwerbsleben eine Menge Geld. Die Quote sorgt laut Götsch insgesamt „für mehr Transparenz und Fairness – das wird sich auch auf die Gehaltsstruktur auswirken“. Es ist zu hoffen, dass mehr Frauen in den führenden Positionen für mehr Lohngerechtigkeit sorgen. Die Frauenquote könnte demnach nicht nur den fairen Wettbewerb unter Männern und Frauen ermöglichen. Sie könnte auch dafür sorgen, dass Frauen sich gegenseitig darin unterstützen, unfaire Gehaltsstrukturen zu durchbrechen.

Das Interview führte Cora Christine Döhn.