Pfleger schieben zwei Rollstühle
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Höhe der Pflegekosten soll von Pflegedauer abhängen

Noch bis zur Bundestagswahl will Gesundheitsminister Jens Spahn ein Gesetz verabschieden, mit dem Pflegebedürftige finanziell entlastet werden. Von seinem Plan, den Eigenanteil der Pflegekosten auf pauschal 700 Euro pro Monat zu deckeln, ist der CDU-Politiker nun aber abgewichen. Stattdessen sollen die Kosten von der Dauer der Pflege im Heim abhängen.

  • Mehr als 2.000 Euro im Monat müssen Pflegebedürftige im Heim selbst stemmen.
  • Um die Pflegekosten zu senken, plant das Gesundheitsministerium Zuschüsse vom Land und eine Senkung des Eigenanteils.
  • Trotz dieser Anpassungen werden die durchschnittlichen Kosten nicht unter 1.300 Euro sinken.

Im November vergangenen Jahres hat das Gesundheitsministerium ein Eckpunktepapier zur Pflegereform 2021 vorgelegt. Es sieht unter anderem vor, dass sich Pflegebedürftige für maximal 36 Monate mit 700 Euro an den reinen stationären Pflegekosten beteiligen müssen. Ihre finanzielle Belastung wäre somit auf 25.200 Euro gedeckelt.

Wie nun ein interner Arbeitsentwurf zeigt, der unter anderem dem Handelsblatt vorliegt, ist von diesem Plan nicht viel übriggeblieben. Stattdessen koppelt Gesundheitsminister Spahn die Entlastung beim sogenannten einrichtungseinheitlichen Eigenanteil an die Pflegedauer. Personen, die drei Jahre und länger vollstationär gepflegt werden, zahlen so nur noch 25 Prozent der reinen Pflegekosten.

Wo wird die Pflege günstiger?

Die Kosten im Pflegeheim setzen sich aus drei Komponenten zusammen. Neben den reinen Pflegekosten, an denen sich die gesetzliche Pflegeversicherung beteiligt, zählen dazu die Unterkunfts- und Verpflegungskosten sowie die Investitionskosten.

Durchschnittliche monatliche Kosten im Pflegeheim laut Verband der Ersatzkassen (VDEK) zum 1. Januar 2021

  • Pflegekosten (nach Abzug der gesetzlichen Leistungen): 831 Euro
  • Verpflegung und Unterbringung: 779 Euro
  • Investitionskosten: 458 Euro

An letztgenanntem sollen sich die Länder künftig stärker beteiligen, sodass Pflegebedürftige zusätzlich entlastet werden. Der Entwurf sieht vor, dass die Bundesländer für jede vollstationär gepflegte Person 100 Euro im Monat zahlen.

Die Pläne beim Eigenanteil sehen wie folgt aus:

Aufenthalt im Pflegeheim

  • 1. bis 12. Monat: 100 Prozent des Eigenanteils
  • 13. bis 24. Monat: 75 Prozent
  • 25. bis 35. Monat: 50 Prozent
  • Ab dem 36. Monat Pflege im Heim: 25 Prozent des Eigenanteils

Bei derzeitigen Pflegekosten von durchschnittlich 831 Euro im Monat bedeutet dies:

Pflegedauer Pflegekosten
1 – 12 Monate 831 Euro
13 – 24 Monate 623,25 Euro
25 – 35 Monate 415,50 Euro
Ab 36 Monaten 207,75 Euro

Die aktuellen durchschnittlichen Gesamtkosten von 2.068 Euro im Monat (Leistungen der Pflegekasse sind bereits berücksichtigt) würden sich durch die Anpassungen bei den Investitionskosten um 100 Euro sowie um maximal 623,25 Euro beim Eigenanteil auf 1.344,77 Euro reduzieren. Da diese hohe Summe nur die wenigsten Pflegebedürftigen zur Verfügung haben, wird die private Pflegeversicherung ein unverzichtbares Mittel zur Vorsorge bleiben.

Finanzierung über Steuerzuschuss und Beitragserhöhung

Die Mehrkosten für die Pflegereform veranschlagt das Arbeitspapier auf 6,3 Milliarden Euro pro Jahr, wobei rund 2,5 Milliarden Euro auf die Entlastung bei den reinen Pflegekosten entfallen. Weitere 90 Millionen Euro werden zur verbesserten privaten Pflegevorsorge (Pflege-Bahr) eingesetzt.

Die Finanzierung soll weitestgehend durch einen Steuerzuschuss in Höhe von über fünf Milliarden Euro sichergestellt werden. „Diese Summe setzt sich demnach aus einer Pauschale zur ‚Beteiligung an weiteren gesamtgesellschaftlichen Aufgaben‘ der Pflegekassen sowie aus der Übernahme der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige durch den Bund zusammen“, so das Handelsblatt.

Außerdem ist geplant, den Beitrag für Kinderlose im Rahmen der Pflegereform 2021 auf 0,35 Prozent zu erhöhen.