Rentner fährt Auto
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Hinzuverdienstgrenze für Frührentner soll 2023 fallen

Wer frühzeitig in Rente geht und nebenbei noch arbeitet, durfte vor der Corona-Pandemie nicht mehr als 525 Euro monatlich hinzuverdienen. War es mehr, wurde die Rente anteilig gekürzt. Diese sogenannte Hinzuverdienstgrenze ist zuletzt nicht nur stark gestiegen – nun soll sie ganz weichen und Frührentnern mehr Flexibilität beim Rentenbeginn ermöglichen.

  • Ab 2023 können Frührentner unbegrenzt hinzuverdienen.
  • Eine Verrechnung des Einkommens über der Hinzuverdienstgrenze soll entfallen.
  • Auch bei der Erwerbsminderungsrente will die Regierung bessere Rahmenbedingungen für den Hinzuverdienst schaffen.

Deutschland gehen die Fachkräfte aus, was unter anderem am demografischen Wandel liegt – und vielleicht auch an den engen Schranken, die es bisher für Rentner gibt, die trotz Rentenbezug weiterarbeiten wollen. Denn haben sie die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht, durften sie in der Vergangenheit maximal 6.300 Euro im Jahr hinzuverdienen. War es mehr, wurde ihre Rente entsprechend gekürzt.

Im Zuge der Corona-Pandemie wurde diese sogenannte Hinzuverdienstgrenze deutlich angehoben. Sie entspricht nun dem 14-Fachen der monatlichen Bezugsgröße, die aktuell bei 3.290 Euro liegt. Ganz konkret können Frührentner daher 46.060 Euro im Jahr ohne Probleme hinzuverdienen.

2023 wäre diese Sonderregelung ausgelaufen, sodass es zu deutlichen Einschränkungen beim Hinzuverdienst gekommen wäre. In einem Referentenentwurf eines Achten Gesetzes zur Änderung des Vierten Buches Sozialgesetzbuch und anderer Gesetze sah die Bundesregierung daher vor, die Hinzuverdienstgrenze dauerhaft zu dynamisieren und an die Bezugsgröße zu koppeln. Nun ist mit einem neuen Entwurf aus dem Bundesarbeitsministerium sogar geplant, dass die Hinzuverdienstgrenze für Frührentner ab 2023 komplett fallen soll

Maßnahme gegen Fachkräftemangel

Wie zunächst die FAZ aus dem Entwurf zitiert, kann mit dem Wegfall der Hinzuverdienstgrenze und der damit einhergehenden „Flexibilität beim Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand ein Beitrag geleistet werden, dem bestehenden Arbeits- und Fachkräftemangel entgegenzuwirken.“

„Wir können es uns nicht leisten, auf diese Menschen und ihr großes Erfahrungswissen zu verzichten“, ergänzt Johannes Vogel, parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, die Pläne aus dem Arbeitsministerium gegenüber der FAZ.

Hinzuverdienst bei Erwerbsminderungsrente wird angepasst

Beim Kampf gegen den Fachkräftemangel soll auch die Anpassung der Hinzuverdienstgrenze für die Erwerbsminderungsrente helfen. Diese wurde während der Corona-Pandemie nicht angefasst. Nun soll sie auf rund 17.000 Euro im Jahr steigen und an die künftige Lohnentwicklung geknüpft werden.

Bleiben die Überlegungen die gleichen, wie sie für den Referentenentwurf eines Achten Gesetzes zur Änderung des Vierten Buches Sozialgesetzbuch und anderer Gesetze angedacht waren, sähe die Kopplung wie folgt aus:

  • Volle Erwerbsminderung: Drei Achtel der ursprünglichen Hinzuverdienstgrenze für Frührentner (14-fache Bezugsgröße) – drei Achtel von 46.060 Euro entspricht 17.272,50 pro Jahr
  • Teilweise Erwerbsminderung: Sechs Achtel der ursprünglichen Hinzuverdienstgrenze für Frührentner – entspricht 34.545 Euro pro Jahr

Jeder Euro über der Grenze wird zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Wer beispielsweise eine volle Erwerbsminderungsrente von 700 Euro bezieht und monatlich 1.600 Euro hinzuverdient, kommt auf einen Hinzuverdienst von 19.200 Euro im Jahr. Der Freibetrag wird um rund 1.928 Euro überstiegen. Von diesem Betrag wird ein Zwölftel (160 Euro) zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Die Erwerbsminderungsrente verringert sich so um 64 Euro pro Monat.