Frau blättert Unterlagen durch
Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Kassenbeiträge: Spahns Pläne zur Beitragssenkung verlaufen im Sande

Zum Jahresende passen die meisten gesetzlichen Krankenkassen regelmäßig – wenn nötig – ihre Beiträge an. Ginge es nach Gesundheitsminister Jens Spahn, würde es sich dabei nun um Beitragssenkungen handeln. Doch da Spahns Reformen und Gesetze den Krankenkassen viel Geld kosten, sehen diese von günstigeren Krankenkassenbeiträgen ab.

  • Arbeitnehmer konnten in diesem Jahr bereits sparen, denn Arbeitgeber übernehmen seitdem die Hälfte des Zusatzbeitrages zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).
  • Über niedrigere Beiträge können sich Versicherte künftig jedoch nicht freuen – die Kostenentwicklung lässt dies nicht zu.
  • Für viele Versicherte bleiben die Beiträge in 2020 stabil, ehe Experten 2021 von einer deutlichen Erhöhung ausgehen.

Zwischen 2015 und 2019 steigerten die gesetzlichen Krankenkassen ihre Rücklagen von 14,4 Milliarden auf 21,2 Milliarden Euro– Grund genug für Jens Spahn (CDU), um von ihnen Beitragssenkungen zu fordern. Als Teil des im Oktober 2018 verabschiedeten Versichertenentlastungsgesetzes hätten Versicherte so in 2020 weiter einsparen sollen. Durch die vollständige Beitragsparität zwischen Arbeitgebern und Angestellten wurde in diesem Jahr bereits ein wichtiger Punkt in Spahns Programm zur Entlastung der Arbeitnehmer umgesetzt. Doch sein Versprechen der Beitragssenkungen wird sich im neuen Jahr nicht erfüllen. Kaum eine Kasse plant, ihre Beiträge nach unten anzupassen. Einige wollen ihre Beiträge stabil halten.



Beiträge bleiben bestenfalls stabil

Dazu zählen folgende Krankenkassen:

  • BKK firmus (0,44 Prozent)
  • Heimat Krankenkasse (1,1 Prozent)
  • hkk (0,39 Prozent – eventuell sogar Senkung)
  • DAK Gesundheit (1,5 Prozent)
  • VIACTIV (1,2 Prozent)
  • AOK Bremen / Bremerhaven (0,7 Prozent)
  • AOK Plus (0,6 Prozent)
  • AOK Sachsen-Anhalt (0,3 Prozent)

In 2019 nach jahrelangen Überschüssen erstmals Defizit

Grund dafür, dass die Krankenkassen trotz hoher Rücklagen diese kaum durch eine Senkung der Beiträge an ihre Versicherten weitergeben, sind die durch Spahns Reformprogramm bedingten höheren Kosten für die GKV. Besonders das Gesetz für die schnelle Vergabe von Arztterminen und das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz schlagen hier zu Buche. Bis 2022 soll der durch die Gesetze des Gesundheitsministers entstandene zusätzliche Finanzbedarf bis zu 40 Milliarden Euro betragen.

Statt Überschüsse einzufahren, dürften die gesetzlichen Krankenkassen laut Experten in 2019 mit einem Defizit von rund 1,3 Milliarden Euro abschließen. Schon im Oktober hatte das Bundesgesundheitsministerium mitgeteilt, dass der durchschnittliche Zusatzbeitrag zur GKV 2020 um 0,2 Prozent steigt. Doch der Minister versuchte die Wogen zu glätten: „Dank der übermäßig hohen Rücklagen vieler Krankenkassen werden die tatsächlich zu zahlenden Beiträge für sehr viele Versicherte unterm Strich im Jahr 2020 gleich bleiben oder sinken.“

Selbst bei großen Krankenkassen stehen keine Senkungen an

Die Techniker (TK) ist zwar laut dem GKV-Rating des Handelsblattes die zweitstärkste Krankenkasse in Sachen Finanzkraft, doch auch hier werden die Beiträge nach bisherigem Stand nur stabil bleiben. Jens Baas, TK-Chef, erklärte hinsichtlich der Kostenentwicklung im Gesundheitssektor gegenüber der Neuen Westfälischen: „Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen steigen weiter kräftig, zuletzt mit einer Rate von immerhin fünf Prozent.“

Eine Senkung der Beitragssätze ist damit unwahrscheinlich. Vorerst können jedoch keine endgültigen Angaben getroffen werden, denn die neuen Krankenkassenbeiträge werden erst in den jeweiligen Sitzungen der Verwaltungsräte kurz vor Weihnachten offiziell beschlossen.