Leere Brieftasche
Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Greensill-Bank dicht: Wie kommen Verbraucher an ihr Geld?

Wegen drohender Überschuldung ist die Bremer Greensill-Bank für den Kundenverkehr geschlossen. Worauf deutsche Sparer, die dort ihr Geld angelegt haben, jetzt warten müssen und was vorgefallen ist, klärt finanzen.de!

Das Einfrieren der Konten – auch Moratorium genannt – ist eine Folge der Ermittlungen der BaFin. Die Finanzaufsicht hatte einen Sonderbeauftragten zur Greensill Bank geschickt, der dort die Bücher prüfte. Es folgte die Anzeige der Bank bei der Bremer Staatsanwaltschaft. Unbestätigten Berichten zufolge wegen Bilanzmanipulation bei der Tochter des britisch-australischen Finanzkonglomerats Greensill.

Was bedeutet die Schließung von Greensill für Kleinanleger?

Die Greensill Bank war in den letzten Jahren bei deutschen Sparern beliebt, da sie vergleichsweise hohe Zinsen auf ihre Geldanlagen bot. Aufgrund der andauernden Niedrigzinsphase landeten viele Kleinanleger über ihre Suche auf Internetportalen wie „Zinspilot” oder „Weltsparen” bei der zinsversprechenden Greensill Bank. Etwa eine halbe Milliarde Euro der Verbindlichkeiten der Bank sollen laut Jahresabschluss 2019 von Privatanlegern kommen.

Zwar ist ein Zugriff auf die Bankkonten aktuell nicht möglich, Privatkunden sind jedoch gegen einen Verlust ihres Geldes abgesichert. Gesetzlich sind Einlagen bis zu 100.000 Euro geschützt. Selbst wenn das Sparguthaben diese Grenze überschreiten sollte, sind Verbraucher über den Einlagensicherungsfonds der privaten Banken abgesichert. Die Sicherungsgrenze beträgt im Fall der Greensill Bank knapp 75 Millionen Euro pro Einleger.

Kein falsches Risiko bei der Geldanlage eingehen

Nicht nur die Höhe der Zinsen spielt eine wichtige Rolle bei der Anlage von Geld, auch die Sicherheit des Geldes sollten Verbraucher stets im Blick haben. Um bei der Auswahl des Finanzproduktes fundierte Entscheidungen zu treffen, hilft die Unterstützung eines Experten.

Wie und wann bekommen Privatkunden ihr Geld zurück?

Kunden der Bremer Greensill Bank werden von der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) über den Eintritt eines Entschädigungsfalles per Post informiert. Sie bekommen dabei ein Formular zur Anmeldung ihrer Ansprüche auf Entschädigung mitgesendet. Zunächst muss die BaFin den Entschädigungsfall jedoch offiziell feststellen.

Wie lange der Vorgang der Auszahlung dauert, hängt nach Angaben der EdB von der Anzahl der Kunden und der internen Organisation der Bank ab. Von „persönlichen Nachfragen ist abzusehen, da diese das Verfahren nicht beschleunigen können”, schreibt die EdB. Sobald der Entschädigungsfall durch die BaFin festgestellt ist, hat die EdB 20 Arbeitstage Zeit, um die Ansprüche zu erfüllen. Bei Zustimmung der BaFin kann diese Frist auf 30 Arbeitstage verlängert werden.

Wie lange sich Verbraucher letztlich wirklich gedulden müssen, ist zu diesem Zeitpunkt noch schwer zu ermitteln. Im Worst-Case-Szenario, das bei den Entschädigungsfällen der isländischen Kaupthing Bank eintrat, dauerte es vom Moratorium im Oktober 2008 bis zur Auszahlung an die letzten Anleger knapp zehn Monate. Von so einem Szenario ist aktuell jedoch nicht auszugehen.

Wertpapiere können Privatkunden indes auch ohne Zutun der EdB mittels eines üblichen Bankauftrages übertragen.

Wie kam es zum Einfrieren der Greensill-Bankkonten?

„Financial Times” zufolge verdichteten sich in den letzten Tagen die Anzeichen einer Insolvenz beim britisch-australischen Mutterkonzern Greensill Capital. Mehrere große Investoren hatten ihre Anteile an Greensill zuletzt abgeschrieben. Das auf Lieferketten-Finanzierung spezialisierte Unternehmen befindet sich aktuell in Verhandlungen mit dem Finanzinvestor Apollo über den Verkauf großer Teile des operativen Geschäfts, wie das New Yorker Nachrichten- und Medienunternehmen Bloomberg berichtet.

Die Greensill Bank ist mit Greensill Capital eng verwoben. Greensill Capital stellt Finanzierungen für Unternehmensübernahmen auf, die Einlagen der Greensill Bank liefern die Kredite dafür und sichern so die Transaktion ab. Viele dieser Darlehen – in 2019 angeblich zwei Drittel – sind in der Vergangenheit dem indischen Stahlbaron Sanjeev Gupta zugegangen. Mutmaßlich ist die BaFin aufgrund dieses hohen Risikos für Anleger auf die Greensill Bank aufmerksam geworden. Untersuchungen laufen schon seit letztem Sommer.