Autounfall zwischen zwei Fahrzeugen
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Inflation & mehr Schäden: Kfz-Versicherungen drohen teurer zu werden

Im ersten Coronajahr sind deutlich weniger Autos unterwegs gewesen. Das hat nicht nur zu weniger Unfällen geführt. Wer weniger Kilometer gefahren ist, konnte sich Geld bei der Kfz-Versicherung zurückholen. Doch nun ist das Verkehrsgeschehen das alte – und die Inflation verteuert Reparaturen. Experten erwarten so, dass die Beiträge für Kfz-Versicherung steigen.

  • Die Inflation in Deutschland wirkt sich auch auf die Kfz-Versicherung aus, denn die Kosten für Reparaturen ziehen an.
  • Gleichzeitig dauert der Werkstattbesuch länger, da Ersatzteile fehlen.
  • Zusammen mit den hohen Schäden durch Unwetter im Vorjahr erwarten Experten, dass die Autoversicherer dieses Jahr an der Preisschraube drehen werden.

Schon im März 2022 lagen die Beiträge für Kfz-Versicherungen erstmals seit Herbst 2020 über dem Vorjahresniveau. Vor allem für die Teilkaskoversicherung mussten Autofahrer tiefer in die Tasche greifen. Die Tarife kosteten 8,5 Prozent mehr als vor zwölf Monaten.

Ursache hierfür waren die vielen Schäden durch die Unwetter im Jahr 2021, die die Versicherer bezahlt haben. Vor allem das Sturmtief Bernd hat die Anbieter beschäftigt. Dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft zufolge verursachten die Unwetter doppelt so hohe Schäden als durchschnittlich.

Diese Ausgaben der Autoversicherer sind allerdings nur ein Grund, warum die Kosten der Kfz-Versicherung voraussichtlich steigen werden.

Verkehrsunfälle nehmen wieder zu, Reparaturen kosten mehr

Während die Anbieter zuletzt noch davon profitiert haben, dass aufgrund der Coronapandemie weniger Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs waren und somit weniger Unfälle entstanden sind, ist dieser „positive Effekt auf das Schadensgeschehen nun vorbei“, berichtet das Handelsblatt.

Zwar verbuchte das Statistische Bundesamt mit 2,31 Millionen Verkehrsunfällen im vergangenen Jahr immer noch weniger Fälle als im Vor-Corona-Jahr 2019 (2,68 Millionen Verkehrsunfälle). Im Vergleich zum Jahr 2020, in dem 2,24 Millionen Fälle gemeldet wurden, ist jedoch ein Anstieg zu verzeichnen.

Es gibt also nicht nur mehr Schäden. Im Zusammenspiel mit der Inflation sind die Schadenskosten stark angestiegen.

Durch die hohen Preise für Ersatzteile kosten die Reparaturen mehr. Außerdem müssen sich Autofahrer auf längere Wartezeiten in der Werkstatt einstellen, da es durch den Krieg in der Ukraine zu gestörten Lieferketten kommt. Wer in dieser Zeit einen Mietwagen von der Kfz-Versicherung bezahlt bekommt, kann sich zwar glücklich schätzen. Die Versicherer werden die gestiegenen Kosten für Reparaturen, Mietwagen und Co. allerdings früher oder später in ihre Beitragskalkulation einfließen lassen.

Kfz-Versicherer halten sich zur Preisentwicklung bedeckt

Ob und wie sehr die Kfz-Versicherung teurer wird, darüber geben die Anbieter in Deutschland bisher keine Auskunft. Sie verweisen auf kartellrechtliche Gründe, sich nicht zu der Preisentwicklung im Herbst äußern zu dürfen, so das Handelsblatt. Die Rückversicherer sind dagegen gesprächsbereiter: „Grundsätzlich sehe man Handlungsbedarf bei den Erstversicherern, die Prämien zu erhöhen“, zitiert das Handelsblatt einen Sprecher von Hannover Rück.

Kfz-Versicherungsbeiträge senken durch Wechsel oder Anpassungen

Da sich die Kfz-Versicherungen bisher bedeckt halten, heißt es für Autofahrer zunächst einmal abwarten. Im Herbst kann es dann sinnvoll sein, mit einem Kfz-Versicherungsvergleich herauszufinden, ob sie mit einem Wechsel ihre Versicherungskosten senken können. Die meisten Versicherten dürfen bis zum 30. November ihre alte Autoversicherung kündigen und wechseln.

Ist ein neuer Versicherer keine Option, können Autofahrer die Beiträge ihrer Kfz-Versicherung mit Anpassungen senken. Sind beispielsweise mehrere Fahrer versichert, besteht sehr großes Sparpotenzial, indem der Fahrerkreis eingeschränkt wird. Auch ein Rabattschutz und ein Schutzbrief machen die Versicherung teurer. Wer Mitglied in einem Automobilclub ist, braucht den Schutzbrief in der Regel nicht. Günstiger wirken sich zudem weniger gefahrene Kilometer und eine Werkstattbindung aus.