Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Gold dank Coronakrise auf Allzeithoch – lohnt sich der Kauf jetzt?

Der Goldkurs hat diese Woche den höchsten Wert aller Zeiten erreicht. Und er steigt weiter. Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um in den Goldkauf einzusteigen? Ob das glänzende Edelmetall die beste Absicherung in der Coronakrise ist, wann es sich zur Altersvorsorge eignet und wie es um die Prognosen der Wertsteigerung steht, fasst finanzen.de zusammen.

Die Coronakrise hat auf den Finanzmärkten seit Februar für viel Unsicherheit gesorgt. Anleger verkauften panisch Aktien und viele fragen sich, welches Finanzprodukt in einer möglichen massiven Finanzkrise überhaupt noch Sicherheit bieten könnte.
Traditionell gilt Gold in Krisenzeiten als sichere Wertanlage und so ist es nicht verwunderlich, dass das Edelmetall diese Woche ein neues Allzeithoch erreichte. Bei 2.057 US-Dollar liegt die Unze Gold derzeit.



Warum befindet Gold sich auf dem Höchstkurs?

Gold genießt den Ruf, ein sicherer Hafen für Anleger zu sein. Denn im Falle einer Hyperinflation, einer Währungsreform und selbst wenn das gesamte Finanzsystem zusammenbrechen würde, hätte Gold noch einen gewissen Wert. Dies ist zugleich eines der Hauptargumente der Gold-Fans für ihre Anlagewahl: Die Menge des Rohstoffes ist begrenzt, im Vergleich zu Papiergeld kann Gold nicht beliebig generiert werden, das macht es wertvoll.

Neben der Angst vor einer Inflation beflügelt auch die Furcht vor der zweiten Corona-Welle den Gold-Kauf. Die wirtschaftlichen Folgen eines möglichen zweiten Lockdowns könnten zu einem Börsencrash führen, viele Investoren sichern deswegen mit Gold ihre Werte. Der schwache US-Dollar-Kurs macht es zudem für Investoren aus dem Ausland günstiger, in Gold zu investieren, denn dieses wird weltweit in Dollar gehandelt. Insgesamt beflügeln also die Sorgen aus der Coronakrise die Nachfrage nach Gold, damit steigt der Preis.

Ist es eine gute Idee jetzt in Gold zu investieren?

Grundsätzlich ist Gold eine spekulative Investitionsanlage. Wer Gold kauft, schließt eine Wette auf die Zukunft ab. Es wirft keine Zinsen ab und bietet damit keinen regelmäßigen Ertrag. Im Gegensatz zu in Aktien und Fonds investiertes Geld arbeitet Gold also nicht für den Anleger. Stattdessen muss sich dieser auf Prognosen verlassen und das Gold bei Wertsteigerung verkaufen, um Gewinn zu erzielen. Die Preise schwanken stark.

Ein Einstieg ins Goldgeschäft würde aktuell also nur lohnen, wenn der Goldpreis weiter steigt. Damit rechnen Experten aktuell aber nur geringfügig. „Bis zum Ende des Jahres wird der Goldpreis sicher noch etwas steigen. Die Unsicherheiten werden immer noch da sein – und dementsprechend genügend Anleger, die auf Gold setzen” erklärt Gabor Vogel, Rohstoffanalyst bei der DZ Bank, im Gespräch mit t-online.de die aktuelle Lage.

Privatanlegern rät er aber vom Kauf ab, der aktuelle Preis sei für einen Einstieg schon zu hoch. Allenfalls den Kauf von Wertpapieren aus Gold-ETCs hält der Fachmann zur Erweiterung des Portfolios für sinnvoll. Doch auch hier sollten Anleger mindestens einen leichten Preisrückgang abwarten.

Ist Gold als Altersvorsorge also ungeeignet?

Selbst Gold-ETCs, die wie Rohstoff-ETFs nur die Entwicklung des Rohstoffpreises (hier des Goldes) abbilden, sind sehr anfällig für Schwankungen, da sie nicht so breit diversifiziert sind wie ETFs. Gold-ETCs sind wegen der Schwankungen nur für langfristige Depots geeignet – ergo nichts für Anleger mit schwachen Nerven, die bei niedrigen Kursen schnell in Panik verfallen und verkaufen.

Eine Prüfung von Stiftung Warentest zeigt, wie unzuverlässig Gold als Altersvorsorge ist. Laut einer Beispielkalkulation hätte ein 40-Jähriger, der sein Geld 1980 in Gold angelegte, auch bei Renteneintritt noch im Minus gesteckt. Wer 1995 hingegen in Gold investiert hat, würde sich heute mit einem ordentlichen Plus zur Ruhe setzen.

Wer sich mit Gold für den Fall einer extremen Finanzkrise gegen einen totalen Wertverfall absichern möchte, ist bei einem größeren Depot mit etwa zehn Prozent Goldanteil gut auf. Bei kurzfristigen Liquiditätsproblemen lassen sich physische Goldwerte zudem schnell zu Geld umwandeln. Doch auch hier hat die Medaille zwei Seiten: Die Kosten für die Unterbringungen von Goldbarren oder Münzen, etwa in einem Bankschließfach, sollten unbedingt einkalkuliert werden.

Wie ethisch ist die Goldanlage?

Neben China und Indien gehören die Deutschen zu den Top-Abnehmern von Gold. Die Coronakrise scheint dies befeuert zu haben, im ersten Halbjahr 2020 kauften die Deutschen bereits doppelt so viel Gold wie sonst: 83,5 Tonnen.

Wem ethische Fragen und grüne Geldanlagen für seinen Vermögensaufbau wichtig sind, sollte von Gold jedoch Abstand nehmen. Der Marktanteil fair gehandelten Goldes, welches die Siegel „Fairtrade“ und „Fairmined“ trägt, ist verschwindend gering. Abseits dessen sind die Arbeitsbedingungen meist desaströs, die zum Abbau verwendeten Chemikalien wie Quecksilber oder Natriumcyanid vergiften Umwelt und Trinkwasser. Kinderarbeit und Schmuggel sind keine Seltenheit, da die Goldförderung immer noch häufig illegal erfolgt, die Erlöse fließen oft in den Waffenhandel zahlreicher Konfliktregionen.