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Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Garantiezins 2021: Finanzministerium zieht Entscheidung in die Länge

Wie hoch der Garantiezins für die Lebensversicherung sein darf, legt das Finanzministerium fest. Es folgt dabei den Empfehlungen der Finanzaufsicht BaFin und der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). Letztere hat bereits Ende vergangenes Jahres eine Absenkung auf 0,5 Prozent empfohlen. Doch da bisher eine Entscheidung ausblieb, verharrt der Garantiezins vorerst bei 0,9 Prozent.

  • Das Finanzministerium hat noch keine Entscheidung hinsichtlich des Garantiezinses für das kommende Jahr getroffen.
  • Selbst wenn diese nun zügig kommt, ist eine Anpassung zum Jahresanfang unrealistisch, da die Versicherer einige Zeit zum Umstellen ihrer Systeme brauchen.
  • Die BaFin ermahnt die Versicherer, ihre Zinsgarantien genau zu kalkulieren.

Die Zinsflaute am Kapitalmarkt hält weiter an, sodass es für Versicherer schwierig bleibt, die zugesagte Verzinsung für ihre Versicherten zu erwirtschaften. Die DAV hat daher im Dezember 2019 die Empfehlung ausgesprochen, den Höchstrechnungszins, auch als Garantiezins bekannt, von 0,9 Prozent auf 0,5 Prozent zu senken. „Derzeit gibt es keine Anzeichen, dass sich das zum Teil negative Zinsniveau der vergangenen Monate in näherer Zukunft spürbar verbessern wird. Daher ist eine Absenkung des Höchstrechnungszinses für Neuverträge ab 2021 geboten“, teilte DAV-Vorstandsvorsitzender Dr. Guido Bader mit.



Neun Monate später besteht die Dringlichkeit nach wie vor. Doch das Finanzministerium schweigt. Aus diesem Grund rechnet die DAV nicht damit, dass die Anpassung zum 1. Januar 2021 erfolgen wird. Dazu fehlt den Versicherern schlichtweg die Zeit für die technische Umsetzung, sagte Bader dem Versicherungsjournal.

Absenkung des Garantiezinses im Verlauf 2021?

Zum Vergleich: Als der Garantiezins 2017 auf 0,9 Prozent angepasst wurde, stand die Entscheidung dazu vonseiten des Finanzministeriums im Mai 2016 fest – im August 2020 hat das Ministerium von Finanzminister Olaf Scholz (SPD) zu einer möglichen Anpassung 2021 noch keine Entscheidung getroffen. Auch wenn die Änderung nicht zum Jahresanfang geschehen kann, ist es dennoch möglich, dass der Garantiezins im Verlauf des Jahres abgesenkt wird, beispielsweise ab Juli 2021. Dazu brauchen die Versicherungsgesellschaften jedoch genug Vorlauf.

Klassische Rentenversicherungen immer unbeliebter

Der Höchstrechnungszins gibt an, welche Verzinsung die Versicherer ihren Kunden maximal garantieren können. Bis zum Jahr 2000 lag die Garantieverzinsung bei vier Prozent und war ein starkes Argument für viele private Altersvorsorgeprodukte. Heutzutage entscheiden sich die wenigsten Interessierten allein aufgrund der Verzinsung für eine klassische Lebens- und Rentenversicherung. Auf der anderen Seite gibt es immer weniger Versicherer, die entsprechende Tarife anbieten. Stattdessen erobern neue Varianten mit weniger Garantien oder auf Fondsbasis den Markt.

Finanzaufsicht: Versicherer in der Pflicht

Die Finanzaufsicht BaFin ermahnt derweil die Versicherer, ihre Zinsgarantien im Neugeschäft nicht an die Entscheidung des Finanzministerium zu knüpfen. Sie müssten abhängig von Risikofähigkeit und Ertragskraft selbst entscheiden, welches Zinsniveau sie ihren Kunden anbieten können. „Aus unserer Sicht stellt es kein ordnungsgemäßes Risikomanagement dar, wenn Lebensversicherer eine etwaige Anpassung der im Neugeschäft angebotenen Zinsgarantien an das aktuelle Kapitalmarktumfeld mit der Begründung verzögern, dass sie zunächst die weitere Entwicklung des Höchstrechnungszinses abwarten wollen“, so ein Sprecher gegenüber dem Versicherungsjournal.