Ärztin hält Spritze in der Hand
Jenny Gebel
Jenny Gebel

Online-Redakteurin

Mehr Leistungen: Kassen bezahlen in Zukunft Trisomie-21-Bluttest

Ab Frühjahr 2022 werden Krankenkassen die Kosten für pränatale Bluttests übernehmen, die zeigen, ob das ungeborene Kind ein Downsyndrom (Trisomie-21) hat. Diesen Beschluss fasste der Gemeinsame Bundesausschuss im Gesundheitswesen. Kirche und Behindertenverbände fürchten mehr Schwangerschaftsabbrüche und Diskriminierung.

  • Im August entschied der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Kliniken und Kassen, dass der vorgeburtliche Bluttest auf Downsyndrom in Zukunft von den Krankenkassen bezahlt werden.
  • Diese Gentests sollen nur in begründeten Einzelfällen bei risikoreichen Schwangerschaften und mit intensiver ärztlicher Betreuung durchgeführt werden.
  • Kirchen und Behindertenverbände befürchten dennoch eine zunehmende Diskriminierung von Menschen mit Downsyndrom und eine steigende Zahl an Schwangerschaftsabbrüchen.

Mit einem Bluttest lässt sich bereits während der Schwangerschaft feststellen, ob das ungeborene Baby an dem sogenannten Downsyndrom leidet. Dieser Test soll voraussichtlich ab Frühjahr 2022 in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen werden. Mit anderen Worten: Die Kasse bezahlt die Kosten für diese Gentests. Diesen Beschluss fasste der Gemeinsame Bundesausschuss des Gesundheitswesens, zu dem Ärzte, Kliniken und Kassen gehören.

Keine leichte Entscheidung für das Gremium

Mit diesem Schritt genehmigte der Bundesausschuss eine Patienteninformationsbroschüre. Diese soll bei der ärztlichen Behandlung zum Einsatz kommen. So sollen Frauen umfassend über den nicht-invasiven Pränataltest (NIPT) informiert werden, um gemeinsam mit dem Arzt zu entscheiden, ob ein solcher Test im Zuge der Voruntersuchungen in der Schwangerschaft für sie infrage kommt oder nicht. Darin ist ausdrücklich erklärt, dass der Test auf Trisomie keinesfalls zu den Routineuntersuchungen zählt. Im Gegenteil: Medienberichten zufolge ließ das Gremium verlauten, dass der Bluttest nur „in begründeten Einzelfällen bei Schwangerschaften mit besonderen Risiken“ zum Einsatz kommen solle. Die Kostenübernahme durch die Krankenkasse erfolgt nur, wenn eine intensive ärztliche Beratung stattfindet.

Ganz überraschend kommt dieser Schritt zwar nicht. Bereits 2019 hatten die Experten einen solchen Test befürwortet. Die Entscheidung sei aber für den Gemeinsamen Bundesausschuss zu keiner Zeit leicht gewesen, sagte der Vorsitzende Josef Hecken gegenüber der FAZ.

Befürworter loben die Genauigkeit des Tests

Bei dieser nicht-invasiven Form der Untersuchung lässt sich Erbgut des Kindes aus der Plazenta untersuchen, zum Beispiel auf genetische Veränderungen wie Trisomie 21. Hier ist das 21. Chromosom anstatt doppelt, dreifach vorhanden. Darüber hinaus lässt der Test auch Trisomie 13 und 18 erkennen. Ein Eingriff in die Gebärmutter erfolgt nicht (nicht-invasiv). Fruchtwasser wird nicht entnommen. Eine Blutentnahme aus einer Armvene genügt. Denn ab der zehnten Schwangerschaftswoche ist im Blut der Mutter bereits so viel DNA des Kindes vorhanden, dass eine Untersuchung im Labor möglich ist. Daher besteht kein Risiko für eine Fehlgeburt. Unter Experten gilt der Test auf Trisomie als sehr sicher, auch was das Ergebnis betrifft. Dieses sei bei 99,91 Prozent der Fälle richtig-negativ.

Dass diese Untersuchung ab 2022 eine Kassenleistung werden soll, lässt Kritiker aufhorchen.

Zunahme von Diskriminierung und Schwangerschaftsabbruch befürchtet

Vertreter der katholischen Kirche sowie Behindertenverbände sehen die Entwicklung eher skeptisch. Sie befürchten, dass sich betroffene Frauen zu einem Schwangerschaftsabbruch entschließen. Außerdem bestünde das Risiko, dass Menschen mit einer Gen-Anomalie wie dem Downsyndrom in Zukunft stärkerer Diskriminierung ausgesetzt seien, wenn die Gentests in der Schwangerschaft eine Leistung der Krankenkasse werden.

Josef Hecken erklärte gegenüber der FAZ, dass sich das Gremium bewusst sei, dass diese Entscheidung nicht bei allen Gruppen in der Gesellschaft auf Zustimmung stoßen würde. Trotzdem sei es aus medizinischer Sicht richtig, Schwangeren, die bestimmte Ängste und Unsicherheiten in Bezug auf Trisomie haben, eine sichere Untersuchungsmöglichkeit anzubieten.

Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge zahlen die Krankenkassen nur notwendige Untersuchungen. Wer sich mehr Leistungen wünscht, sollte sich im Voraus informieren, welche Zusatzleistungen die Krankenkasse anbietet. Dabei kann ein Online-Vergleichsrechner weiterhelfen, um schnell einen Überblick über die Leistungen der Wunschkrankenkasse zu bekommen.