Frau nimmt eine Tablette
Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Hoffnung auf Entlastung: Hilft neue Medikamenten-Kombi gegen Corona?

Forscher haben eine Kombination zweier Medikamente gefunden, die laut erster Studienergebnisse vor schweren Coronaverläufen schützt. Ist das der Durchbruch im Kampf gegen die Pandemie?

Deutschland befindet sich mitten in der vierten Coronawelle. Bund und Länder haben daher am Donnerstag weitreichende Einschränkungen für Ungeimpfte beschlossen. So werden Kinos, Theater und Restaurants nur noch für Geimpfte und Genesende zugänglich sein, gleiches gilt für den Einzelhandel. Auch Kontaktbeschränkungen bei Treffen auf maximal zwei haushaltsfremde Personen gelten für Ungeimpfte. Unabhängig vom Impfstatus werden zudem die Besuche von Diskotheken, Clubs und Großevents stark eingeschränkt.

Während die künftige Regierung mit diesen und vielen weiteren Maßnahmen massiv gegen die Pandemie aufrüstet, scheinen Forscher einen Durchbruch in der Behandlung Corona-Erkrankter geschafft zu haben.

Wirksame Medikamenten-Kombi gegen Covid-19?

In einer Forschungsarbeit, die kürzlich im Fachjournal Frontiers in Endocrinology veröffentlicht wurde, hat ein Team aus Wissenschaftlern vom Imperial College London und Instituten in der Ukraine eine wirksame Kombination zweier Medikamente vorgestellt.

Es handelt sich dabei zum einen um Dexamethason, das erste Mittel, das gegen Covid-19 zugelassen wurde. Gemeinsam mit Spironolacton, einem Herzinsuffizienzmedikament, soll die Kombi Corona-Patienten vor schweren Krankheitsverläufen und somit einem Aufenthalt auf der Intensivstation bewahren.

Zudem erholten sich Behandelte deutlich schneller von Symptomen wie Atemnot oder Geschmacksverlust. Diese typischen Anzeichen von Covid-19 verbesserten sich nach nur fünf Tagen Behandlung deutlich, nach zehn Tagen waren sie bei den meisten Teilnehmern verschwunden.

Die Wirkstoffkombination bekämpft dabei nicht das Coronavirus selbst, sondern die Auswirkungen dessen im menschlichen Körper.

Wie wurde die Studie zur Medikamenten-Kombi durchgeführt?

Die Forscher führten zwei Teilstudien durch. In der ersten Studie wurde eine Gruppe von 80 Covid-Erkrankten geteilt. Die eine Gruppe (HiDex-Gruppe) wurde wie in der Covid-19-Behandlung bereits bekannt hochdosiert mit Dexamethason behandelt. Die zweite Gruppe erhielt Dexamethason niedrig dosiert und dazu noch Spironolacton.

Bei dieser sogenannten SpiDex-Gruppe mit Medikamenten-Kombi waren nach fünf Behandlungstagen bei nur noch 15 von 40 Patienten Veränderungen in der Lunge nachweisbar. In der HiDex-Gruppe hatten noch 24 von 40 Patienten radiologisch feststellbare Veränderungen der Lunge.

Zwar verbesserten sich bei beiden Gruppen die klinischen Werte, in der Wirkstoffkombination fiel die Verbesserung der Parameter aber deutlich besser aus.

Nach diesem positiven ersten Ergebnis wurde im Rahmen der zweiten Teilstudie die SpiDex-Behandlung an 20 Erkrankten getestet, um die Sicherheit der Medikamenten-Kombi zu ermitteln. Nach fünf Tagen trat eine deutliche Linderung der typischen Covid-19-Symptome ein, nach zehn Tagen waren sie nahezu völlig verschwunden.

Während zu Beginn der Teilstudie 18 von 20 Patienten am Verlust des Geschmackssinnes litten, war es nach dieser Zeit nur noch ein Patient. Auch waren nur noch 2 von 20 Patienten von Atemnot betroffen. Zu Beginn der Studie waren es 50 Prozent. „Es gab keine Covid-verbundenen Komplikationen während der SpiDex-Behandlung”, stellen die Studienautoren heraus.

Mittel gegen Covid-19: Gerade noch rechtzeitig vor dem Kollaps des Gesundheitswesens?

Gerade in der aktuellen Coronawelle ist es dringend notwendig, die zahlreichen an den Grenzen ihrer Kapazitäten arbeitenden Krankenhäuser zu entlasten. Zwar fehlt es weniger an Betten und Gerätschaften, im internationalen Vergleich gibt es in keinem entwickelten Land mehr Intensivbetten im Verhältnis zur Einwohnerzahl als in Deutschland. Dafür mangelt umso mehr an Pflegepersonal.

Experten warnen, dass auch viele deutsche Kliniken zeitnah vor der Triage stehen: Das heißt, dass Ärzte priorisieren müssen, welcher Patient eine bessere Heilungschance hat und diesem einen Platz auf der Intensivstation zuteilen. Das passiert, wenn die Kapazitäten nicht mehr reichen, um alle Patienten gleichermaßen angemessen zu behandeln. In Österreich ist dieses Horrorszenario bereits Realität.

Dass die neuen Ergebnisse in der akuten Corona-Lage schon zu einer Entspannung führen können, ist unwahrscheinlich. Das Forscherteam weist darauf hin, dass weitere Untersuchungen mit mehr Teilnehmenden nötig sind. Vieles weist jedoch darauf hin, dass die neue Behandlungsmethode ein wirksames Mittel zur Bekämpfung der Pandemie werden könnte.