Annabell Meyer
Annabell Meyer

Redakteurin

Gute Lehre ist ein wichtiger Bestandteil der Hochschulkultur

Volle Seminare, Inhalte mit wenig Praxisbezug und gelangweilte Studenten − an vielen deutschen Unis gehört dies zum Studienalltag. Hier setzt das Förderprogramm „Unseren Hochschulen“ an. Es will für ein besseres Lehren und Lernen an Hamburger Hochschulen sorgen. Wie das funktionieren soll, erklärt Programmleiterin Dr. Imke Franzmeier im Interview.

Veröffentlicht am 14. September 2017
Um die Hochschullehre in Deutschland langfristig zu verbessern, braucht es sowohl das Engagement der Lehrenden als auch der Studenten, betont das Förderprogramm „Unseren Hochschulen“. Darum setzt sich das von der Claussen-Simon-Stiftung geförderte Programm für eine intensive Zusammenarbeit der beiden Parteien ein. Denn sie müssen an einem Strang ziehen, um Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten zu haben.



Im Interview mit finanzen.de erklärt die Programmleiterin Dr. Imke Franzmeier, wie Studierende selbst zu einer besseren und praxisnahen Lehre beitragen und wie erfolgreich die gemeinsame Projektarbeit mit den Lehrenden sein kann.

Ihr Hauptziel ist es, Lehre und Lernen an Hamburger Hochschulen zu verbessern. Wo sehen Sie dabei besonderen Bedarf?

Dr. Imke Franzmeier: Im Studienalltag ist es unter Umständen nicht immer möglich, intensive und nachhaltige Kooperationsbeziehungen zwischen Studierenden und Lehrenden aufzubauen und auch langfristige gemeinsame Projektarbeit zu organisieren. Mit „Unseren Hochschulen“ möchten wir diesen Aspekt stärken und Studierende wie Lehrende dazu ermuntern, in Studienprojekten gemeinsam spannende Themen zu erforschen, Inhalte auch in die Praxis zu transferieren und interdisziplinär zu arbeiten. Neben exzellenter Forschung wird auch die gute Lehre als wichtiger Bestandteil der Hochschulkultur betont.

Ein besonderes Anliegen ist Ihnen, die Studierenden mit in das Förderprogramm einzubeziehen. Wie werden diese überhaupt darauf aufmerksam?

Dr. Imke Franzmeier: Die Studierenden an den Hamburger Hochschulen sind unsere ersten Adressaten, denn sie empfehlen in der ersten Wettbewerbsphase Professorinnen und Professoren, mit denen sie gern gemeinsam ein Projekt durchführen würden. Wir informieren sie mit Flyern und Postern, die wir an den Hochschulen verteilen. Außerdem machen wir gezielt Professorinnen und Professoren auf „Unseren Hochschulen“ aufmerksam und motivieren sie dazu, ihre Studierenden ebenfalls auf das Förderprogramm hinzuweisen.

Daneben informieren wir auch auf unserer Website, im Newsletter und auf unseren Social Media-Kanälen über die Ausschreibung und versorgen die regionalen Medien mit Informationen. Nicht zu unterschätzen sind die Wirkung und der Bekanntheitsgrad bereits geförderter Projekte an den Hochschulen.

Haben die Studierenden auch an der praktischen Umsetzung der Projekte teil?

Dr. Imke Franzmeier: Die aktive Teilhabe der Studierenden ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Projekte. Bereits im Bewerbungsprozess ist die dritte Phase dafür vorgesehen, dass die Studierenden die eingereichten Projektvorschläge bewerten, kommentieren und damit natürlich auch Anregungen zur Ausgestaltung der Themen geben können. Der Fokus liegt auf der Gemeinsamkeit: In der Umsetzung sollten die Studierenden und Lehrenden das jeweilige Projekt gemeinsam zum Leben erwecken und realisieren. Die Studierenden sollten innerhalb der Projektstrukturen auch Verantwortung übernehmen können.

Welches Projekt ist Ihnen bisher besonders in Erinnerung geblieben, beispielsweise weil es besonders innovativ und erfolgreich war?

Dr. Imke Franzmeier: Aus dem Projekt „Studentisches Fachforum Soziale Arbeit und Projektwerkstatt Zukunft“ von Prof. Dr. Carmen Gransee und ihren Studierenden, das 2013 ausgezeichnet wurde, ist ein Verein hervorgegangen, der die Weiterführung der Arbeit langfristig sicherstellt. Im Verein kümmern sich auch weiterhin Studierende um die ganzheitliche Förderung sogenannter „bildungsferner“ Jugendlicher, die kurz vor der Berufsausbildung stehen. Ein tolles Projekt, das fortgesetzt wichtige Arbeit vor Ort in den Schulen leistet. Davon profitieren alle Beteiligten: die Schülerinnen und Schüler, die Studierenden und auch die nach wie vor beteiligten Hochschullehrenden.

Das Förderprogramm „Unseren Hochschulen“ besteht bereits seit mehreren Jahren. Gibt es bestimmte Fachrichtungen, die besonders stark vertreten sind?

Dr. Imke Franzmeier: „Unseren Hochschulen“ steht ausdrücklich allen Fachrichtungen offen, und wir freuen uns über die Vielfalt der geförderten Projekte. Von der Rechtswissenschaft über die Zahnmedizin bis zur Molekularbiologie oder Archäologie waren bereits viele Wissenschaftsbereiche vertreten.

Welche konkreten Erfolge konnte das Förderprogramm bisher erzielen?

Dr. Imke Franzmeier: Zahlreiche Projekte, die ansonsten vielleicht in Form, Inhalt und Umfang so nicht möglich gewesen wären, haben sich langfristig an den Universitäten etabliert. Sie werden auch nach Beendigung der Förderung weitergeführt, teilweise als fester Bestandteil des Curriculums. Gleichzeitig motivieren die bisher geförderten Projekte andere Studierende und Lehrende, ebenfalls gemeinsam Ideen zu entwickeln, teilzunehmen und damit das Studieren zu bereichern. Eine Förderung bei „Unseren Hochschulen“ honoriert natürlich auch das große Engagement der Lehrenden und Studierenden und steigert damit bestenfalls auch den Spaß an gemeinsamer wissenschaftlicher Arbeit.

Vielen Dank für das Interview, Frau Dr. Franzmeier.