Frau schaut zum Fenster raus
Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Gebärmutterhalskrebs – frühzeitige Diagnose durch neue Vorsorge?

Maßnahmen zur Früherkennung von Krebserkrankungen sind ein wichtiger Pfeiler der Gesundheitsvorsorge gegen Krebs. Anfang des Jahres wurden die Vorsorgeuntersuchungen zum Gebärmutterhalskrebs nun neu organisiert. Was sich künftig ändert, klärt finanzen.de.

Fast 4.500 Frauen erkranken jedes Jahr in Deutschland an Gebärmutterhalskrebs. Weltweit stellt er die zweithäufigste durch Krebs bedingte Todesursache bei unter 44-jährigen Frauen dar.



Ein Abstrich vom Gebärmutterhals gehört bereits zu den jährlichen Routineuntersuchungen beim Gynäkologen. Mithilfe dieses Pap-Tests wird der Unterleib auf Gewebeveränderungen und damit auf eine HPV-Infektion untersucht.

HPV, was ist das eigentlich?

Humane Papillomviren, kurz HPV, sind Krankheitserreger, mit denen sich viele Frauen und Männer im Laufe ihres Lebens unbemerkt anstecken. Meistens bekämpft das Immunsystem die Viren jedoch erfolgreich. HP-Viren werden durch direkten Kontakt mit betroffenen Haut- oder Schleimhautzellen übertragen. Über 200 verschiedene Arten dieses Virus sind bekannt, circa 40 sind sexuell übertragbar und können Infektionen der Hautzellen des Genitalbereiches verursachen.

Folgen können harmlose Warzen sein. Doch manche HPV-Typen erhöhen auch das Risiko für Tumore und besonders Gebärmutterhalskrebs. Kondome reduzieren das Ansteckungsrisiko, eliminieren es jedoch nicht vollständig.

Seit 2006 können Junge Frauen und Mädchen sich mit einer Impfung vor einigen HP-Viren schützen. Die Impfungen sollten bestenfalls vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgen. Der Nutzen der HPV-Impfung ist jedoch umstritten. Kritiker bemängeln, dass sie nicht vor allen HPV-Viren schütze, die Wirkung zu kurz anhalte und immer noch nicht ausreichend belegt sei.

Was ist seit dem 1. Januar 2020 neu in der Gebärmutterkrebsvorsorge?

Zusätzlich zu dem bisher üblichen jährlichen Abstrich erhalten Frauen zwischen 20 und 65 Jahren nun ein Informationsschreiben ihrer Krankenkasse zum Früherkennungsprogram und einer Einladung zur Früherkennungsuntersuchung. Das geregelte Einladungsverfahren soll die Qualität der Behandlung verbessern.

Für Frauen ab 35 Jahren übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung nun auch die Kosten für eine Screening-Analyse auf humane Papillomviren. Dieses Screening steht ihnen kombiniert mit einem Pap-Abstrich alle drei Jahre zu. Laut des Deutschen Krebsforschungszentrums haben andere, von den Ärzten als individuelle Gesundheitsleistungen (IGEL) angebotene Tests derzeit noch keinen nachweisbaren Nutzen. Sie sollten daher nur nach intensiver Beratung und persönlicher Abwägung in Anspruch genommen werden.

„Auffälliger Befund“ – und jetzt?

Bei einem positiven HPV-Test sollten Frauen nicht gleich in Panik geraten. Denn dieser bedeutet lediglich, dass „zum Zeitpunkt der Untersuchung eine Infektion mit humanen Papillomviren“ besteht, so das Deutsche Krebsforschungszentrum. Dies ist jedoch nicht mit einer Krebsdiagnose gleichzusetzen, denn die Infektion kann vorrübergehend sein.

Laut einer Info-Broschüre des Gemeinsamen Bundesausschusses müssen Patienten, die sich regelmäßig auf HPV untersuchen lassen, sogar damit rechnen, „einmal im Leben einen auffälligen Befund zu erhalten – ohne dass sich dahinter etwas Ernsthaftes verbirgt“. In der weiteren Untersuchung nach einem auffälligen Befund klärt der Arzt ab, ob eine operative Entfernung des betroffenen Gewebes notwendig ist.

Problematik der Überbehandlung – hat das Früherkennungsprogramm auch Nachteile?

Da nicht hinter jedem positiven Test auch eine Krebserkrankung steckt und nicht jede Gewebeveränderung eine Gefahr darstellt, kann es durch das Früherkennungsprogramm zu unnötigen operativen Behandlungen kommen. Experten empfehlen daher, leichte bis mittelschwere Gewebeveränderungen zunächst zu beobachten, bevor eine Operation erfolgt. Insgesamt bewerten Fachleute die neuen Vorsorgeregelungen für Gebärmutterhalskrebs jedoch als äußert geeignetes Mittel, um Krebsvorstufen zu erkennen und diese zu entfernen, bevor sich daraus Gebärmutterhalskrebs überhaupt entwickelt.